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Sagenhafte Fäden: Der Textildesigner Hans Widmann bietet selbst hergestellte Garne und Wolle auf der Kreativ Welt an.

Kreativmesse

„Kreativ Welt“ Beliebte Messe lockt vom 1. bis zum 4. November

Die Tage werden kürzer, das Wetter grauer: Bei vielen erwacht wieder die Lust, etwas zu gestalten, zu basteln. Gut, dass die Messe „Kreativ Welt“ bald beginnt.

Shoppen, Rätsel lösen oder am Computer spielen – das gehört zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen. Sport steht auch weit oben im „Ranking“, danach kommen schon Basteln, Werken, Töpfern, Emaillieren, gefolgt von Malen und Zeichnen.

Der Markt der kreativen Hobbys lässt sich sehr schwer fassen, weil so unterschiedlich: Es beginnt bei der Wohnraumgestaltung, dem Möbelbauen oder Restaurieren, geht über zu Bildern, Schalen, Vasen und Skulpturen. Ein Paralleluniversum gibt es rund um Nadel und Faden: Pullis, Röcke, Hosen, Jacken werden selbst geschneidert, bemalt, bestickt, gestrickt. Beliebt sind auch die Schmuckherstellung, Karten und Briefe werden selbst entworfen und verziert, von Hand in schönster Schrift geschrieben.

Rund 5,34 Millionen Menschen ab 14 Jahren werkeln in ihrer Freizeit gerne und regelmäßig, knapp 23 Millionen nehmen ab und zu Pinsel oder Werkzeug in die Hand. Das ist das Ergebnis einer 2018 in Deutschland durchgeführten Umfrage der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA). Danach nimmt der Hang zur Kreativität seit Jahren stetig zu. So waren es 2014 nur 24 Millionen Bastler, 2018 bereits mehr als 28 Millionen.

Eine Entwicklung, die auch die großen Baumärkte beobachten und darauf reagieren. So bieten fast alle Baumärkte Ideen und Anleitungen rund um Möbelbau und Raumgestaltung. Hinzu kommen Seminare und Heimwerkerkurse. Ein Renner sind Workshops Kurse für Frauen, die schwere Maschinen selbst bedienen wollen. „Uns wird bei diesen Kursen buchstäblich die Bude eingerannt“, berichtet Florian Preuß, Pressesprecher bei der Baumarktkette Hornbach, über solche Projektabende. Und es gehe richtig zur Sache: „Die Teilnehmerinnen arbeiten selbst, werden schmutzig, lernen – und schauen nicht mehr nur zu.“ Im Jahr 2017 haben laut Preuß mehr als 8000 Frauen an solchen Workshops teilgenommen.

Auf Kurse rund um hochwertige Handwerkstechniken, die viel mehr als nur Basteln sind, ist auch die Volkshochschule (Vhs) in Frankfurt ausgerichtet. Rund 250 Kurse pro Semester bietet die Institution für lebenslanges Lernen an.

Da gibt es etwa „Dreidimensionales Gestalten“ wie Skulpturieren mit Speckstein, oder Bildnerisches Gestalten mit Malen, Zeichen und Comic-Zeichnen sowie Kalligraphie. Und auf keinen Fall darf hier das textile Gestalten vergessen werden: Da wird genäht, gern auch mit Flicken, Kleidung geändert und neu designt. „Unsere Kursleiter kommen alle aus dem künstlerischen Bereich oder haben eine abgeschlossene handwerkliche Ausbildung“, sagt Annette Remy von der Vhs. Angebot und Nachfrage nähmen seit Jahren kontinuierlich zu. „Zur Zeit suchen wir Kursleiter für Korbflechten, Batik mit gehobenem Anspruch, Druck- und Prägetechniken und alles, was im weitesten Sinne mit ,Schöner Wohnen’ zu tun hat“, sagt Remy. Beliebt sind auch Goldschmieden, Schmuckherstellung, Buchbinden, Floristik, Seifensieden und Plastizieren.

Aktuell angesagt ist es, T-Shirts mit Sprühfarbe zu designen. Das Gestalten mit Fimo ist ein Dauerbrenner, wie Sascha Gleissner vom Frankfurter Bastelgeschäft Vowinckel erklärt. „Der Trend geht außerdem zu kreativem Do-it-yourself wie Beton gießen oder der Arbeit mit Kreide.“ Gibt es auch etwas, das die Gunst der Kreativen verloren hat? Durchaus: Die Geburtstags- oder Weihnachtskarte am Computer gestaltet – das geht zwar schnell, ist aber lieblos. Und richtig out. Lettering – die Buchstabenkunst – sei auch nicht mehr so angesagt, meint der Bastelexperte. Dafür steige aber die Freude an der individuellen Kartengestaltung.

Übrigens: Basteln befriedigt nicht nur die Sinne in jeder Dimension, sondern fördert besonders bei Kindern das räumliche Vorstellungsvermögen, die Ausdauer und das Konzentrationsvermögen sowie die Motorik. Letzteres ist besonders wichtig fürs Schreibenlernen.

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