Neu konzipierter Gedenkort

Die überarbeitete Dauerausstellung „Ostend. Blick in ein jüdisches Viertel“ öffnet am kommenden Sonntag, 8. Mai, im Bunker an der Stelle der früheren Synagoge am Friedberger Platz. Während der umbaubedingten Schließung des Jüdischen Museums gibt sie als Dokumentationsstandort zugleich neue Einblicke ins jüdische Leben der Nachkriegszeit.
„Es handelt sich um circa 400 Menschen, die sehnsüchtig darauf warten, von hier in eine neue Heimat zu kommen.“ Mit diesen Worten rief der Rabbiner Leopold Neuhaus dazu auf, vielen Juden, die auch als „Displaced Persons“ den Holocaust überlebt hatten, im Frankfurter Ostend ein neues Zuhause zu geben. Denn obwohl hier nach dem Krieg rund 70 Prozent der Bausubstanz zerstört waren, gab es im traditionellen jüdischen Quartier noch intakte Gebäude, darunter auch die Baumwegsynagoge.
Dieses wichtige Kapitel der Nachkriegszeit gehört zu den neuen Abteilungen der Dauerausstellung „Ostend. Blick in ein jüdisches Viertel“, die am kommenden Sonntag, 8. Mai, um 11 Uhr im Hochbunker in der Friedberger Anlage an der Stelle der früheren, 1938 zerstörten Synagoge der Israelitischen Religionsgemeinde eröffnet wird. Da der Bunker in der kalten Jahreszeit schwierig zu beheizen ist, kann die Schau nur bis zum 27. November regelmäßig sonntags von 11 bis 14 Uhr besichtigt werden. Um 11.30 Uhr wird jeweils eine Führung durch die neu überarbeitete Dauerausstellung angeboten. Hinzu kommen Konzerte wie „One Day Life“ am 21. und 22. Mai, Lesungen und Ausstellungen wie die Schau „Von Föhrenwald nach Frankfurt“, die am 19. Juni um 16 Uhr eröffnet wird. Im ersten Stock ist weiterhin Joachim C. Martinis Ausstellung „Musik als Form geistigen Widerstands“ über verfolgte Musiker im Nationalsozialismus zu sehen.
Museum geschlossen
„Die Stadt Frankfurt wird den Bunker übernehmen“, sagt Hans-Peter Niebuhr, Vorstand der Initiative 9. November, die den Bunker als Erinnerungsort an die jüdische Stadtgeschichte etablieren möchte und zusammen mit dem Jüdischen Museum die Dauerausstellung neugestaltet hat. Derzeit befinde sich die Stadt noch mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Kaufverhandlungen. „Der Bunker ist jedoch eher ein Gedenkort und weniger ein Museum im Sinne einer pädagogischen Ausrichtung“, ergänzt Niebuhr. „Zusammen mit dem Museum Judengasse und der Gedenkstätte in der Großmarkthalle ist er zur Dokumentation gerade jetzt wichtig, da unser Hauptmuseum im Rothschildpalais um- und neubaubedingt bis 2018 geschlossen ist“, betont Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums.
Schon am Eingang in den Bunker durch die charakteristische Schleuse empfangen den Besucher Gemälde und Fotos der Synagoge, auch nach der Zerstörung. Ein dreidimensionales Foto zeigt, wie der Sakralbau zu seiner Einweihung im Jahr 1907 aussah – in ihrer Architektur strahlte die Synagoge damals über Frankfurt hinaus aus. Eng mit der Erbauung ist der Name des Rabbiners Samson Raphael Hirsch verbunden: 1851 hatte er die orthodoxe Israelitische Religionsgesellschaft gegründet, der die Synagoge als Bethaus für 750 Männer, Frauen und Chorsänger diente.
Die Dauerausstellung, die im Jahr 2000 von der damaligen Kustodin des Jüdischen Museums Helga Krohn konzipiert wurde, teilt sich in sechs Abteilungen auf. Sie widmen sich der Israelitischen Religionsgesellschaft, dem Alltagsleben im Ostend, der wirtschaftlichen Prägung des Ostends sowie den jüdischen Lehr- und Wohlfahrtseinrichtungen. „Die Texte und Bilder haben einige Änderungen und Aktualisierungen erfahren, hier und da sind Details in der Forschung hinzugekommen“, erklärt Gottfried Kößler vom pädagogischen Zentrum im Jüdischen Museum. Beispielhaft nennt er die Ansiedlung von „Displaced Persons“ in der Waldfriedstraße.
Ein neuer Stadtplan
Dazu beigetragen haben auch ehemalige jüdische Ostend-Bewohner mit ihren Berichten. „Neu hinzugekommen ist auch ein Stadtplan mit einer Übersicht über jüdische Einrichtungen in Frankfurt. So wird die Geschichte des Judentums im Ostend erfahrbar: 1800 wurde das Ghetto in der Judengasse aufgelöst, im 19. Jahrhundert entstanden soziale Einrichtungen wie das jüdische Krankenhaus an der Gagernstraße und die Samson-Raphael-Hirsch-Schule an der Stelle des heutigen Gagern-Gymnasiums.
Ab 1941 wurden rund 10 000 jüdische Mitbewohner vom Bahnhof in der Großmarkthalle in Konzentrationslager deportiert. Der heutigen rund 8000 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinde in Frankfurt dienen im Ostend vor allem das Altenheim an der Gagernstraße und die Synagoge an der Baumwegstraße als Heimat.
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