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Römer Frankfurt

Kolumne

Die Woche im Römer: O du Fröhliche!

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Zahlreiche Weihnachtsgeschenke haben CDU, SPD und Grüne bei ihrer Koalitionsklausur in Bad Nauheim für die Frankfurter eingepackt.

Frankfurt - Hach, da kann es einem richtig weihnachtlich ums Herz werden. Endlich, endlich haben sie sich im Römer wieder lieb. So lieb, dass sich CDU, SPD und Grüne bei ihrer Koalitionsklausur in Bad Nauheim sogar darauf geeinigt haben, welche Weihnachtsgeschenke sie den Frankfurtern in diesem Jahr unter den Baum legen wollen. Das sind einige.

Kostenfreier Eintritt in Schwimmbad, Zoo und Museen für Kinder und Jugendliche

Von den Sozialdemokraten gibt es den kostenlosen Eintritt für Kinder und Jugendliche ins Schwimmbad, in den Zoo und in die nicht-städtischen Museen, von den Grünen 3 Millionen Euro extra fürs Stadtgrün und Tempo 30 auf dem Alleenring. Und die Christdemokraten? Die bekommen zumindest einen Zuschuss für das katholische Gymnasium und ein Alkoholverbot am Kaisersack, mit dem sie ihre Klientel beglücken können.

Wohltaten für 10 Millionen Euro aus dem Römer

Es war schon ein cleverer Schachzug, die Koalitionsklausur mitten in die Adventszeit zu legen. Der Bad Nauheimer Weihnachtsmarkt genießt einen fantastischen Ruf, der Glühwein dort schmeckt mindestens genauso gut wie der auf dem Römerberg, und die Kulisse ist malerisch. Zumindest Kämmerer Uwe Becker (CDU) muss es weihnachtlich zumute gewesen sein – er ist ja auch Kirchendezernent –, sonst hätte er nicht so viele Geschenke rausgerückt.

Geschenke auf Kredit finanziert

Weihnachtspäckchen liegen unter dem Weihnachtsbaum.

Insgesamt summieren sich die zusätzlichen Wohltaten aus dem Römer auf 10 Millionen Euro. Eine schöne Bescherung, stand doch im städtischen Haushalt für nächstes Jahr schon vor der Bad Nauheimer Koalitionsklausur ein Fehlbetrag in Höhe von 164,1 Millionen Euro. Aber ach, 10 Milliönchen mehr oder weniger, was ist das schon bei einem Haushaltsvolumen von insgesamt 4 Milliarden Euro? Gerade Mal 0,3 Prozent, rechnet Becker vor. Die kann man schon mal für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Der durchschnittliche Frankfurter verdient im Jahr 44 522 Euro, der gibt sicher mehr als 0,3 Prozent seines Jahreseinkommens – das wären knapp 150 Euro – für Weihnachtsgeschenke aus. Warum sollte die Koalition da sparsamer mit ihrem Geld umgehen? Vielleicht, weil der durchschnittliche Frankfurter seine Weihnachtsgeschenke auch nicht per Kredit finanziert? Nur so eine Idee.

Aber, wenn wir mal ehrlich sind: Wir Frauen machen es ja genauso wie die Römer-Koalition. Wenn es bei ihnen so richtig mies läuft, geben sie vor lauter Frust Geld aus. Das kann dann schon mal richtig teuer werden. Aber es hebt die Stimmung, zumindest kurzfristig.

So ist das auch mit der Koalition. Die hat bekanntlich ein extrem schwieriges Jahr hinter sich. Wichtige Entscheidungen hat sie ein ums andere Mal vertagt, um alles und jedes gab es Gezänk. Wie wohltuend ist da der neue Weihnachtsfriede. Und Geschenke verteilen macht ja auch Spaß. So viel Spaß, dass am liebsten jeder die frohe Botschaft gleich selbst verkündet hätte. Doch in Frankfurt sind die frohen Botschaften – natürlich – Sache des Oberbürgermeisters. Kaum hatte jener diese Frankfurter Weihnachtsgeschichte bei einer Pressekonferenz im Römer verkündet, posaunten es die anderen schon von den Dächern und bemühten sich, in eifrig versendeten Pressemitteilungen klarzumachen, wer denn der wahre Wohltäter ist, nämlich sie.

Schließlich, und so ist das eben an Weihnachten, feiern wir das Fest der Liebe. Und mittlerweile hat nicht nur der Oberbürgermeister verstanden: Liebe – auch die des Volkes – verdient man sich durch Zuwendung(en).

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