Peter Hofer (links) und Jörg Hellmich wollen den Kirchort Sankt Christophorus retten. Mittlerweile gibt es ein Konzept, wie die Kirche und dazugehörende Gebäude saniert werden können. Die Form des Gotteshauses erinnert an ein Schiff. Foto: Enrico Sauda
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Peter Hofer (links) und Jörg Hellmich wollen den Kirchort Sankt Christophorus retten. Mittlerweile gibt es ein Konzept, wie die Kirche und dazugehörende Gebäude saniert werden können. Die Form des Gotteshauses erinnert an ein Schiff.

Preungesheim: Gotteshaus mit Rissen

Konzept für Kirchensanierung steht

  • vonGernot Gottwals
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Verein will zunächst Setzrisse kitten - Verwaltungsrat gibt Gutachten in Auftrag

Ein neues Sanierungskonzept, eine Bürgerinitiative und ein Kirchbauverein mit einem Startkapital von 500 000 Euro: Peter Hofer und Jörg Hellmich von der katholischen Pfarrei Sankt Franziskus suchen weitere Mitstreiter für den Erhalt der zum Abriss bestimmten Kirche Sankt Christophorus. "Mit einem Gutachter und Architekt Mirko Roncevic haben wir festgestellt, dass die Kirche sanierungsfähig ist und Gemeinderäume in einem einzubauenden Modul Platz finden können", sagt Hofer.

Mit diesem als "Arche" bezeichneten Konzept erhoben die Engagierten für den Kirchenerhalt im Bauausschuss Einspruch gegen die Abrisspläne und konnten die ab Januar im Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat vorgesehenen Abstimmungen über das Gebäudekonzept von Sankt Franziskus bis auf Weiteres verschieben. "Noch ist das Verfahren zur Umnutzung und Aufgabe von Kirchen im Bistum Limburg für Sankt Christophorus nicht eröffnet", stellt Hofer fest.

Das von der Gruppe erarbeitete Kirchenimmobilienkonzept (KIS) hatte ergeben, dass die Bausubstanz von Kirche, Pfarrhaus, Gemeindezentrum und Kindergarten der Qualität der Sechzigerjahre entspricht, so dass ein Erhalt auf dem Gelände, auf dem der Marbach für zusätzliche Absenkungen sorgt, nicht wirtschaftlich sei. Zum Neubau vorgesehen ist bislang nur der Kindergarten mit integriertem Mehrzweck- und Gemeinderaum.

An allen sechs Kirchorten sind Zusammenlegungen und Abrissarbeiten für Gebäude vorgesehen, Sankt Christophorus ist jedoch der einzige Kirchort, an dem auch die 1960 bis 1962 von Harald Greiner erbaute Kirche in Form eines Schiffsbugs selbst abgebrochen und durch ein kleineres Gemeindezentrum ersetzt werden soll. "Den Abriss der übrigen Gebäude mit Bitumendächern tragen wir mit, sind aber überzeugt, dass die mit einem Kupferdach ausgestattete Kirche einer besseren Qualität entspricht und mit der eingebauten Arche sogar weitere Räumlichkeiten aufnehmen kann", sagen Hofer und Hellmich.

Bereits im November 2020 haben sie deshalb zudem die pfarreiübergreifende Bürgerinitiative "Sankt Christophorus soll leben" mit derzeit 23 Engagierten gegründet, die Gemeinnützigkeit für den bereits 30 Mitglieder zählenden Kirchbauverein wird gerade geprüft. "Aus einer Familienerbschaft stehen uns zunächst 500 000 Euro zur Verfügung, außerdem planen wir gestaffelte Mitgliedsbeiträge zwischen zwölf und 120 Euro pro Jahr und die Möglichkeit weiterer Zustiftungen", erklärt Hellmich.

Startkapital für erste Sanierungsarbeiten gibt es also. Hellmich und Hofer setzen erste Kosten zur Beseitigung von Setzrissen durch Einspritzen von Epoxidharz mit rund 50 000 Euro an. "Der Boden ist durch die Dürre in den vergangenen Sommern trocken und verdichtet, Bäume auf dem Grundstück ziehen mit ihren Wurzeln zusätzliches Wasser ab. Aber das hat weniger mit der Bausubstanz der Kirche und dem doch einige Meter weiter fließenden Marbach zu tun", ist Hofer überzeugt.

Auch Pater Anto Batinic habe deswegen schon die Bäume stutzen lassen. Sollte eine Fällung nötig sein, würden Bäume an anderer Stelle nachgepflanzt. Nach erfolgter Sanierung könne in der Arche, die nach einem Vorbild in Maria Rosenkranz in Holz-Leichtbauweise als sechseckiges Box-in-Box-Konzept für unter 300 000 Euro im hinteren Kirchraum aufgestellt werden soll, auf rund 140 Quadratmetern Platz für weitere Gemeinde- oder Büroräume geschaffen werden. "Der Baukörper wird auf den Steinfußboden der Kirche gebaut, braucht somit kein eigenes Fundament und passt sich flexibel an die Schiffsform der Kirche an", erläutern Hofer und Hellmich.

Sympathie für Erhalt der Arche

Hofer erklärt, der Verwaltungsrat habe inzwischen ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben. Pfarrer Batinic habe zumindest für den Entwurf der Arche durchaus Sympathie gezeigt. In der Gruppe der KIS überwiege bislang Skepsis für das Konzept, auch habe man die erbetene Einsicht in Akten und Pläne nicht gewährt.

"Die Leute dort sind sicher sehr bemüht und gewissenhaft, einige sind aber in Bauangelegenheiten eher fachfremd", gibt Hofer zu bedenken. Er sei als Projektentwickler immerhin dieser Branche zugehörig. Hofer und Hellmich betonen, beim Erhalt der Kirche gehe es nicht nur um einen Baukörper mit Wahrzeichencharakter. Zwar hoffe man noch auf einen positiven Bescheid des Landesamtes für Denkmalpflege für Wiesbaden. "Aber es geht hier auch um einen Kirchort für 4500 Gemeindemitglieder und 100 regelmäßige Gottesdienstbesucher, der den umliegenden Bewohnern im wachsenden Stadtteil Preungesheim eine feste Heimat gibt."

Würde die Kirche aufgegeben, entstünde eine Leerstelle, die die fünf weiteren Kirchen der Gemeinde Sankt Franziskus nicht ohne Verluste auffangen könnten, fürchten Peter Hofer und Jörg Hellmich . Und für etwaige Finanzierungsengpässe trotz aller Bemühungen des Kirchbauvereins verfüge Sankt Franziskus auch über Grundstückswerte, die berücksichtigt werden könnten. Gernot Gottwals

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