Kommentar: Savoir vivre!

In der kolumbianischen Hauptstadt Bogota gehören die Straßen jeden Samstag, Sonntag und Feiertag zur Hälfte Freizeitsportlern. In Paris ist die Champs-Elysées jeden ersten Sonntag eines Monats autofrei,

In der kolumbianischen Hauptstadt Bogota gehören die Straßen jeden Samstag, Sonntag und Feiertag zur Hälfte Freizeitsportlern. In Paris ist die Champs-Elysées jeden ersten Sonntag eines Monats autofrei, und in Prag und Brüssel ist die Stadt für Autos sonntags tabu. Hierzulande ist das die Ausnahme. Kann man sich doch durchringen, dann wirkt es halbherzig, weil nur abgelegene, wenig befahrene Strecken gesperrt sind.

Von halben Sachen wie in Hannover oder Würzburg hält Verkehrsdezernent Klaus Oesterling aber nichts. Ganz oder gar nicht, lautet sein Motto. Aber riskieren will er auch nichts, zu groß ist seine Sorge vor Anschlägen wie beim Weihnachtsmarkt in Berlin 2016. Und so wird seine Amtszeit wohl nicht in die Geschichtsbücher eingehen. Denn in Frankfurt gab es noch nie einen freiwilligen autofreien Sonntag.

Man würde Oesterling wie auch seinem obersten Dienstherren Peter Feldman den Mumm von Anne Higaldo wünschen. Die Bürgermeisterin von Paris hat für autofreie Straßen gekämpft und sich durchgesetzt. Die Bürger danken es ihr und flanieren zu Zehntausenden über die Champs-Elysées. Angst haben die Pariser nicht, sie freuen sich.

In Frankreich sagt man nicht umsonst „savoir vivre“, also verstehen zu leben. Unsere Nachbarn haben wohl auch eine andere Einstellung zum Auto, das der Deutschen liebstes Kind ist. Hier lautet das Motto freie Fahrt statt autofreie Straßen. Daran werden auch kostenlose Fahrkarten für Busse und Bahnen oder eine Straßenmaut nichts ändern. Schade!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare