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Künstler öffnen ihre Ateliers

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Von: Alexandra Flieth

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Künstler Sascha Boldt und die Leiterin des Atelierfrankfurt, Corinna Bimboese.
Künstler Sascha Boldt und die Leiterin des Atelierfrankfurt, Corinna Bimboese. © Rainer Rüffer

Zu den Tagen der offenen Türen kamen mehrere hundert Besucher in die Schwedlerstraße im Frankfurter Ostend.

Elizabeth Coleman-Link begrüßt Besucher in ihrem Atelier, in dem sie ihre Werke präsentiert, die sie in Form einer Installation in ihrem Arbeitsraum aufgebaut hat. Die britische Künstlerin, die auf der Isle of White im Süden Großbritanniens aufgewachsen ist, verbindet in ihren Arbeiten Vergangenheit mit der Gegenwart, verarbeitet beispielsweise historische Fotografien, die sie unter anderem auf Leder druckt und mit Zitaten und Worten kombiniert. Die einzelnen Buchstaben der Worte setzt sie entweder aus Aluminium zusammen, die sie mit dem Bildgrund befestigt und ihnen zusätzlich mit einer Nadel Struktur verleiht.

Objekte, die Geschichten erzählen

Oder sie stickt die Worte auf. Und das macht sie nicht nur auf den Bildgründen der historischen Fotografien, sondern etwa auch auf alten, gewebten Teppichen, deren Ursprünge unter anderem in Afghanistan oder in der Türkei liegen. Oder auf Landkarten und Kaffeesäcken. „Ich suche nach Objekten, die eine Geschichte erzählen“, sagt sie. Zunächst habe sie die Zitate in einem Projekt im Yok-Yok-City-Kiosk im Bahnhofsviertel und im Kunstverein Familien Montez von Besuchern gesammelt oder habe zurückgegriffen auf Worte von William Shakespeare. Mittlerweile formuliere sie ihre eigenen Texte, die sie auf die unterschiedlichen Bildgründe sticke.

Coleman-Link gehört zu den rund 220 Kreativen, die in den 140 Atelierräume in Hessens größtem Künstlerhaus, dem Atelierfrankfurt in der Schwedlerstraße 1-5, ihren Arbeitsraum haben. An diesem Samstagnachmittag laden sie zu den traditionellen „Open Studios“ ein und öffnen ihre Atelierräume für kunstinteressierte Besucher. Die insgesamt dreitägige Veranstaltung, die am Freitagabend startete, hat seit Jahren Tradition und ist ein fester Programmpunkt im Jahresplan des Atelierhauses. Zu diesem Anlass gibt es auch Führungen durch das mehrstöckige Gebäude, das Raum für künstlerisches Schaffen auf rund 11 000 Quadratmetern bietet. Die Ausstellungsräume im Erdgeschoss und im Keller sind geöffnet und werden von unterschiedlichen Künstlern und Künstlerkollektiven aus dem Haus bespielt, so dass es für Besucher vieles zu sehen und zu entdecken gibt.

Drei Euro Eintritt kostet der Besuch im Haus, zusätzlich wird eine Energiepauschale von einem Euro erhoben. Corinna Bimboese, die Leiterin des Atelierfrankfurt begründet dies mit den gestiegenen Energiekosten, die sie ebenfalls bewältigen müssten. „Zu den Open Studios haben wir die Heizung an, es brennt überall Licht im Haus und die Toiletten stehen den Besuchern zur Verfügung“, sagt sie.

Beschwerden über den zusätzlichen Euro zum Eintritt gibt es nicht, ganz im Gegenteil, immer mehr an Kunst Interessierte finden den Weg dorthin. „Allein am Freitagabend hatten wir rund 900 Besucher“, sagt die Leiterin des Atelierhauses, die die Künstler ebenfalls aufsucht, mit ihnen ins Gespräch kommt und schaut, wie es läuft.

Im Atelier von Guido Zimmermann haben sich gleich mehrere Besucher eingefunden, die sich interessiert die von ihm geschaffenen Kuckucksuhren und Bilder ansehen und sich mit dem Künstler unterhalten. Im Erdgeschoss des Atelierfrankfurt hat Zimmermann, dessen großformatige Wandgemälde gleich mehrere Hausfassaden in Frankfurt zieren, zudem eine Ausstellung mit Bildern, die er mit fluoreszierender Farbe auf MDF-Platten gemalt hat und die im Schwarzlicht leuchten.

Herausfordernde Aufgaben

Nur ein paar Schritte weiter sitzt Sascha Boldt auf einem Sofa in seinem Atelier, das er sich mit den Künstlerinnen Eva Schwab und Valerie Griesing teilt. Boldt, der zwischen Berlin und Frankfurt pendelt, bespielt mit seinen Werken eine der Wände des Raumes und setzt sich in seinen Bildern auseinander mit der digitalen und der analogen Welt: Die Grundlage seiner Arbeiten sind am PC komponiert. Ausgedruckt auf Leinwand, fügt er malerische Elemente mit Pinsel und Farbe hinzu. Dabei thematisiert er die herausfordernden Aufgaben unserer Zeit: Die Bekämpfung von Umweltverschmutzung, Gentrifizierung, aber auch den Einsatz von modernen Techniken im Alltag und dessen gesellschaftliche Folgen.

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