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Heftige Kritik nach Abgang der Modemesse: "Frankfurt blieb eine Blamage erspart"

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Von: Ute Vetter

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Myriam Beltz, Mode-Einkäuferin und Inhaberin des Geschäfts "Maria" in der Fahrgasse, beurteilt die Art und Weise, wie sich die Mode-Messe "Fashion Week" aus Frankfurt überraschend schnell wieder Richtung Berlin verabschiedet hat, sehr kritisch.
Myriam Beltz, Mode-Einkäuferin und Inhaberin des Geschäfts "Maria" in der Fahrgasse, beurteilt die Art und Weise, wie sich die Mode-Messe "Fashion Week" aus Frankfurt überraschend schnell wieder Richtung Berlin verabschiedet hat, sehr kritisch. © Nicolai Tilov

Am Rückzug der nie richtig angekommenen Premium Group ist laut der Modeszene nicht nur Corona schuld. Stadt und Messe hätten sich überschätzt.

Frankfurt – Der plötzliche Rückgang der Modemesse des Veranstalters „Premium Group“ zurück nach Berlin sorgt weiterhin für Kritik, aber auch Spott und Hohn, gerade in der Mode- und Designer-Szene am Main. Christiane Wegner, seit 30 Jahren mit ihrem Modedesign und einer Atelier-Boutique in der Schifferstraße in Sachsenhausen eine feste Größe, sagt etwa: „Die große Frage war ,Kann Frankfurt Mode?‘, jetzt stellt sich eher die Frage ,Kann Frankfurt Messe‘?“.

Doch sie blickt nach vorn: „Für mich ist ein neuer Fokus gesetzt, Frankfurt und Mode sind sichtbar geworden. Ob es nun wirklich eine Messe dazu braucht, ist für mich persönlich nicht so wichtig.“ Doch sie moniert, was etliche Kenner der Modeszene sagen: „Alle genannten Erklärungen für die Absage der Modemesse - außer die Corona-Pandemie - scheinen mir nicht nachvollziehbar und sind doch sehr intransparent.“

Modemesse verlässt Frankfurt: „Traurig, schade, peinlich.“

Der Frankfurter Maßschneider Stephan Görner, mit seinem Atelier und seiner schon seit 2015 laufenden Kampagne „Kleider machen Leute“ ebenfalls eine feste Größe in der Stadt, sagt: „Ich finde den Abgang der Modemesse traurig, schade, peinlich.“ Man kenne die wirklichen Gründe nicht - außer Corona. Doch den Virus gebe es ja auch in Berlin. Die Szene in Frankfurt sei von Anbeginn an weder gut informiert, noch gar eingebunden gewesen. „Das ganze Drumherum um diese Modemesse und dann die dazugehörige ,Fashion Week‘ haben viele nicht genau verstanden.“ Er gehöre als klassischer Maßschneider zwar nicht so recht zur Mode-Szene und er kaufe seine Stoffe nur in Italien ein, aber die Messe hätte eine“„vernünftige Chance“ verdient gehabt.

Deutlichere Kritik am plötzlichen Abgang der Modemesse aus Frankfurt äußert hingegen Myriam Beltz, Mode-Einkäuferin in Paris, Berlin und Düsseldorf sowie Inhaberin der Boutique "Maria" in der Fahrgasse nahe dem Dom: "Ich habe diese ganze Sache von vorneherein kritisch gesehen - die Modemesse passt einfach nicht nach Frankfurt." Sie fand es "eher drollig, dass man in dieser Liga mitspielen wollte". Schnell geäußerte Sätze wie: "Frankfurt kann neben Paris und Mailand bestehen", seien "lächerlich" gewesen. "Man kann von Glück reden, dass die Pandemie der Stadt Frankfurt eine Blamage erspart hat."

Nach Abgang von Modemesse: Heftige Kritik an der Messe Frankfurt

Kein gutes Wort findet sie auch für die Mitveranstalter der Modemesse, nämlich die Frankfurter Messe GmbH: Diese sei „alt und konservativ“. Damit erinnert sie auch an den für Frankfurt so schmachvollen Weggang der bedeutenden Internationalen Automobilmesse IAA nach München. Und sie erinnert sich noch weiter zurück, an die „Interstoff“: Noch Anfang der 90er Jahre waren auf dieser Fachmesse mehr als 1000 Aussteller gezählt worden, doch im Jahr 2000 musste die Messegesellschaft Frankfurt die Notbremse ziehen: Vier Wochen vor Ausstellungsbeginn wurde das Ganze super-kurzfristig abgesagt. Es fehlte an europäischen Unternehmen, die sich dort präsentieren wollten. Zu einer Neuauflage der Veranstaltung, deren Geschichte im Wirtschaftswunder begonnen hatte, kam es nicht mehr.

Zurück ins Hier und Jetzt: Die Mode-Einkäuferin Myriam Beltz kennt die Mode-Szene gut und sagt: „Die wirklich hippen Brands, die sich etwa in Berlin bei der Modemesse ,Seek‘ in sehr coolen Locations etwa an der Spree präsentieren, hätten in Frankfurt doch gar keine vergleichbaren Locations finden können.“ Scharf kritisiert sie auch, dass die Modemesse und das Drumherum vor allem „von alten, weißen Männern“ präsentiert worden sei; sie habe jedenfalls keine weibliche Modeexpertin in diesem Rahmen wahrgenommen. Zudem sei die Kommunikation „unterirdisch“ gewesen, das Ganze sei insgesamt einfach „schlecht transportiert worden“.

Mode in Frankfurt: Wirtschaftsförderung statt Riesenmesse

Christiane Wegner erinnert an ihre vielfältigen Bemühungen, das Thema Mode in Frankfurt auf einem erst einmal niedrigeren Level als dem einer großen Messe zu fördern: „Seit Jahren versuche ich dafür etwas zu tun, habe auch die städtische Wirtschaftsförderung angesprochen - es endet immer bei Vorschlägen, die Geld kosten, und dann hört es auf.“ Es gebe allgemein kein großes Interesse, zudem hätten viele keine Ahnung vom Mode-Business. „Da kommen viele Punkte zusammen. Man muss für so etwas Geld in die Hand nehmen.“ Insgesamt müsse da einfach „mehr von der Stadt kommen“. (Ute Vetter)

Auch aus der Politik hagelt es Kritik am Abgang der Modemesse aus Frankfurt. Michael Müller, Fraktionsvorsitzender der Linken im Römer, nannte die Frankfurter Fashion Week ein „blamables und sündhaft teures Intermezzo“. Währenddessen kämpft die Messe Frankfurt ums Überleben.

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