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An diesem Anatomie-Modell lernen Ayida Abdourohman (28) und Kume Dube Hebbo (29), wo sich die Organe im menschlichen Oberkörper befinden. Die beiden Äthiopierinnen nehmen an dem Vorbereitungskurs zur Teilzeitausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege teil.

Neues Angebot für Mütter

Krankenschwester als Traumberuf

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Früh- und Spätschicht, Wochenenddienste: Das ist die Regel in der Krankenpflegeausbildung. Für Mütter, insbesondere alleinerziehenden, ist dies kaum machbar. In Frankfurt wird deshalb eine Teilzeitausbildung angeboten – inklusive Vorbereitungskurs. Das ermöglicht auch geflüchteten Frauen den Berufseinstieg.

Krankenschwester, das wollten Ayida Abdourohman (28) und Kume Dube Hebbo (29) schon als Kind werden. Doch in Äthiopien, der Heimat der beiden Frauen, muss man die Ausbildung aus eigener Tasche bezahlen. Zu teuer für Ayida Abdourohman und Kume Dube Hebbo. Nun, nach ihrer Flucht nach Deutschland, haben sie aber eine zweite Chance bekommen. Die beiden Frauen nehmen an einem Vorbereitungskurs zur Teilzeitausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege teil.

„Krankenschwester zu sein ist mein Traumberuf“, sagt Kume Dube Hebbo, die seit drei Jahren mit ihren beiden Töchtern, fünf und neun Jahre alt, in Deutschland lebt. „Ich möchte mich um andere Menschen kümmern, ihnen helfen, wieder gesund zu werden.“ Der Vorbereitungskurs vom Verein zur beruflichen Förderung von Frauen (VbFF) bietet ihr dabei einen ersten Einblick.

Im Juni ist der Kurs gestartet. Ergeht noch bis Februar des kommenden Jahres und soll die zwölf Teilnehmerinnen auf die sich anschließende Ausbildung vorbereiten. Dabei lernen sie die Grundlagen der Pflege, Hygiene, Biologie, Anatomie. An diesem Vormittag etwa stand die Nassrasur auf dem Stundenplan. „Wir wollen ihnen auch die Scheu vor dem Beruf und Berührungsängste nehmen“, sagt Kerstin Einecke, Geschäftsführerin des VbFF. Zudem lernen die Frauen Deutsch und Fachbegriffe aus der griechischen und lateinischen Sprache. „Der Großteil unserer Frauen haben einen Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung“, sagt Einecke. „Über die Hälfte sind alleinerziehende Mütter.“ Und genau diese Gruppierungen sind es, die mit den Vorbereitungskursen für die Teilzeitausbildung angesprochen werden sollen.

„Normalerweise hätten sie wenig Chancen, einen Pflegeberuf zu erlernen“, sagt Einecke. Doch gerade in dieser Branche würde es an Fachkräften mangeln. Im Jahr 2030 sollen knapp

40 000 Pflegekräfte fehlen

. „Unsere Teilnehmerinnen würden sich aber nicht bewerben, weil sie kaum Deutsch könnten oder nicht wissen, wohin mit den Kindern“, sagt Einecke. „Gerade für Alleinerziehende ist es schwer angesichts der Früh- und Spätschichten und den Wochenenddiensten in der Krankenpflege zu arbeiten.“. Doch der VbFF will dies gemeinsam mit dem Jobcenter Frankfurt ändern.

An den Vorbereitungskurs schließt sich eine vierjährige Teilzeitausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege im Agaplesion-Bildungszentrum an. Die Unterrichtszeiten sind an die Bedürfnisse der Mütter angepasst. Sie müssen keine Nachtschichten und nur einen Wochenenddienst machen.

„Das Thema Teilzeitausbildung ist leider bei vielen Arbeitgebern noch nicht angekommen“, sagt Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Frankfurter Jobcenters. „Aber wir müssen anfangen, neue Wege zu gehen.“ Denn gerade für Mütter sei eine Ausbildung eine Herausforderung, die sich aber lohne. „Einerseits zur Sicherung der eigenen finanziellen Zukunft, andererseits um als Mutter Vorbild zu sein“, sagt Czernohorsky-Grüneberg. In Frankfurt würden 1927 alleinerziehende Arbeitslose leben, die Hartz-IV bekommen. Die große Mehrheit sind Frauen – nämlich 1780.

Der Vorbereitungskurs für die Teilzeitausbildung ist für die Frauen kostenlos. Finanziert wird er vom Frankfurter Jobcenter und der Hit-Stiftung. In der Ausbildung bekommen die Frauen im ersten Jahr 730 Euro von Agaplesion gezahlt. „Das ist natürlich nicht viel, wenn man alleinerziehend ist. Sie können aber finanzielle Unterstützung bei uns beantragen“, sagt Czernohorsky-Grüneberg.

Für Kursteilnehmerin Evi Schneider (40) ist das eine große Hilfe. Sie ist alleinerziehend, Mutter von zwei Töchter, 14 und 15 Jahre alt. „Sie sind in der Pubertät und brauchen mich“, sagt sie. Deshalb sei die Teilzeitausbildung in Kombination mit dem Vorbereitungskurs für sie optimal. Leicht sei dies aber nicht immer. „In der vergangenen Woche haben wir etwas über Mundhygiene gelernt. Da mussten wir uns gegenseitig die Zähne putzen. Das war komisch“, erzählt sie. Dennoch freue sie sich jeden Morgen auf den Unterricht. „Es macht Spaß und ich bin froh, dass ich nun Familie und Beruf unter einen Hut bekommen kann. Ich habe Zeit für meine Kinder, weiß aber, dass Krankenschwester genau das ist, was ich immer machen wollte.“

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