Luis Amaral und Inhaber Cristian Amaral im gerade neu eröffneten Restaurant ?Der Portugiese?.
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Luis Amaral und Inhaber Cristian Amaral im gerade neu eröffneten Restaurant ?Der Portugiese?.

Gastro-Kolumne

Kräftige Aromen fein verpackt

  • VonAndrea Möller
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Einmal Niederräder, immer Niederräder – selbst wenn man eigentlich portugiesische Wurzeln hat. Wie Cristian Cruz Amaral, der in der Kalmitstraße nicht nur aufgewachsen ist, sondern auch ein

Einmal Niederräder, immer Niederräder – selbst wenn man eigentlich portugiesische Wurzeln hat. Wie Cristian Cruz Amaral, der in der Kalmitstraße nicht nur aufgewachsen ist, sondern auch ein Restaurant eröffnet hat. „Der Portugiese“ ist das erste Lokal des 28-Jährigen, im Februar gestartet und seither gut besucht. Fast scheint es so, als hätten die Niederräder auf den Neuzugang gewartet. Und das stimmt ja auch: Schließlich ist der Name „Amaral“ ein Synonym für leckere portugiesische Spezialitäten. Wer gern auf Volksfeste geht, dürfte die Familie aber eher als „Sardinen-Griller“ kennen. „Wir sind beim Wäldchestag, Museumsuferfest, Opernplatzfest und vielen anderen Veranstaltungen vertreten“, so Amaral. „Meine Eltern haben mit Sardinen angefangen, danach sind Sepia dazugekommen und das landestypische Schweinefleisch im Brötchen.“ Über die Jahre haben immer mehr Kunden gefragt, wann die Familie endlich ein Restaurant aufmacht. „Auch mein Vater träumte schon lange von einem Lokal und hat mich damit angesteckt“, erzählt der Junggastronom. Zunächst ist er jedoch auf die Uni gegangen, um Business Administration zu studieren. Mit dem Abschluss in der Tasche beantragte er sein Reisegewerbe. Damit kann er Sardinen, Sepia und Co. auf Street-Food-Festivals verkaufen. Als schließlich die passenden Räume gefunden waren, begann er, sich mit dem Restaurant ein zweites Standbein aufzubauen. Was gar nicht so einfach war: „Ich habe die Räume bereits vor einem Jahr gemietet. Allerdings stellten Bauamt und Denkmalschutz viele Bedingungen.“ Wie bitte, Denkmalschutz? „Ja, man glaubt es kaum. Doch mit dem 1926 errichteten Haus sind gewisse Auflagen verbunden.“ Außerdem hat es zuvor ein Fachgeschäft für Büromaschinen beherbergt. Um dort eine Gastronomie zu installieren, brauchte es mehr als frische Farbe. Im Februar war es dann so weit: Hinter der großen Glasfront macht sich portugiesisches Lebensgefühl breit. Das Ambiente ist modern und reduziert. „Wenige Farben sind meiner Ansicht nach mehr“, betont Amaral. „Deshalb habe ich mich für Schwarz und Weiß entschieden und bin dieser Linie treu geblieben.“ Das reicht von der Tapete in Fliesenoptik über die Tische und Stühle bis hin zur Theke – und hat den Effekt, die Aufmerksamkeit auf die Essen zu lenken. Hinter den Kulissen werkelt Manual Marques, der (so viel sei schon mal gesagt) kein Mann der feinen Nuancen ist. Damit passt er gut zur portugiesischen Küche, die als genauso einfach wie bodenständig gilt. Und als fischreich, weshalb die Speisekarte eine breite Auswahl bietet. Dass in einem Restaurant wie diesem Stockfisch nicht fehlen darf, versteht sich von selbst. „Wir haben ihn zum Nationalgericht erhoben“, erklärt der Betreiber. „In Portugal sagt man, dass es 365 Rezepte für Stockfisch gibt und somit für jeden Tag ein anderes Gericht.“ Nun ist der getrocknete und gewässerte Kabeljau nicht jedermanns Geschmack. Gefälliger sind dagegen die geschälten Garnelen, die innen noch leicht glasig in einer Mischung aus Olivenöl und reichlich Knoblauch kommen (10,50 Euro). Hatte ich schon erwähnt, dass der Koch kräftige Aromen bevorzugt? Wobei er zwar üppig, doch nicht übertrieben würzt. Für Liebhaber herzhafter Spezialitäten eignet sich auch die gemischte kalte Vorspeiseplatte mit aromatischen Schinken-, Wurst- und Käsesorten sowie Oliven und einer Aioli, die es in sich hat (8 Euro). Von den deftig-fluffigen Brötchen könnte man locker Nachschub vertragen – wenn das Hauptgericht nicht wäre. Dafür hat Marques butterzarte Calamari und pikante Chorizo, Zwiebeln und rote/grüne Paprika aufgespießt. Das macht sowohl optisch als auch geschmacklich einiges her, vom Preis-Leistungsverhältnis ganz zu schweigen. In den 14,90 Euro ist eine großzügig portionierte Beilage (Salz-, Brat- oder Ofenkartoffeln, Reis oder Gemüse) natürlich inklusive. Die Produkte bezieht der Gastronom über seine Eltern, deren Geschäft nur wenige Häuser entfernt ist. „Sie betreiben den Laden seit 1979 und sind die ersten im Rhein-Main-Gebiet gewesen, die Lebensmittel aus ihrem Heimatland importiert haben.“ Dort stehen auch die portugiesischen Erzeugnisse in den Regalen, die sich auf Amarals Weinkarte finden. Es handelt sich um mehr als 100 Positionen aus allen wichtigen Regionen, darunter verschiedene Vinho Verde wie der Via Latina Alvarinho (Flasche 19 Euro). „Er ist leicht und lebhaft, sollte eiskalt getrunken werden und schmeckt gut zu Fisch und Krustentieren“, beschreibt Amaral seinen Lieblingswein. Derweil spielt im Hintergrund leise Fado-Musik und trägt dazu bei, ein Stück Portugal nach Niederrad zu holen.

Der Portugiese:

Niederrad, Kalmitstraße 1, Tel. 069 45009994, , Di–Fr 11.30–14.30, Die–Do 18.30–22.30, Fr/Sa 18.30–23.30, So 12–16 Uhr, Sitzplätze: 26 innen/6 außen, Küche: portugiesisch

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