Prozess in Frankfurt

Kokainsüchtige haben mit Überfällen auf Juweliergeschäfte Sucht finanziert

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Gleich sechs Einbrüche bei Juwelieren sollen im Dezember 2017 auf das Konto von zwei 28 und 39 Jahre alte Rumänen gehen. Seit gestern müssen sie sich vor dem Landgericht verantworten. Die wertvollste Beute machte das Duo laut Anklage am 7. Dezember bei einem „Bruch“ in Schwanheim – Schmuck im Wert von 32 000 Euro.

Obwohl die Juweliergeschäfte, in die sie einbrachen, in der Innenstadt lagen, bemühten sich die Täter nicht, leise zu sein. Und so schlugen sie nachts mit Eisenstangen und Wagenhebern die Schaufensterscheiben ein und stiegen in die Läden, wo sie Vitrinen und Glasschränke demolierten und die ausgestellten Schmuckstücke zusammenrafften. Natürlich erbeuteten sie so meist nur die zweite Wahl, die sogenannte „Nachtdekoration“, die wertvollen Stücke lagern nachts im Tresor.

Während die Einbrüche in Schwanheim, in der Fußgängerzone in Höchst (Königsteiner Straße mit rund 18500 Euro Beute), Aschaffenburg und Neu-Isenburg erfolgreich waren, machte ihnen bei einem Einbruch in Fulda die plötzlich aufheulende Sirene einen Strich durch die Rechnung. Bei einem weiteren „Bruch“ in Neu-Isenburg war es eine plötzlich auftauchende Nachbarin und bei der letzten Tat, zwei Tage nach Neujahr 2018, wurden die Täter gar in Frankfurt festgenommen.

Sie kamen in Untersuchungshaft, während die Staatsanwaltschaft die einzelnen Stationen ihrer Reise aus der rumänischen Heimat nach Deutschland ermitteln musste. Einer der Täter war bereits frühzeitig behilflich. Er legte ein umfassendes Geständnis ab und gestand auch mehrere Apotheken-Einbrüche in Ansbach (Bayern), die mittlerweile vor Ort zu einer Haftstrafe von 14 Monaten geführt haben, die in das zu erwartende Frankfurter Urteil einbezogen wird.

Die beiden Angeklagten berichteten am ersten Verhandlungstag von ihrer Kokainsucht. Die sei auch das Motiv der Taten gewesen. Denn Kokain sei teuer – gerade für zwei Fremde, die von kärglichen 1000 Euro in der Geldbörse auch noch mehrere Hotelnächte in Frankfurt finanzieren mussten.

In ihrer Befragung ließen die Richter Zweifel an dem ausgeprägten Drogenkonsum der Männer durchblicken. So sei das Wort Kokain in der polizeilichen Vernehmung nicht ein einziges Mal gefallen, berichtete ein Ermittlungsbeamter im Zeugenstand. Wären Drogen von dem Vernommenen zum Gegenstand gemacht worden, hätte sich das gewiss im Protokoll niedergeschlagen, versicherte der Kripo-Mann. Anzeichen aber gibt es offenbar für eine allgemeine psychische Störung bei den beiden Männern. Ein Sachverständiger begutachtete den Jüngeren bereits in einer Verhandlungspause und wird sich an einem der nächsten Verhandlungstage auch mit dem Älteren beschäftigen. Das Ergebnis seiner Untersuchungen könnte zu einer Unterbringung der Angeklagten in einer Heilanstalt führen.

Auch wegen der Höhe des Schadens in den Juwelierläden dürfte der auf vier Verhandlungstage konzipierte Prozess durch die Geständnisse nicht deutlich verkürzt werden. Die Höhe der Gesamtbeute von 68000 Euro soll im Wege eines „Verfalls“ eingezogen werden – wenn bei den Männern überhaupt noch etwas zu holen ist. Die erbeuteten Wertsachen seien „zeitnah“ auf dem Drogenmarkt vertickert worden. Mitte September will Richter Jens Peter Kulik das Urteil verkünden.

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