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Mohammad Nasser will in Frankfurt Maschinenbau studieren. Dafür absolviert er derzeit ein Praktikum bei der VGF.

Beratungsstelle

Kompetenzzentrum für berufliche Integration zieht Bilanz

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Vor einem Jahr initiierte die Walter-Kolb-Stiftung eine neue Beratungsstelle für Geflüchtete, die in Frankfurt einen Job suchen. Jetzt kann sie erste Erfolge vorweisen. Die Stadt erhöht ihren Zuschuss auf knapp 250 00 Euro.

Dass Mohammad Nasser (25) mal bei der Bahn arbeiten würde, hätte er nie gedacht: „In Syrien gibt es gar keine U-Bahnen“, erklärt er. Vor drei Jahren floh er vor dem Krieg nach Deutschland. Sein Maschinenbau-Studium in der Heimat musste er abbrechen. Heute absolviert er ein Praktikum bei der VGF. Das Kompetenzzentrum für berufliche Integration und Nachqualifizierung hat ihn an die Verkehrsgesellschaft vermittelt.

Seit einem Jahr gibt es die Frankfurter Beratungsstelle für Geflüchtete. In dieser Zeit haben Leiter Marco Nickel und sein Kollege nach eigenen Angaben mit 217 Geflüchteten besprochen, wie diese auf dem hiesigen Arbeitsmarkt Fuß fassen könnten. Die Ratsuchenden stammten meist aus Syrien, fast die Hälfte waren Frauen, bis auf eine Ausnahme haben alle eine Bleibe- und Arbeitserlaubnis. Sie brachten Erfahrungen aus Industrie, Handwerk, Handel und Medizin mit.

Laut Nickel eint sie aber vor allem die hohe Eigenmotivation. Die Beratung ist freiwillig, jeder Geflüchtete bekommt so viel Unterstützung wie er will und braucht. „Manchmal können wir schon mit einer einzigen Antwort helfen“, sagt Nickel. Eine Hauptaufgabe sei, formelle Hürden zu überwinden.

Ziel der Beratung ist, den Geflüchteten eine Jobperspektive zu eröffnen, die ihren mitgebrachten Qualifikationen entspricht. Aber nicht jede im Ausland absolvierte Ausbildung wird in Deutschland auch anerkannt. „Ein Anerkennungsverfahren dauert etwa ein halbes Jahr und kostet Geld“, erklärt Nickel. „Oftmals bringt die Geflüchteten ein Praktikumsplatz viel weiter.“ Das sei vor allem bei den gefragten Handwerkern so.

Alle 89 Personen mit beruflichen Abschlüssen, die beim Kompetenzzentrum vorsprachen, konnte in Arbeit, Aus-, beziehungsweise Weiterbildung, oder Studium weitervermittelt werden. Auch 72 der 81 Akademiker fanden Anschluss auf dem Arbeitsmarkt. Zu beachten ist: Die Gruppen überschneiden sich.

Eine formale Berufsausbildung fehlte 71 Ratsuchenden, von denen trotzdem alle vermittelt wurden – dank teils langjähriger Joberfahrung. Bei wie vielen die Beratung nicht zum Erfolg führte, konnte Nickel nicht sagen. In fünf Fällen reichten die Sprachkenntnisse nicht für weitere Maßnahmen aus, sonst fehlten detaillierte Statistiken. „Langfristige Folgen unserer Arbeit können wir nicht nachvollziehen“, räumte der Zentrumsleiter. Dafür seien sie auf die freiwilligen Rückmeldungen der vermittelten Geflüchteten angewiesen.

Hinter dem Integrationsprojekt steht die stadtnahe Walter-Kolb-Stiftung, finanziell unterstützt wird sie von der Deutschen Bank-Stiftung, der Randstad-Stiftung sowie der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Das jährliche Budget liegt bei 300 000 Euro, 200 000 Euro davon trägt die Stadt. „Für den Haushalt 2019 haben wir noch mal 44 000 Euro eingeplant“, sagte die Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Im November soll das Kompetenzzentrum von der Braubachstraße in das Zentrum für interkulturelle Bildung im Gallus ziehen.

Läuft alles glatt, studiert Mohammad Nasser dann wieder Maschinenbau. Im Oktober soll es losgehen, eine Sprachprüfung fehlt noch. „Das Studium ist eine Chance“, sagt der Syrer. „Ich will nicht nur arbeiten. Vielleicht erfinde ich einen alternativen Auto-Antrieb.“

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