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„Krebs ist ein Arschloch“: Feuerwehrmänner quälen sich für Kranke mit ungewöhnlicher Aktion

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Von: Sabine Schramek

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1300 Kilometer in zehn Tagen laufen, das haben sich der Frankfurter Feuerwehr-Taucher Holger Hüfner und elf Kameraden vorgenommen. Sie laufen mit voller 18-Kilo-Montur.
1300 Kilometer in zehn Tagen laufen, das haben sich der Frankfurter Feuerwehr-Taucher Holger Hüfner und elf Kameraden vorgenommen. Sie laufen mit voller 18-Kilo-Montur. © Benjamin Thoran

Sie sind wahre Grenzgänger im Kampf gegen den Krebs. Zwölf Feuerwehrmänner starten nun wieder ihre ungewöhnliche Aktion.

Frankfurt -"Krebs ist ein Arschloch", sagt Holger Hüfner (44). Deshalb läuft der Berufsfeuerwehrmann, der bei der Taucherstaffel am Osthafen arbeitet, von heute an zehn Tage lang gemeinsam mit elf weiteren Feuerwehrmännern in voller 18-Kilo-Montur 13000 Kilometer weit entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. "

Jedes Jahr wird 500 000 Mal die Diagnose Krebs gestellt. Eine schwere Last für die Betroffenen und ihre Familien", weiß der durchtrainierte Mann mit dem festen Händedruck. "Diese Last symbolisieren wir mit dem Atemschutzgerät, das wir als Staffelstab abwechselnd tragen. Wenn wir uns abwechseln, ist die Last weniger schwer. Das ist auch bei der Diagnose so. Wenn man füreinander da ist, ist sie leichter zu ertragen."

Feuerwehrmäner kämpft gegen Krebs: Mit ungewöhnlichen Mitteln

Der Weg vom bayerischen Regnitzlosau bei Hof bis nach Lübeck führt querfeldein weitgehend über Plattenstraßen, auf denen insgesamt 1500 Höhenmeter zu überwinden sind. "Sie zeigen das Auf und Ab, das die schreckliche Krankheit mit sich bringt", so Hüfner, der bereits bei der ersten Feuerwehr Deutschlandtour von Flensburg nach Garmisch- Partenkirchen vor sechs Jahren dabei war. "Ein Athletiktrainer eines Kollegen aus Köln hatte zum zweiten Mal Krebs. Wir wollten etwas tun. Das ist bei der Tour gelungen. Wir konnten 28 000 Euro Spenden für die Deutsche Krebshilfe sammeln", erzählt Hüfner, der wieder eine möglichst große Summe zusammenbekommen möchte. Dass es diesmal entlang des Grünen Bandes an der ehemaligen Grenze zur DDR geht, ist kein Zufall, denn der Organisator hat bei der ersten Tour seine jetzige Frau Katrin kennengelernt, die wie er leidenschaftliche Triathletin ist. "Sie kommt ursprünglich aus Thüringen, ich aus Hessen.

Wir beide kennen die Grenze noch, die sich junge Menschen nicht mehr vorstellen können." Den langen beschwerlichen Weg geht auch der Frankfurter Berufsfeuerwehrmann Sven Brutscher mit, ebenfalls in der nicht atmungsaktiven Feuerwehruniform. Die weiteren Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland. Jeden Tag soll eine Strecke von mehr als 120 Kilometern gelaufen werden, morgens früh um 4 Uhr geht es los. "Wir übernachten bei Freiwilligen Feuerwehren, die uns aufnehmen wie eine Familie", freut sich Hüfner. "Wir dürfen bei der Taufe eines Feuerwehrfahrzeugs dabei sein und bei einem Feuerwehrfest, das für unsere Aktion gefeiert wird."

Krebs-Aktion: Feuerwehrmänner sammeln Spenden

Seit eineinhalb Jahren planen die Feuerwehrleute minutiös da Team und Strecke, sie haben kleine und große Sponsoren gesucht und viele gefunden. "Wir wollen mit Spenden nicht unsere Tour finanzieren, sondern nehmen alles, was nicht gesponsert wird, auf unsere private Kappe. Jeder Cent geht an die Deutsche Krebshilfe, damit die tückische Krankheit irgendwann nicht mehr tödlich ist." Sechs Männer und Frauen sind dabei, zwei davon auf dem Fahrrad, die Wasser und Notfall-Equipment dabei haben, die den GPS-Track genau kennen und die Moral der Wanderer hoch halten. Hüfners Sohn Kevin (21) ist dabei und auch sein Jüngster, Matti-Paul (dreieinhalb), der stolz eine Feuerwehr-Polizeiweste trägt.

"Er mag beides, er will wohl Kriminalfeuerwehrmann werden", scherzt sein Papa. Mama Katrin ist ebenfalls im Team und kümmert sich um Social Media. Nach je 60 Kilometern am Tag wird die Staffel gewechselt. Hüfner geht davon aus, dass sie täglich 14 Stunden lang laufen werden. Jeder, der dabei ist, hat Krebs im engeren Umfeld erlebt und weiß um die Kraft, die die Krankheit Betroffenen wie auch Angehörigen abverlangt. "Wir geben unsere Kraft für Mittel für die Forschung", sagt der Feuerwehrmann. Unterwegs können Interessierte für 10 Euro Spende einen Teil mitlaufen. Das berührendste Erlebnis hatte Hüfner bei der jüngsten Tour, als er einen Mann traf, der schon auf die Feuerwehrleute gewartet hat. "Der Mann mit Rollator hat mir 2 Euro gegeben und sich entschuldigt, dass er als Hartz-IV-Empfänger nicht mehr geben kann. Er hatte selbst Krebs und wollte helfen. Das ist mir unter die Haut gegangen."

Spenden und mehr: Tour der Feuerwehrmänner kann live verfolgt werden

Die Strecke der Tour kann online unter https://feuerwehr-deutschlandtour.de/ verfolgt werden, auch Anmeldungen für Teilstrecken sind hier möglich. Spenden zur Feuerwehr-Deutschlandtour für die Deutsche Krebshilfe unter der Aktionsnummer 49007746 bei der Kreissparkasse Köln, IBAN DE65 3705 0299 0000 9191 91. (bi)

In der Corona-Krise ließen viele Frankfurter Patienten die Krebsvorsorge schleifen. Oftmals konnten Ärzte erst im späten Stadium eingreifen.

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