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Die Schranke in der Franz-Werfel-Strasse in der Platensiedlung auf Höhe der Unterführung der Rosa-Luxemburg-Straße, aufgenommen am Dienstag (07.06.2016) in Frankfurt am Main.

Ausschreitungen an Halloween

Krawalle in Platensiedlung: Polizisten mit Steinen beworfen und Linienbus attackiert

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Im Ginnheimer Problemviertel kam es am Mittwochabend erneut zu Ausschreitungen. Dutzende Personen griffen in der Platensiedlung Polizisten und Feuerwehrleute an. Ein Linienbus wurde mit Steinen beworfen, ein Fahrgast verletzt. Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) stellt sich hinter ABG-Chef Frank Junker, der Drogendealer aus der Siedlung vertreiben will.

Die Platensiedlung kommt nicht zur Ruhe. In den einst für amerikanische Soldaten errichteten Wohnblocks haben sich kriminelle Strukturen gebildet. Großspurig auftretende Drogendealer lassen dort sogar Minderjährige für sich arbeiten. Seitdem es an Silvester zu Brandstiftung und Angriffen auf Einsatzkräfte kam, geht die Polizei massiv gegen die Störenfriede im Problemquartier vor.

Mehrere Dutzend Personen waren laut Polizei an den Ausschreitungen in der Halloweennacht beteiligt. Sie haben Eier auf Häuser und Autos geworfen und einen Papiermüllcontainer angezündet. Die Straße blockierten sie mit aneinandergeketteten Einkaufswagen und einem Fußballtor. Als Feuerwehrleute und Polizisten anrückten, wurden die Einsatzkräfte mit Steinwürfen „begrüßt“. Ein Beamter sei am Rücken getroffen worden, teilte die Polizei mit. „Seine Schutzweste konnte allerdings Schlimmeres verhindern.“

Auch den Fahrgast eines Linienbusses erwischte es. Ein Stein landete im Nacken des Mannes. Er musste durch Rettungskräfte vor Ort behandelt werden. Die Krawallmacher hatten den Bus angegriffen und dabei drei Scheiben eingeworfen.

Die Polizeibeamten konnten bisher keinen der Täter dingfest machen. Sie kontrollierten zwar zahlreiche Personen vor Ort, konnten aber niemandem die Beteiligung an den Aktionen nachweisen. Die Täter hätten sich im Schutze der Dunkelheit schnell aus dem Staub gemacht, heißt es in der Polizeimeldung. „Gegen Mitternacht war der Spuk vorbei.“ Nun setzen die Ermittler auf Zeugenhinweise.

Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) setzt angesichts der erneuten Ausschreitungen auf einen harten Kurs, um die Probleme in der überwiegend von Migranten bewohnten Sozialsiedlung in den Griff zu bekommen. Er stellt sich ausdrücklich hinter Frank Junker, der als Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG konsequent gegen die kriminellen Strukturen vorgehen will.

, nachdem die Polizei darin Drogen und Waffen gefunden hatte. „Ich bin Herrn Junker sehr dankbar dafür“, sagte Frank. „Es ist das richtig Signal. Diese Leute nehmen geförderten Wohnraum in Anspruch und machen daraus einen Drogenumschlagplatz. Das können wir nicht akzeptieren.“

Der CDU-Stadtrat geht sogar noch einen Schritt weiter und fordert, dass Junkers Dealer-Rausschmiss zum „Standardvorgehen“ in ganz Frankfurt werden soll. „Ich werde mit den anderen Wohnungsbaugesellschaften darüber reden“, kündigte er gestern im Gespräch mit unserer Zeitung an. „So knapp wie der Wohnraum in unserer Stadt ist, sollten wir nirgendwo dulden, dass Drogenbarone ihn als Hauptquartier nutzen. Das ist ganz klar eine Zweckentfremdung.“

Sein für Wohnungsfragen zuständiger Magistratskollege sieht das allerdings etwas anders. Stadtrat Mike Josef (SPD) unterstütze zwar Junkers kompromissloses Vorgehen in der Platensiedlung, sagte sein Sprecher. „Denn dort ist eine Grenze überschritten worden.“ Auf die gesamte Stadt übertragbar sei dies allerdings nicht.

Sicherheitsdezernent Frank hat für diese Zurückhaltung kein Verständnis. „Wir dürfen doch nicht erst dann reagieren, wenn es eigentlich schon zu spät ist“, entgegnete er. „Sondern wir müssen da präventiv herangehen und von Vornherein verhindern, dass ein Viertel überhaupt zum Problemviertel wird.“

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