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Gudrun Spieske hat vor elf Jahren ihre "Bastelkiste" an der Ecke Justinuskirchstraße / Hostatostraße eröffnet. Sie merkt, dass derzeit mehr zu Hause kreativ gearbeitet wird: Der Bastel-Boom ist eine Folge des Lockdowns. Fotos: Maik Reuß

Basteln in Frankfurt

Kreativ-Schub in den eigenen vier Wänden

  • vonAlexandra Flieth
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In Zeiten, in denen man nicht ausgehen kann, wird mehr zu Hause gewerkelt

Mehr Zeit daheim verbringen und sich die Zeit in den eigenen vier Wänden gemütlich und interessant gestalten - das könnte das Motto dieser Zeit sein. Gegen die Langeweile setzen viele Menschen auf Kreativität: Mehr als sonst wird gebastelt, gestrickt, gehäkelt oder die Wohnung verschönert. Hobbys sind gefragt, die auch Eltern gemeinsam mit ihren Kindern angehen können. Der Trend zum Selbstgemachten ist klar erkennbar, und das nicht erst seit der Corona-Pandemie: Im Frankfurter Westen gibt es gleich mehrere Möglichkeiten, das Thema neu zu entdecken.

Eine erste Anlaufstelle ist die "Bastelkiste Höchst" in der Justinuskirchstraße 5 / Ecke Hostatostraße. Vor elf Jahren eröffnete Gudrun Spieske das Geschäft, in dem es alles rund ums Thema Basteln und Künstlerbedarf gibt. Und was nicht in den gut sortierten Auslagen zu finden ist, wird für die Kunden bestellt. Service und Beratung stehen, anders als im Internet-Bestellshop, bei Gudrun Spieske und ihren sechs Mitarbeitern an erster Stelle - jeder, der hinter der Ladentheke steht, bastelt selbst mit großer Leidenschaft. Die Auslagen in den Schaufenstern zeugen davon - von selbst gestalteten Grußkarten über liebevoll Gestaltetes für den Kaufmannsladen bis zu selbst gefertigtem Schmuck - das Team der Bastelkiste Höchst lebt die Kreativität vor. Kein Wunder, dass Kunden auch längere Anfahrtswege in Kauf nehmen.

Viele haben jetzt eine Nähmaschine

Dass der Trend zum Selbermachen in Corona-Zeiten weiter zugenommen hat, bemerkt auch die Geschäftsinhaberin. "Wir verkaufen aktuell mehr Stoffe", erzählt sie. Viele hätten sich eine Nähmaschine zugelegt und probierten es aus. In den Auslagen liegen zugeschnittene Stoffe fertig bereit, etwa für Beutel oder auch für Geschenkverpackungen. "Wir bieten außerdem Alltagsmasken an, die wir selbst genäht haben", listet Gudrun Spieske weiter auf. Generell mache sich der Trend zum Selbstgemachten in allen Bereichen bemerkbar; dazu zähle auch das Thema "Upcycling" - die Umgestaltung von etwas Bestehendem in etwas Neues. "Das versuchen wir unseren Kunden näherzubringen", sagt Gudrun Spieske. So könne man aus gefundenen Ästen aus dem Wald ein Mobile machen oder Alltagsgegenständen aus dem Haushalt, etwa Eierkartons oder Joghurtbechern, mit der Umgestaltung eine neue Funktion geben. Diese Art des kreativen Gestaltens sei zudem sehr nachhaltig.

Die Auswahl im Laden ist vielfältig: Es gibt Perlen, Kreativbeton, Schablonen, Drähte, Glitzer, Bastelwerkzeuge, Wolle, Garne, Farben, bunte Papiere, Stempel oder Filzstoffe. "Ich selbst habe schon immer viel kreativ gearbeitet", verrät Spieske, eine gelernte Kindergärtnerin. Um die Vielfalt des kreativen Gestaltens Kunden sichtbar zu machen, machen alle Mitarbeiter mit. "Jeder hat eine andere Fähigkeit und bringt sich damit ein", erzählt sie. Für das Thema Advent und Weihnachten ist derzeit ein eigener Bereich im Geschäft eingerichtet.

Alte Hobbys wiederentdeckt

Den Trend zu mehr Kreativität nimmt auch Birgit Fellenberger wahr. Die Inhaberin des "Woll-Lädchens" in der Königsteiner Straße 99 in Unterliederbach weiß, dass viele gerade das Stricken für sich neu- oder wiederentdecken. "Ich habe Kunden, die schon seit Jahren nicht mehr gestrickt haben und in den Laden kommen, um wieder damit anzufangen", sagt sie. Die Expertin, die ihren Kunden auch bei herausfordernden Strickarbeiten mit Rat zur Seite steht, empfiehlt in einem solchen Fall, erst einmal mit etwas Leichterem zu beginnen, zum Beispiel mit einem Schal oder einer Babydecke. Die Sorge vor einem erneuten harten Lockdown führe dazu, dass viele Kunden sich Wolle auf Vorrat kauften, um, wenn Geschäfte wieder schließen müssen, weiter kreativ sein zu können. Wohnaccessoires zu stricken, wie zum Beispiel Kissenbezüge, sei ebenfalls ein Trend, der immer stärker werde. Solche Dinge seien auch als Geschenk geeignet. Im Gegensatz zum Stricken werde aber nicht so viel gehäkelt, sagt Birgit Fellenberger. Der Spaß am Verarbeiten der Wolle beginne für die meisten schon damit, die Farben und die Qualität herauszusuchen. Viele bevorzugten es, dafür in einen echten Wollladen zu gehen, sich beraten zu lassen und die Knäuel in die Hand zu nehmen. Das Interesse sei groß - und trotz der Corona-bedingten Beschränkungen würden die Kunden geduldig vor der Tür warten, bis sie an der Reihe sind. "Wenn man dann daheim ist und mit dem Stricken beginnt, kann man es sich auf der Couch gemütlich machen und vielleicht dabei auch nebenbei einen Film anschauen", sagt Fellenberger. "Und wenn die Knäule fertiggestrickt sind, kann man sagen: Das habe ich selbst gemacht." Alexandra Flieth

Infos zu den Bezugsquellen:

www.bastelkiste-hoechst.de www.wolllaedchen.de

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