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Kontrahenten stundenlang eingesperrt und mit einer Schere misshandelt

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Von: Matthias Gerhart

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Die Statue der Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv
Die Statue der Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv © dpa

Wieder einmal war Eifersucht die Ursache für eine bizarre Gewaltattacke. Weil er seinen Kontrahenten über Stunden eingesperrt und mit einer Schere misshandelt hatte, ist ein 25 Jahre alter Mann gestern vom Landgericht Frankfurt zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt worden. Einzig sein mittlerweile makelloser Lebenswandel bewahrte ihn vor einem Gefängnisaufenthalt.

Der spätere Kontrahent war seit längerer Zeit mit seiner Schwester liiert – ein Umstand, der die beiden Männer irgendwann einmal zusammenführte. Die Beziehung zerbrach, man hielt aber dennoch weiter Kontakt.

Nun aber war der Angeklagte selbst auf der Suche nach einer Frau und hielt deshalb virtuell Ausschau, bis sich eines Tages „Schnucki“ in irgendeinem sozialen Netzwerk meldete und bei dem Mann offenbar einen recht manierlichen Eindruck hinterließ.

Die Gefühle für die neue Internet-Bekanntschaft bekamen erst dann eine Schramme, als der Angeklagte plötzlich merkte, dass sie auch am Ex-„Schwager“ Interesse zeigte.

Befeuert durch reichlichen Alkoholgenuss beschloss der Mann, es dem plötzlichen Kontrahenten mit einer „Strafaktion“ zu zeigen: Der 20. März 2016 wurde zu einem Tag, den der junge Mann auf Freiersfüßen so schnell nicht vergessen dürfte und der seit vergangener Woche im Mittelpunkt des Prozesses vor der 31. Großen Strafkammer mit ihrem Vorsitzenden Richter Stefan Möller stand.

Zu Ecstasy gezwungen

Aus der Abreibung für den vermeintlichen Nebenbuhler hatte sich eine Anklage wegen erpresserischen Menschenraubes, schwerer räuberischer Erpressung (vier Euro Bargeld hatten auf Druck den Besitzer gewechselt) und gefährlicher Körperverletzung gemausert – ein Fall für die große Strafkammer des Landgerichtes mit einer Strafandrohung von mindestens fünf Jahren Haft.

Entsprechend angespannt war die Stimmung des Angeklagten, der sich knapp zwei Jahre danach über den völligen Unsinn seiner „Strafaktion“ durchaus bewusst zu sein schien. Die Anklage ging sogar noch weiter: Weil er sein im Umgang mit Drogen unerfahrenes Opfer gezwungen habe, Ecstasy-Tabletten einzunehmen, habe er leichtfertig Halluzinationen bei diesem verursacht und deshalb noch einmal den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung verwirklicht.

Zumindest diesen einen Punkt wehrten der Angeklagte und sein Verteidiger mit Erfolg ab. Bei der ganzen Aktion sei von beiden Seiten so viel Alkohol mit im Spiel gewesen, dass die Ursache der Halluzinationen am Ende nicht mehr zu klären sei.

Das Gericht ließ es dabei bewenden und ging diesem Detail im Urteil nicht weiter nach. Viel mehr Punkte brachte dem Angeklagten allerdings der von dem laufenden Strafverfahren wohl völlig unabhängige Entschluss, seinem ungezügelten Drogen- und Alkoholkonsum nun endlich einmal Herr zu werden.

Zu diesem Zweck suchte er die Einrichtung der „Fleckenbühler“ in der Gegend von Marburg auf, wo ein sogenannter kalter Entzug gemacht wurde und er seither auch wohnt und arbeitet. Und mittlerweile habe er sogar eine Ausbildungsstelle in der Möbelbranche angetreten, sagte der ansonsten geständige Angeklagte.

Minder schwerer Fall

Das Gericht ging im Urteil von einem minder schweren Fall aus, was die Strafandrohung nach unten korrigierte. Am Ende kamen zwei Jahre mit Bewährung heraus – plus der Auflage, weiter bei den „Fleckenbühlern“ zu bleiben und die Ausbildung fortzusetzen.

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