CDU-Ortsbeiratsmitglied Robert Lange und Anwohnerin Patricia Breitling vor einem völlig verdreckten Anhänger. Sie kämpfen für eine Lösung gegen die Ausbreitung der Saatkrähenpopulation am Oberen Kalbacher Weg.
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CDU-Ortsbeiratsmitglied Robert Lange und Anwohnerin Patricia Breitling vor einem völlig verdreckten Anhänger. Sie kämpfen für eine Lösung gegen die Ausbreitung der Saatkrähenpopulation am Oberen Kalbacher Weg.

Wildwest

Krähen-Problem in Bonames – Anwohner hören Schüsse

  • VonFriedrich Reinhardt
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Der Verdacht hält sich, dass Anwohner am Oberen Kalbacher Weg in Frankfurt-Bonames zur Waffe greifen – wegen kotenden Krähen.

Walter Emmerich hat eine Patronenhülse gefunden und deutet sie so: Der Konflikt zwischen den Anwohnern am Oberen Kalbacher Weg und den Saatkrähen spitzt sich zu, droht hässlich zu werden und gefährlich.

Am Oberen Kalbacher Weg hat sich in den vergangenen Jahren eine schnell wachsende Saatkrähenpopulation entwickelt, die sich von der U-Bahnhaltestelle Kalbach jedes Jahr weiter in den Ortskern ausbreitet. Etwa 200 Nester hat Emmerich gezählt. Ein Vogelpaar pro Nest plus zwei bis drei Jungvögel, so kommt Emmerich rechnerisch auf rund 800 Vögel - mindestens. Weil viele Saatkrähen auch viel koten, "kommt man unbeschmutzt gar nicht mehr zur U-Bahn", erzählt auch die Anwohnerin Patricia Breitling.

Frankfurt: Aggressivität gegen Krähen in Bonames nimmt zu

In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 10 (Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg, Preungesheim) berichtete Emmerich, der neben der Tankstelle nahe der Haltestelle wohnt, dass in der Nachbarschaft die Erzählung kursiere, die ersten Anwohner würden schon auf die Saatkrähen schießen. Er selbst habe das nicht beobachtet. Er könne aber bestätigen, dass unter den Anwohnern "ganz schön viel Aggressivität im Busch ist", wie er es ausdrückt.

Zwar basieren die Schüsse nur auf Hören-sagen, allerdings erzählt auch Breitling, dass sie gelegentlich Schüsse am Oberen Kalbacher Weg höre. Da sie nur selten und unregelmäßig zu hören seien, könne sie allerdings nicht zuordnen, wo die Schüsse abgefeuert werden. Dass Anwohner wegen der Saatkrähen bereits zur Waffe greifen, bleibt damit nur ein Verdacht - und eine Befürchtung, die im Ortsbeirat dennoch Besorgnis auslöste.

Nach Emmerichs Bericht bat CDU-Fraktionsvorsitzender Gero Gabriel eindringlich: "Wirken Sie auf ihre Nachbarn ein, dass da nicht jemand eigenmächtig Krähen abschießt." Das Thema sei eines der für die Anwohner belastendsten, mit denen der Ortsbeirat sich auseinander setze, sagte Gabriel. Er selbst habe sich "wie bei Hitchcock gefühlt", als er zuletzt an der U-Bahnhaltestelle war - ein Verweis auf den Horrorfilmklassiker "Die Vögel" des Regisseurs. Dass aber Anwohner zur Waffe greifen, könne keine Lösung sein, so Gabriel.

Frankfurt: Umweltamt lehnt Vorschläge gegen Krähen in Bonames ab

So sieht das auch Emmerich. Er wünsche sich eine "vernünftige Lösung". Er schlägt vor, die Platanen so zu verschneiden, dass Astgabelungen keine geeigneten Nistplätze mehr für die Saatkrähen böten. Das Umweltamt hatte das abgelehnt. In den Lebensraum geschützter Vogelarten dürfe nicht eingegriffen werden, auch sei das nicht mit dem Klimaschutz in einer sich aufheizenden Stadt vereinbar. Diese Haltung kritisiert Robert Lange (CDU). "Seit Jahren wird nichts getan, um die Ausbreitung zu vermeiden." Niemand wolle den Tierschutz infrage stellen oder "sinnlos Bäume abholzen". "Aber jetzt nichts zu tun und das Thema weiter auszusitzen, wäre falsch", sagte Lange. In einem Antrag forderte er den Magistrat auf, zu erklären, wie die Stadtregierung das Problem lösen möchte. Langes Lösungsansatz, der durch die Fragen hindurchscheint: auf die Anpflanzung von Platanen und anderen Baumarten, die bei Saatkrähen beliebt sind, zu verzichten. Einstimmig nahm der Ortsbeirat Langes Antrag an.

Ortsbeiratsmitglied Jürgen Eiselt (Grüne) drängte darauf, "mehr Ursachenforschung zu betreiben". Die Tiere lebten am Oberen Kalbacher Weg, weil sie dort Nahrung fänden. "Saatkrähen waren früher Vögel offener Ackerlandflächen", erklärte Dagmar Stiefel, Leiterin der Vogelschutzwarte. "Durch die Jagd hat man sie in den städtischen Gebieten vertrieben. Aber die Tiere sind pfiffig. Sie haben gemerkt: Da wird nicht geschossen." Normalerweise. (Friedrich Reinhardt)

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