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Parken in Frankfurt

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Kaum noch kostenfreie Parkplätze in Frankfurt: Pläne Oesterlings stoßen auf Ablehnung

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Verkehrsdezernent Klaus Oesterling hat angekündigt, dass es in Frankfurt kaum noch kostenfreie Parkplätze geben soll. Erwartungsgemäß gab es dafür Kritik. IHK und Handwerkskammer sind nicht begeistert.

Frankfurt - Die Stadt will diesmal vor Gericht die besseren Argumente haben. Um Fahrverbote für alte Diesel zu vermeiden, sollen am besten möglichst viele Autos erst gar nicht mehr in weiten Teilen der Stadt herumfahren. Oesterling will deshalb, wie berichtet, Parkscheinautomaten in der gesamten Stadt aufstellen lassen. Das Anwohnerparken soll erhalten bleiben. Für viele der rund 250 000 Pendler hingegen wird Frankfurt zur No-Go-Area.

Zum Thema: Frankfurt: Kostenlose Parkplätze sollen stadtweit abgeschafft werden - für Besucher wird es teurerBernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, kritisiert das Vorhaben als zu kurz gedacht: „Der Vorschlag, die Parkregelung in der Innenstadt neu aufzulegen, hat wieder einmal nur ein Ziel: An kleinen Stellschrauben zu drehen, anstatt sich um einen Gesamtverkehrsplan für Frankfurt zu kümmern, der auch den Wirtschaftsverkehr sinnvoll mit einbezieht.“

Parkplätze in Frankfurt: Lösungen im Blick haben

Bei der Industrie- und Handelskammer gibt Dr. Alexander Theiss, Geschäftsführer für Standortpolitik, zu bedenken: „Die Verhinderung eines Fahrverbots ist wichtig, dennoch muss bei den Lösungsansätzen im Blick behalten werden, dass beispielsweise nicht jeder Pendler auf den ÖPNV umsteigen kann – sei es aus Kapazitäts- oder Anbindungsgründen. Zudem fehlt es an einem ausreichend großen Angebot an Park & Ride-Plätzen. Auch kann nicht jeder Unternehmer seinen Mitarbeitern Parkplätze zur Verfügung stellen.“ Die IHK dringe auf einen Interessenausgleich.

Der Einzelhandel in Frankfurt hingegen ist es schon gewohnt, dass die Kunden in der Innenstadt auf Parkplätzen zahlen müssen. Joachim Stoll, Sprecher der Frankfurter Einzelhändler, kritisiert: „Wir leiden ohnehin wegen des Online-Handels an geringerer Frequenz in den Geschäften. Jetzt soll auch das freie Parken außerhalb der Innenstadt wegfallen. Ich befürchte, dass viele Kunden aus dem Umland nicht mehr nach Frankfurt kommen werden. Um das zu vermeiden, müsste die Stadt viel mehr ins Image investieren, in die Sauberkeit, die Ordnung.“

Erstaunlich gelassen reagiert hingegen Cornelius Blanke, Sprecher des ADAC. Wer erwartet hätte, die Vertreter der Autofahrer gingen jetzt auf die Barrikade, sieht sich getäuscht. Blanke sieht den Fehler bei den Autofahrern: „Sie müssen überall bis vor die Tür fahren.“ Dass das Parken auch außerhalb des Alleenringes generell kostenpflichtig werden solle, sei zu erwarten gewesen. Wichtig wäre jedoch, dass Frankfurt auch wirklich viele Park & Ride-Plätze an der Stadtgrenze schafft, damit die Berufstätigen von dort aus zu ihren Arbeitsplätzen kommen können.

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Jürgen Conzelmann, Chef von Haus und Grund, der Vereinigung privater Vermieter, ist zurückhaltend: „Sicher ist der Parkdruck am Stadion und in Niederrad sehr groß, wenn die Leute in die S-Bahn steigen und zum Flughafen fahren. Da wäre die Kostenpflicht sinnvoll. Aber ich würde es mit Augenmaß machen, nicht flächendeckend“, sagt er. Er würde zunächst aber die betroffenen Ortsbeiräte befragen. Conzelmann wünscht sich ein großzügiges Frankfurt: „Wenn jemand Gäste erwartet und die dann abends zahlen müssen, wie kleinlich ist das denn. Da sollte die Stadt lieber noch einige Quartiersparkhäuser bauen, als nur mit Verboten zu arbeiten und an der Kostenschraube zu drehen.“

„Rund 320 Parkscheinautomaten gibt es bislang in der Innenstadt“, sagt Michael Bachmann, Geschäftsführer der Parkhaus-Betriebsgesellschaft. „Wenn wir mehr aufstellen sollen, machen wir das.“ Im vergangenen Jahr wurde an den Parkscheinautomaten rund fünf Millionen Euro eingenommen.

Parkplätze in Frankfurt: Frei für Anwohner

Wie genau der stadtweite Zahlzwang aussehen wird, ist noch nicht klar. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael zu Löwenstein sagte gestern: „Für Frankfurter soll das Parken in anderen Stadtteilen möglichst kostenlos bleiben, so weit nicht auch bisher Parkscheine vorgeschrieben sind, und in jedem Fall natürlich für Anwohner.“ Pendler hingegen sollten am besten draußen bleiben mit den Autos.

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