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Chinesische Touristen besichtigen  Römer

Die Woche im Römer

Kommt Zeit, kommt Rad(weg)

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Frankfurt - Ja, mir san mit’m Radl da! Dieses alte bayerische Volkslied haben immer mehr Frankfurter auf den Lippen, wenn sie fröhlich in die Pedale treten. Die Mainmetropole ist wie geschaffen für Bikes. Von Fechenheim bis Höchst geht es schnurgerade dahin. Lediglich nach Bergen-Enkheim oder in nördliche Stadt-Gefilde gerät der Radler ins Schnaufen. Aber auch das muss nicht sein. In den 1990er Jahren wurde das E-Bike erfunden, das auch Untrainierten eine Reichweite bis nach Seligenstadt und darüber hinaus verschafft. Einige sollen sogar im Ratskeller zu Würzburg aufgeschlagen sein.

Das Lastenrad wurde zum Familienrad weiterentwickelt. Was für die Westend-Mutter ihr Porsche Cayenne ist, ist für die grüne Nordend-Mutter das Familienrad. Mit dem Kleinen auf der Ladefläche vorneweg fährt sie, als ob das Radl eine Knautschzone hätte, dabei hat es nur eine Autschzone. Auch die Nordend-Mutter vom Stamme der Bionade-Bourgeoisie fährt natürlich elektrisch unterstützt.

 Thomas Remlein

Dank Klimaerwärmung kann in Frankfurts milden Gefilden fast ganzjährig mit dem Velo gefahren werden. Schneefall ist selten geworden. An Sommertagen wuseln die Radler entlang der Hauptstraßen wie es sonst nur in Münster, Amsterdam oder Erlangen der Fall ist. Zwischen 1988 und 2016 ist der Anteil des Radverkehrs um 540 Prozent gestiegen, erklärte kürzlich Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) im Stadtparlament. Durchschnittlich 17 Prozent der Verkehrsteilnehmer sind mit dem Rad unterwegs. Auf die neuen Zahlen des Jahres 2018 wird mit Spannung gewartet.

Im gleichen Zeitraum hat der Autoverkehr in der Innenstadt um 30 Prozent abgenommen. Es gibt mittlerweile Parkhäuser mit zu geringer Auslastung. Das schreit natürlich nach einer Neuverteilung des knappen Straßenraumes. Mehr Platz für Radler, weniger für die Autos.

Die Bürgerinitiative Radentscheid fordert, dass jeder – ob 8 oder 88 Jahre alt – die Möglichkeit haben soll, sich sicher, zügig und angstfrei mit dem Rad durch Frankfurt zu bewegen. Dann könnten Kinder alleine mit dem Rad zur Schule fahren, anstatt vom elterlichen Fahrdienst mit dem drei Tonnen schweren Geländewagen dorthin gebracht zu werden.

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Die Umverteilung des Verkehrsraums ist ein hartes Geschäft. Werden neue Radwege gebaut, fallen Parkplätze weg. Und was sind die Hauptforderungen der Ortsbeiräte? Mehr Parkplätze und mehr Radwege! Auch die Busse und Bahnen der VGF und die Fußgänger brauchen Platz. In den vergangenen 20 Jahren hat sich in Frankfurt zugunsten der Radler viel getan. Sie dürfen gegen Einbahnstraßen fahren; eine umstrittene Maßnahme. Denn für viele Radler war das offenbar das Signal, das für sie keine Verkehrsregeln gelten. Eine rote Ampel, was soll’s? Mit Tempo 30 über die Zeil? Warum nicht, es gibt ja keine Radarkontrollen. Dort wäre zwar Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben, aber angesichts der Menschenmassen in Frankfurts Einkaufsmeile verzichten Vernünftige hier auf das Radfahren. Radler sind es meistens nicht.

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An vielen Hauptstraßen wie der Mainzer Landstraße wurden in der Amtszeit der Verkehrsdezernenten Lutz Sikorski (†) und Stefan Majer (beide von den Grünen) Fahrradstreifen aufgemalt. Weiße Farbe war eine Zeit lang in Frankfurt nur noch schwer zu kriegen. Gegen diesen Radwegebau per Pinsel wenden sich die Initiatoren des Radentscheids. Sie wollen echte, baulich abgegrenzte Fahrradwege, wie sie beispielsweise in Kopenhagen üblich sind. Dort hat der Anteil des Radverkehrs die 50-Prozent-Marke überschritten. Verkehrsdezernent Oesterling soll jetzt im Auftrag des Magistrat mit den Initiatoren des Radentscheids reden. Ein Vertreter von CDU und Grünen wird dabei sein. Sie sollen den Radl-Fans erklären, was der Magistrat plant, um deren Forderungen zu erfüllen. Schließlich gilt das Motto: Kommt Zeit, kommt Rad, kommt Radweg. Es wäre schön, wenn Frankfurt um einen Bürgerentscheid zur Radwegeplanung herumkäme. Der letzte (gescheiterte) Bürgerentscheid kostete rund eine Million Euro. Dafür lässt sich ein schönes Stück Radweg bauen.

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