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Jan Heartmann zeigt in der Paulskirche seine Collage ?Smiling World?, an der er mehrere Jahre gearbeitet hat.

Kunst in der Paulskirche

Künstler des Vereins „Die Palette“ präsentieren ihre Werke

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Insgesamt 52 Künstler präsentieren in der 58. Internationalen Kunstausstellung in der Paulskirche bis 9. September ihre neuen Bilder, Fotografien und Skulpturen. Die Vielfalt reicht von Frankfurter Stadtansichten bis zu Traumbildern unter Palmen.

Warum gerät der Frankfurter Dom zum Schatten vor den Wolkenkratzern? Mit seinem Bild „Skyline“ betrachtet Rüdiger Wehrheim kritisch die Dominanz der Finanzwelt. Dabei hat Wehrheim jahrzehntelang „nur für sich selbst“ gemalt. Doch dann reizten ihn die öffentlichen Ausstellungen, der Austausch mit Gleichgesinnten und auch die Möglichkeit, sein Können und Wissen an die nächste Generation weiterzugeben.

Erst vergangenes Jahr trat der Maler im Unruhestand dem Künstlerverein „Die Palette“ bei. 48 Künstler des Vereins stellen derzeit ihre Gemälde, Zeichnungen, Collagen, Fotografien und Skulpturen in der Frankfurter Paulskirche aus. Hinzu kommen französische Künstler des Vereins „Arts Plastiques de Strasbourg“, die etwa Impressionen von Paris mit der Basilika Sacré-C?ur zeigen.

Die Freundschaft zu französischen Künstlern entstand zunächst in den 1960er Jahren über Frankfurts Partnerstadt Lyon, später ergaben sich durch persönliche Kontakte Verbindungen zu den Künstlern aus Straßburg. „Freundschaften zu Frankreich und speziell dem Elsass haben in Frankfurt einen besonderen Stellenwert“, betonte Stadtrat Bernd Heidenreich (CDU) bei der Eröffnung der Ausstellung. Und er verwies auf Karl den Kahlen, der 823 in der „Kaiserpfalz Franconofurd“ geboren wurde und als erster König den Thron des Westfränkischen Reichs bestieg, dem heutigen Frankreich.

Doch die Mainmetropole gibt sich natürlich noch viel internationaler: „Frankfurt Smiling“ heißt die Collage von Jan Heartmann, die derzeit rund

5000 Porträtbilder

auf einer stilisierten Weltkarte vereinigt. „Ich komme viel rum und fotografiere unterwegs, aber sehr viele meiner Kandidaten sind Frankfurter ganz unterschiedlicher Herkunft“, sagt Heartmann. Fast wie aus der Romantik wirkt dagegen Willy Beyers Ansicht von Höchst – wären im Hintergrund nicht die Schornsteine des Industrieparks zu erkennen.

Ein Gegengewicht zu Stadtansichten und Landschaften mit Tiermotiven unter Palmen bilden die abstrakten Gemälde, die mit der Wirkung von Licht, Schatten, Flächen und Konturen spielen. Etwa die „Gedankenlinien“ von Joachim Rittler, der sich selbst als abstrakten Expressionist bezeichnet: „Es ist spannend, die Entwicklung von neuen Ideen an einem Strang zu zeigen, der sich weiter verzweigt“, sagt er. Ute Irmischer-Lehn zeigt ihre Gedankengänge lieber im freien surrealen Raum, in dem Stühle zunehmend schweben. „Wenn wir sitzen, haben wir immer noch einen Rückzugspunkt“, stellt sie fest.

Edith Ißbrücker-Windhagen verblüfft durch ihre mit Pastellkreide gezeichneten Bilder, auf denen sie fotografierte Kaninchen ebenso detailgetreu malt wie ein Porträt von Anna, Landgräfin von Hessen-Kassel. Wie man so etwas lernen kann? „Ich bin Autodidaktin“, sagt sie.

Wehrheim will jungen Künstlern zeigen, wie man zur Kunst findet: „Sehen lernen, das Objekt, die Form, die Schattierungen.“ Bei der „Palette“ gibt es dafür Kurse. Zudem organisiert der Verein sechs Ausstellungen pro Jahr, die größte davon in der Paulskirche.

(got)

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