+
Kein Wettrennen aber Imponiergehabe führte laut Gerichtsurteil zu einem Unfall mit Todesfolge. Der Fahrer wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. 

Kurioses Verbrecherjahr 

Kriminalstadt Frankfurt 2019: Von Bomben, Goldminen und einem Raser

  • schließen

Manchmal konnte man nur mit dem Kopf schütteln: Kurioses und Komisches, aber auch das handfeste Verbrechen, die große Kriminalität beschäftigten im Jahr 2019 die Frankfurter Strafjustiz.

  • Immer wieder kommt es in Frankfurt zu kuriosen Verbrechen 
  • Die Strafjustiz wurde in diesem Jahr mit Bomben, Betrügern und Übergriffen konfrontiert 
  • Für einige Taten in Frankfurt gab es 2019 lebenslange Haft 

Frankfurt – Aufregung bei der Flughafen-Kontrolle: "Ich habe eine Bombe im Bauch", sagte ein Passagier, der sich nicht kontrollieren lassen wollte. Des Rätsels Lösung: Der Mann schämte sich einfach für seinen künstlichen Darmausgang, der in Patientenkreisen gerne als "Bombe" bezeichnet werde, und kam deshalb vor dem Amtsgericht mit einer Verfahrenseinstellung davon.

Frankfurt: Übergriffe auf Sanitäter 

Immer wieder verursachten große und kleine Fälle, die beim Amts- oder Landgericht verhandelt wurden, in ausgehenden Jahr Kopfschütteln. Übergriffe auf Sanitäter und andere Helfer gehören dazu, aber auch Flegeleien gegen die Feuerwehr oder Polizei. Ein Rentner, der ein solch renitentes Verhalten an einer Rolltreppe an der S-Bahnstation am Hauptbahnhof gezeigt und eine Sanitäterin sogar die Treppe hinuntergestoßen hatte, wurde im Januar zu acht Monaten Bewährungsstrafe und 500 Euro Geldauflage verurteilt.

Merkwürdige Blüten trieb auch eine Beziehung zwischen einem 61-Jährigen und der Mutter eines gerade flügge gewordenen Mädchens. Der Mann hatte sich offenbar in die Tochter verguckt und installierte deshalb eine Mini-Kamera im Kinderzimmer. Aus den filmischen Ergebnissen bastelte er pornografische Dateien. Ergebnis im Februar: 14 Monate Bewährungsstrafe und ein saftiges Schmerzensgeld an das Opfer.

Manchmal brauchte es im vergangenen Jahr eine gute Spürnase, um den falschen Braten zu riechen. Ein Pärchen saß auf der Anklagebank des Amtsgerichts wegen zweifelhafter Geschäfte mit angeblichen Edel-Duftwässerchen im Internet. Die teuren Düfte entpuppten sich nach Zahlung des teuren Preises als müffelnder Fusel. Fünf Monate Bewährungsstrafe sowie eine kräftige Geldstrafe für die Frau waren die Folge im März.

Betrügerische Pflegerin in Frankfurt kassiert 265.000 Euro 

"Demenzkranker Rentner um 265 000 Euro gebracht - Pflegerin verurteilt" und "Fünf Jahre Haft nach Raser-Unfall am Mainufer" hießen die Gerichts-Schlagzeilen am 1. April. Kein Aprilscherz, denn auch der dreiste Pfleger wurde verurteilt - vom Amtsgericht zu zwei Jahren Bewährungsstrafe. Der erst 20 Jahre alte Raser vom Mainufer hatte indes noch Glück: Kein Wettrennen, wohl aber jugendliches Imponiergehabe hinterm Steuer hatten laut Urteil zu dem schweren Verkehrsunfall am Schwanheimer Mainufer mit einem Todesopfer geführt.

Seit vielen Jahren führt auch die Sehnsucht vieler Leute nach dem großen Geld zu Prozessen um mehr oder weniger suspekte Kapitalanlagen. Im April waren es "Goldminen in Ecuador", die gleich mehrere mutmaßliche Betrüger auf die Anklagebank brachten. Doch die Sache ging diesmal etwas anders aus. Die Angeklagten hatten alles richtig gemacht und den Anlegern von Anfang an reinen Wein eingeschenkt über die Risiken dieser Geldanlage. Hunderttausende waren futsch, trotzdem gab es Freisprüche.

Bombenalarm in Höchst – Orangen als Handgranaten 

Eines Tages war in der Höchster Altstadt der Teufel los: Das Überfallkommando rast zu einem kleinen Café in der Bolongarostraße und sperrt das Gebiet weiträumig ab. Zwei Bomben sollten in Kürze hochgehen, ließ ein wütender Mann verlauten. Doch die "Bomben" entpuppten sich als Orangen, wie es in der Anklage der Staatsanwaltschaft im Mai hieß. Später wurde der Wüterich deshalb vom Amtsgericht verurteilt. Familiensinn bewies ein Bankräuber, der vor mehr als zwölf Jahren 10.000 Euro bei einer Sparkassenfiliale in Oberrad erbeutete. Nachdem er von dem geraubten Geld eine würdige Grabstätte für den verstorbenen Vater finanziert hatte, fiel ihm das Geständnis vor dem Landgericht entsprechend leichter - das Gericht "bedankte" sich im Juni mit gnädigen drei Jahren und zwei Monaten Haft.

Das Schwurgericht schöpfte gleich mehrfach seine starke Strafgewalt aus: Im Juli wurde der Auftragsmord an einem Wettbüro-Inhaber aus Sachsenhausen nach monatelangem Prozess mit lebenslanger Haft geahndet. Auch ein Raubmörder erhielt im September lebenslang - er hatte die Mutter einer Freundin erstochen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare