Eintracht Frankfurt

Kovac-Team hat gegen den HSV das wichtigste Saisonspiel vor der Brust

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Die Frankfurter Eintracht steht vor dem brisantesten Spiel in dieser Bundesliga-Saison. Für die Kovac-Mannschaft geht es am Samstag gegen den Hamburger SV um das internationale Geschäft. Und darum, die aufgeheizte Stimmung etwas zu beruhigen.

Siebter gegen Siebzehnter, das hört sich langweilig an. Was für ein Spiel? Europa-Traum gegen Abstiegs-Trauma. Das ist spannend. Was für ein Spiel! Wenn am Samstagnachmittag (15.30 Uhr) die Frankfurter auf den Hamburger SV trifft, brennt rund um die Arena im Stadtwald die Luft. Sportlich geht es für beide darum, die sportlichen Ziele noch irgendwie zu verwirklichen. Die Frankfurter wollen unbedingt nach Europa und müssen dafür zumindest den siebten Platz verteidigen. Dafür brauchen sie einen Sieg. Die Hamburger wollen den ersten Abstieg ihrer Geschichte verhindern. Dafür brauchen sie auch einen Sieg.

Alle 51 500 Karten sind schon einige Zeit verkauft. Aus Hamburg werden 5000 Anhänger mitkommen. Die Frankfurter Fans werden nach den Turbulenzen der letzten Wochen vor allem bei Trainer mit Sicherheit ganz genau hinschauen. Der 46 Jahre alte Coach steht nach der Bekanntgabe seines Wechsels zum FC Bayern München massiv in der Kritik. Die weit überwiegende Mehrheit der Eintracht-Sympathisanten hat sich nichts weniger als die Beurlaubung des Kroaten gewünscht.

Die Führung der Eintracht hat auf die auch für sie nachvollziehbaren Emotionen sachlich reagiert und in Person von Sportdirektor Bruno Hübner unter der Woche dem Trainer eine Jobgarantie bis zum Ende der Saison, also bis nach dem Pokalfinale, gegeben. Ob diese freilich bei einer weiteren Niederlage am Samstag, es wäre die vierte in Folge, noch Bestand haben wird, ist eine andere Frage. In jedem Fall hat Kovac, der bis vor vier Wochen als Baumeister des Frankfurter Aufstiegs aus dem Abstiegssumpf bis weit nach oben zu internationalen Ambitionen galt, im Rekordtempo fast jeden Kredit verspielt. Und dies nicht wegen seines Wechsels nach München, sondern wegen der Art und Weise der Kommunikation und der ganz offenbar mangelnden Selbstkritik.

Die Beruhigungsversuche der vergangenen Tage sind fast schon verzweifelt. Kovac („Ich arbeite wie immer“) sieht sich in seiner Autorität nicht beschädigt. Manager Hübner („Der Trainer hat nichts verkehrt gemacht, ich glaube ihm“) will keinen Zusammenhang zwischen den negativen Ergebnissen und dem Kovac-Abgang sehen. Und die Spieler (: „Das darf uns nicht umwerfen“) wollen die Unruhe nicht als Alibi nutzen. Jeder hat eine eigene Sicht der Dinge, fast alles ist nachvollziehbar. Doch nun gilt es, den Beweis dafür zu liefern, dass wirklich alle noch alles für die Eintracht tun, dass Trainer wie Mannschaft auf das Saisonfinale fokussiert sind.

Ein ähnlich blutleerer Auftritt wie am vergangenen Samstag gegen eine C-Mannschaft des FC Bayern München (1:4) könnte das Fass zum Überlaufen bringen. Das wiederum wäre für alle Beteiligten schade, denn bis vor einem Monat war es in der Tat eine gute Saison, die die Eintracht gespielt hat. Sollte sie jetzt mit dem achten oder neunten Platz zu Ende gehen, wäre es das sicher nicht mehr. Ganz einfach, weil das Gefühl vorherrscht, dass deutlich mehr möglich gewesen wäre – ohne die Selbstschüsse, die in erster Linie vom Trainer ausgegangen sind.

Es geht also um sehr viel am Samstag. Nicht nur für den HSV, auch für die Eintracht. Es geht um viel Geld. Eine Europapokalteilnahme würde konservativ gerechnet mindestens zehn Millionen Euro in die Kasse spülen. Es geht ums Klima rund um die Eintracht. Eine weitere Niederlage würde den längst stabilen Verein, den Aufsichtsrat und Vorstand in den letzten Jahren kontinuierlich nach vorne gebracht haben, zwar nicht ins Wanken bringen, aber die positive Entwicklung könnte unterbrochen werden.

Vor wenigen Wochen gab es eigentlich nur Ausrufezeichen hinter der Eintracht. Da gab es zum einen die Aufstockung des Eigenkapitals um 15 Millionen Euro. Zum anderen gab es einen großen Run auf Dauerkarten, Business-Seats und Logen. Die Eintracht ist richtig attraktiv geworden, was Auslandskontakte nach Abu Dhabi, Japan, China und USA verdeutlichen. Auch die Mannschaft ist attraktiv – nicht zuletzt wegen Spieler wie Kevin-Prince Boateng und Ante Rebic. Und sie hat einen Trainer, der als Identifikationsfigur getaugt hat. In wirtschaftlicher und sportlicher Hinsicht näherte sich die Frankfurter Eintracht zuletzt an die Spitze der Bundesliga an. Und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben natürlich.

Doch sportlich gibt es auch ganz viele Fragezeichen. ? Bleiben die Spitzenspieler? Hält der grundsätzliche Aufwärtstrend an? Wie sehr ist der wirtschaftliche Erfolg an die sportliche Entwicklung gekoppelt? Braucht die Eintracht das , um sich weiterentwickeln zu können? Nicht alles hängt natürlich an einem Spiel, an diesem enorm wichtigen Spiel. Aber es werden wichtige Weichen gestellt. Am Samstag gegen den Hamburger SV.

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