Damit Radfahrer und Fußgänger die Straße an der Praunheimer Brücke bequemen überqueren können, setzt sich der Verein Kunstwerk Praunheim ein. Am Samstag gab es eine Aktion dazu. Es gibt zwar einen Überweg (hinten), aber zu weit entfernt. Foto: Leonhard Hamerski
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Damit Radfahrer und Fußgänger die Straße an der Praunheimer Brücke bequemen überqueren können, setzt sich der Verein Kunstwerk Praunheim ein. Am Samstag gab es eine Aktion dazu. Es gibt zwar einen Überweg (hinten), aber zu weit entfernt.

Praunheim: Frankfurter Initiative

Kreative Ideen für einen lebenswerten Stadtteil

  • vonBrigitte Degelmann
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Kunstverein Praunheim setzt sich für Zebrastreifen ein und drängt auf Umsetzung des 2013 beschlossenen Rahmenplans

Bei diesem Anblick verrenkt sich mancher Autofahrer neugierig den Hals: Sechs schwarz und weiß gekleidete Gestalten mit rot-weißen Warnzeichen und großen Schildern stehen an der Praunheimer Brücke, wo an diesem sonnigen Samstagnachmittag zahlreiche Spaziergänger und Fahrradfahrer an der Nidda unterwegs sind. Was sie planen, wird schnell klar, als Gabriela Bloem, Vorsitzende des Vereins Kunstwerk Praunheim, und ihre Mitstreiter kurz nach 14 Uhr auf die Straße treten, die Autos für wenige Minuten stoppen und dafür sorgen, dass Passanten die Straße ungehindert überqueren können. "Hier könnte ein Zebrastreifen für einen sicheren Nidda-Radwanderweg sein" steht auf einem Roll-Up. Darunter: "Wort halten! Für ein lebendiges Praunheim".

"Lebendiges Praunheim" - so lautet auch der Titel der Kampagne, die Kunstwerk Praunheim kürzlich gestartet hat. Damit will der Verein darauf hinweisen, dass man im gesamten Stadtteil dringend auf Verbesserungen wartet. Schon vor acht Jahren haben sich etliche Bürger in Planungswerkstätten Gedanken darüber gemacht und viele Vorschläge dazu erarbeitet. Etwa die Schaffung eines Dorfplatzes in der Ortsmitte, nahe der Kirche; ebenso eine Terrasse zur Nidda hin, Baumpflanzungen, breitere Gehwege, die Umgestaltung mehrerer Straßen und die Neuordnung der Parkplätze im Praunheimer Zentrum. Diese Anregungen flossen in einen Rahmenplan ein, den der Ortsbeirat unterstützte und die Stadtverordnetenversammlung schließlich verabschiedete.

Allerdings: Von einer Umsetzung all der schönen Ideen ist bisher nichts zu sehen.

Mark Gellert, Sprecher des Stadtplanungsdezernats, das die Planungswerkstätten einst organisierte, erklärt das damit, dass es um "langfristige Ideen" gehe, an denen viele Stellen mitarbeiten müssten: "Die Stadtplanung kann die Umsetzung nicht allein in die Hand nehmen. Wir sind kein bauendes Amt."

Deutlich mehr Verkehr

Gabriela Bloem kritisiert jedoch, dass sich die Situation in Praunheim sogar verschlechtert habe: Der Verkehr nimmt zu, Läden schließen, Plätze und Grünflächen werden rücksichtslos zugeparkt. Und die denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Praunheimer Werkstätten, die vor einigen Jahren von der Stadt gekauft wurden? Eigentlich sollten sie für das Quartier und für Künstler geöffnet werden, mit einem Café oder einem Biergarten - als Attraktion im Grüngürtel und zugleich als Stadtviertel-Eingang, der zum Besuch der Ortsmitte einlädt. Doch dann kam die Flüchtlingswelle, und die Stadt entschied kurzfristig, dass die Bauten als Unterkünfte für Geflüchtete dienen sollen. Was übrigens auch Kunstwerk Praunheim unterstützte. Schließlich hieß es damals, dass diese Nutzung nur vorübergehend sein sollte, für maximal fünf Jahre.

Davon ist heute keine Rede mehr. Stattdessen, sagt Gabriela Bloem, seien nun auch Wohnungslose in den früheren Praunheimer Werkstätten untergekommen - ohne zeitliche Begrenzung. Das Verständnis von Kunstwerk Praunheim für das Handeln der Stadt ist mittlerweile ausgereizt. "Wir können nicht die ganzen Probleme von Frankfurt lösen", sagt die Vorsitzende. Ihre Befürchtung: Die Pläne für einen neuen Stadtteil nordwestlich von Praunheim könnten die Probleme des Viertels noch verschärfen.

Deshalb hat der Verein nun die Kampagne "Lebendiges Praunheim" angestoßen. Der Gedanke dabei: Bürger und Vereine entwickeln eigene Ideen und zeigen, welche Orte in dem Stadtviertel für ihre Zwecke nutzbar wären, wenn die Stadt den Rahmenplan endlich umsetzen würde. Auf einer eigens dafür erstellten Homepage sind Bilder von mehreren Aktionen zu sehen. Da wurde beispielsweise ein kleiner Marktstand aufgebaut, um an den versprochenen Dorfplatz zu erinnern. Oder ein hübsch gedeckter Tisch mit zwei Stühlen am Nidda-Ufer, was auf das ersehnte Café hinweisen soll.

Die Zebrastreifen-Aktion liefert weitere Bilder für die Internet-Seite. Die Idee dazu hatten Annette Finze und Sabine Dilsen von Kunstwerk Praunheim. Sie wollen aber nicht nur einen Zebrastreifen für einen sicheren Übergang, sondern die Neugestaltung des gesamten Areals - als attraktiver Ortseingang für Praunheim. Eine Idee, die übrigens gut ankommt. "Sogar die Autofahrer finden das prima", freut sich Gabriela Bloem. Zwei Fußgänger bieten gar spontan ihre Hilfe an: "Wie können wir Sie unterstützen?" Eine Antwort hat die Vorsitzende sofort parat: "Einfach selbst Ideen entwickeln." Brigitte Degelmann

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