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Der Künstler Radames Eger stammt aus einem Elendsviertel, er kennt die Nöte von Obdachlosen. Den Wasserturm, vor dem er die Schirme aufgespannt hat, hat er unverschlossen vorgefunden.

Im Wasserturm

Künstler hilft Obdachlosen: Er will auf das Elend in Großstädten aufmerksam machen

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Der brasilianische Künstler Radames Eger versorgt im Wasserturm des ehemaligen Güterbahnhofes Wohnsitzlose und protestiert gegen Armut. Über seinen weiteren Verbleib entscheidet das Umweltdezernat.

Endlich hat Radames Eger die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit: Einsatzkräfte und Vertreter des Grünflächenamtes, der Polizei und der Presse geben sich die Klinke in die Hand, staunen über zahlreiche bunte Schirme vor und in seiner Unterbringung für Wohnsitzlose im Wasserturm. „Für Freitag plane ich ein Event, wollte den Film ’Der Engel im Gallus’ zeigen“, sagt Radames. Doch ob es dazu kommt, wird nun Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) klären.

Stammt aus einer Favela

Nach eigenen Angaben versorgt Eger schon seit ein paar Wochen vier Wohnsitzlose mit Essen, kocht und musiziert für sie. Neben Schlafgelegenheiten in der oberen Etage und Bildern im ersten Stock finden sich dort auch mehrere Erste-Hilfe-Sets und ein Spiritusbrenner. Mit den Schirmen vor dem Turm macht Eger auf das Elend in deutschen Großstädten aufmerksam: „Aus der Bespannung fertige ich auch Kleidung und Zeltstoffe“, erläutert er. Der aus einer Favela (Elendsviertel) stammende afrobrasilianische Modedesigner ist in der Frankfurter Szene bekannt. „Und ich gebe Menschen ein Quartier, die sonst im Winter im Freien schlafen müssten.“

Die Tür zum Wasserturm habe er offenstehend vorgefunden, Schloss und Schlüssel selber besorgt. Dass seine Aktion zunächst nicht für eine große öffentliche Aufmerksamkeit sorgte, lag wohl an mehreren Faktoren. Denn während die Europa-Allee nördlich am Wasserturm vorbeiführt, spannte Eger seine Schirme an der Südseite auf, wo sie Passanten und vorbeifahrenden Autofahrern eher verborgen blieben, die bei kaltem und grauem Wetter sonst keinen Grund zum Aussteigen und Betreten des Geländes sahen.

Doch bei Anwohnern benachbarter Quartiere findet Eger sehr wohl Rückhalt: „Angesichts der zunehmenden Wohnungsnot sollte man im Gallus Freiräume für Künstler lassen, die unter der Brücke campierende Obdachlose beherbergen“, findet Nachbar Robert Stojanoski. Und berichtet, man habe die Betroffenen wohl unter der Brücke verwiesen.

Verständnis für Aktion

„Wir waren am Montag vor Ort und haben unter der benachbarten S-Bahnbrücke nur ein Lager geräumt“, stellt Michael Jenisch klar, Sprecher des Ordnungsamtes. Menschen habe man dort nicht angetroffen, doch es sei anzunehmen, dass die Sachen den im Wasserturm Übernachtenden gehören. „Obdachlosigkeit ist ein ernsthaftes Problem und wir haben Verständnis für die Aktion des Künstlers“, sagt Kurt Oeter, Vorsitzender des Trägervereins Frankfurter Zauberturm. Da sie, wenn ihr Projekt einer Zaubereinrichtung im Wasserturm genehmigungs- und umsetzungsfähig sei, frühestens in einem Jahr mit ersten Vorbereitungen beginnen wollten, fühlen sie sich durch die Aktion nicht behindert.

Jedoch machen sie sich Sorgen wegen Taubenkot und möglicher Brandgefahr, auch wenn Eger versichert, offenes Feuer zum Kochen nur außerhalb des Turms zu machen. Deshalb setzt die Umweltdezernentin für ihre Entscheidung auf ein Votum der Bauaufsicht: „Wir werden nach dortiger Rücksprache auch wegen fehlender Elektrizität und fließendem Wasser eine einvernehmliche Lösung mit dem Künstler zur Räumung suchen“, erklärt Susanne Schierwater, Umweltdezernat. Bis dahin könne der Turm weiter genutzt werden.

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