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Die Felder in Oberrad bieten Krähen Schutz und Unterschlupf. Für Ärger sorgten jetzt Jäger, die den Vögeln nachstellten. Die Bürger wurden nicht darüber informiert.

Ärgernis in Oberrad

Krähenjäger verärgern Bürger im Gärtnerdorf: Jagdpächter schießen Vögel auf den Feldern

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Vor einigen Wochen erregte es Aufsehen: Viele Oberräder beschwerten sich über eine Jagdgesellschaft, die in den Tagen um Weihnachten unweit der Hochschule Sankt Georgen unterwegs war. Jetzt fordert der Ortsbeirat 5, dass die Bevölkerung künftig informiert wird.

Frankfurt-Oberrad - Die Empörung ist groß in Oberrad: „Da sitzen Männer in Tarnuniformen mit Tüchern vor dem Gesicht im Gebüsch und knallen Krähen ab“, empörte sich eine Tierschützerin. „Es knallt, und niemand weiß, was los ist. Wie im Krieg“, sagte die Augenzeugin.

Anwohner informieren

Für Josita Jany, die Fraktionsvorsitzende der SPD im Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen), war es ein Grund für ihren Antrag: Wenn es schon keine rechtliche Handhabe gegen die Jagd in den Oberrädern Feldern auf Rabenkrähen, Elstern und Gänse gebe, solle der Magistrat dafür sorgen, dass die Bevölkerung informiert werde – mit Warnschildern, Presseinformationen und anderem. Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) findet die Forderung berechtigt: „Der Antrag wurde einstimmig verabschiedet.“ Er selbst habe von der Jagd zwar nichts mitbekommen, hat jedoch einige Bürgerbeschwerden erhalten. „Da wurde auch über Facebook geschimpft.“

Markus Stifter ist Sprecher des Landesjagdverbands in Bad Nauheim. Er berichtet: „Es obliegt den Jagdpächtern die Gefahrensituation einzuschätzen und danach zu handeln. Dazu zählt auch die Information an Dritte.“ Ralph Rohr, Sprecher des Ordnungsamts, versichert: „Der Pächter hat die Polizei und die Jagdbehörde im Dezember vor Weihnachten ganz ordentlich informiert, dass er Krähen jagen wird.“ Warum diese Information nicht an die Bevölkerung weitergegeben wurde und ob dies künftig geschehen wird, konnte Rohr jedoch noch nicht sagen.

Auch wenn nicht ein privater Jagdpächter, sondern die Stadt selbst zur Jagd bläst, werden die Bürger nicht automatisch informiert: „Es gibt jedes Jahr zwei oder drei große Drückjagden mit 30 bis 40 Schützen“, sagte Peter Rodenfels, stellvertretender Forstamtsleiter. „Bei diesen Jagden informieren wir die Öffentlichkeit und sperren auch die Straßen durch das Waldgebiet.“ Die kleineren Mittwochsjagden hingegen finden ohne Ankündigung statt, ebenso wie die Ansitzjagden früh morgens. Vier oder fünf Jäger – wie jetzt in Oberrad – würden beim Stadtforst auch nicht automatisch zu einer Meldung an die Behörden führen.

Schutz für die Gärtner

Simon Böll ist der Vorsitzende des Sachsenhäuser Jagdclubs. Er kennt den Pächter in Oberrad. „Das Krähenschießen macht ihm keinen Spaß“, versichert er. „Aber er muss es machen, denn die Krähenjagden dienen dem Schutz der Bauern und Gärtner. Oberrad ist dafür das beste Beispiel. Und wenn er es machen muss, will er es richtig machen.“ Dazu zähle Tarnung und Gesichtsmaskierung. Denn Krähen prägen sich Gesichter und etwa auch Fahrzeuge ein. Deswegen der quasi-militärische Aufzug bei der Jagd.

Vielleicht, schätzt Böll, liegt es auch an der Mentalität der Städter: „Manchmal benötigen Jäger quasi Polizeischutz.“ Tierschützer versuchten die Jagden zu verhindern und gefährden die Jäger sogar. Da wäre die Ankündigung der Jagd via Pressemitteilung gerade falsch. Andere füttern sogar Schädlinge wie Tauben oder Krähen.

Wie eine alte Dame in Oberrad, die für die Krähen immer ein paar Krumen in ihren Hof wirft. Seit im Dezember gejagt wurde, ist sie traurig: Es komme nur noch eine einzige Krähe, berichtet sie. Zuvor sei es ein großer Schwarm gewesen, der zu ihr gekommen sei.

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