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Der Goetheturm, ein Wahrzeichen Frankfurts, steht am 12.10.2017 in Frankfurt am Main (Hessen) in Flammen. Foto: dpa

Goetheturm

Kriminaldirektorin: "Wir werden den Brandstifter finden"

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In Anke Schumachers Büro hängt der Goetheturm an der Wand – als Siebdruck einer Frankfurter Künstlerin. Die Kriminaldirektorin hat das Bild Ende 2017 gekauft, von dem beliebten Aussichtsturm waren da nur noch ein paar verkohlte Holzreste übrig. „Wir werden nicht lockerlassen, bis wir den Brandstifter gefunden haben“, verspricht sie im Gespräch mit FNP-Redakteur Daniel Gräber.

Frau Schumacher, in Frankfurt scheint ein Feuerteufel unterwegs zu sein. Wie dicht sind Sie ihm auf den Fersen?

ANKE SCHUMACHER: Die Details unserer Ermittlungen kann ich Ihnen selbstverständlich nicht verraten. Aber Sie können sicher sein, dass wir die mutmaßlichen Brandstiftungen sehr ernst nehmen. Wir haben eine 16-köpfige Ermittlergruppe eingerichtet, um die Fälle aufzuklären.

Erst brannten zwei Holzpavillons, dann der Goetheturm und später eine Walldorf-Kita. Gehen Sie davon aus, dass dahinter derselbe Täter steckt? 

SCHUMACHER: Wir richten derzeit bei allen Bränden in Frankfurt den Blick darauf, ob es einen Zusammenhang zu den bisherigen Fällen gibt. Manchmal können wir das ausschließen, bei anderen Bränden wissen wir es noch nicht genau. Solche Zweifelsfälle belassen wir dann auch bei der Ermittlungsgruppe, um mögliche Zusammenhänge nicht aus dem Auge zu verlieren.

Das heißt aber schon, dass Sie einen Serientäter suchen? 

SCHUMACHER: Sich zu früh darauf festzulegen wäre ein Fehler. Man muss auch für andere kriminalistische Thesen offen sein.

Dass es sich in allen vier Fällen um Holzbauten handelte und die Tatzeit am frühen Morgen ähnlich war, deutet doch auf einen Zusammenhang hin.

SCHUMACHER: Nein. Das alleine sagt noch nichts aus. Die Tatzeit ist typisch für Brandstiftungen. Denn die Täter möchten möglichst unbeobachtet bleiben. Und dass es Holzbauwerke getroffen hat, könnte auch schlicht daran liegen, dass die gut und schnell brennen.

Der Goetheturm-Brand hat viele Frankfurter sehr bewegt. Stehen Sie deshalb unter erhöhtem Erfolgsdruck? 

SCHUMACHER: Auch für mich persönlich war die Nachricht ein Schock. Es tut weh, dass der Goetheturm nicht mehr da ist. Wir sind hoch motiviert und werden nicht lockerlassen, bis wir den Brandstifter gefunden haben. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Wie gehen Sie dabei vor? 

SCHUMACHER: Konkret kann ich Ihnen nichts dazu sagen. Aber lassen Sie es mich allgemein formulieren: Brandermittlungen erfordern akribisches Arbeiten. Es gibt in der Regel wenige Spuren. Man findet kein blutverschmiertes Messer am Tatort, sondern verkohlte Reste und Asche. Unsere Experten tragen dann Schicht für Schicht ab, gehen im Grunde wie Archäologen vor. Diese Proben werden dann im Labor genau untersucht. Beim Goetheturm-Brand haben uns auch Sachverständige des Landeskriminalamts unterstützt. Neben der Tatortarbeit verfolgen wir aber auch andere Ermittlungsansätze. Wir prüfen Zeugenhinweise, werten Daten aus und setzen auch Kollegen operativ ein, die nicht unbedingt als Polizisten zu erkennen sind.

Am Morgen nach dem Goetheturm-Brand standen dort einzelne Bürger und beobachteten die Lösch- und Aufräumarbeiten. Könnte der Brandstifter unter ihnen gewesen sein?

SCHUMACHER: Es gibt Brandstifter, die am Tatort bleiben. Anderen genügt es, die Medienberichterstattung zu verfolgen. Sie genießen die Aufmerksamkeit, die ihre Tat auslöst. Brandstiftern, zumindest den irrational motivierten, geht es meistens um ein Machtgefühl.

Was sind denn im Unterschied dazu rational motivierte Brandstifter?

SCHUMACHER: Zum Beispiel jemand, der Versicherungsbetrug begehen will. Aber davon gehen wir im Fall des Goetheturms nicht aus.

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