Künstlerin macht Erinnerung an Bäumen fest

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Die Kunstaktionen zum Gedenken an das frühere KZ „Katzbach“ in den Adlerwerken gehen in die zweite Runde. Diese bestreitet Stefanie Grohs.

Mit ihren „Störungen im öffentlichen Raum“ hat die Frankfurter Künstlerin Margarete Rabow im vergangenen Jahr an die Ereignisse im KZ „Katzbach“ erinnert. 2015 übernimmt Stefanie Grohs diesen Auftrag – sie will mit ihrer Kunstaktion ebenfalls mitten in der Stadt sichtbar werden.

Beide Künstlerinnen arbeiten im Auftrag des Kulturdezernats. Dieses hat insgesamt vier Frankfurter Künstler – nach Grohs folgen noch Naneci Yurdagül und Barak Reiser – für jeweils ein Jahr beauftragt, auf ihre Weisen daran zu erinnern, was in den zwischen August 1944 und dem Kriegsende 1945 im Arbeitslager in den Adlerwerken geschah: In dem KZ mit dem Decknamen „Katzbach“ wurden etwa 1600 Gefangene zur Arbeit gezwungen, ihre Lebensbedingungen waren erbärmlich. Kurz vor Kriegsende wurden die zumeist polnischen Zwangsarbeiter – der größte Teil waren Teilnehmer des Warschauer Aufstandes – auf Todesmärsche geschickt. Nur 50 Menschen überlebten diese Torturen.

Auf diese Schicksale will Stefanie Grohs am Samstag, 21. März, die Aufmerksamkeit der Frankfurter lenken. „Mitten unter uns“ hat sie ihr Vorhaben überschrieben, 1600 Stoffbinden – bedruckt mit Namen beziehungsweise Nummern für die Gefangenen – will Grohs an Bäumen in der Stadt anbringen. Schon länger als ein Jahr ist die Künstlerin, die im Hauptberuf Grundschullehrerin ist, mit den Vorbereitungen befasst. „Normalerweise arbeite ich ganz kleinteilig. Dieser Maßstab und die Öffentlichkeit, das ist neu für mich.“ Seit Monaten stempelt näht Grohs auf die 1600 Binden aus blau-grau gestreiftem, extra angefertigtem Stoff, der an Häftlingskleidung erinnert, Nummern beziehungsweise Namen. „Das sind keine realen Häftlingsnummern, sie sind fiktiv und nehmen Bezug auf die Anzahl der Häftlinge und auf die Tatsache, dass menschliche Individuen zu Nummern gemacht wurden“, erklärt Grohs. Die 40-Jährige, die in Gießen geboren wurde und unter anderem in Gießen, New York, Offenbach und Frankfurt Kunst studiert hat, beschäftigt sich schon länger mit den Gräueltaten der Naziherrschaft. Erste Impulse gab ihr dazu die Geschichte ihrer Großmutter, die aus dem Sudetenland stammte. Reisen nach Polen und Tschechien, Besuche unter anderem im KZ Auschwitz berührten sie stark. Diese Eindrücke nahmen immer mehr Einfluss auf ihre Kunst.

„Auf das KZ Katzbach bin ich aber erst durch die Einladung des Kulturamtes gestoßen“, erzählt die Wahlfrankfurterin, die im Nordend lebt und arbeitet. Im Zuge ihrer Vorbereitungen hat sie auch Kontakt zu drei Überlebenden in Warschau aufgenommen. Nun ist es ihr Ziel, möglichst vielen Frankfurtern dieses dunkle Kapitel der Stadtgeschichte bekannt zu machen.

Für ihre Aktion im März sucht die Künstlerin noch Helfer. Denn selbstverständlich kann sie es nicht schaffen, alle 1600 Stoffbinden allein in der Stadt zu verteilen. Wer einen Teil der Arbeit übernehmen will, kann sich unter der Internetadresse anmelden.

Während sich Grohs an der Gesamtzahl von 1600 Zwangsarbeitern abarbeitet, hatte ihre Vorgängerin im Katzbach-Projekt, die Künstlerin Margarete Rabow, die Zahl 528 in den Mittelpunkt gerückt. So viele Opfer des Frankfurter KZs starben direkt im Lager und liegen auf dem Hauptfriedhof begraben.

Rabow hatte ihren künstlerischen Beitrag mit „Störungen im öffentlichen Raum“ überschrieben. Dazu gehörten Lesungen in U-Bahnen, Filmvorführungen an ungewöhnlichen Orten und die Aktion „Fallen“ mit mehr als 250 Teilnehmern auf der Hauptwache. Alles haben Rabow und ihr Team in Videos dokumentiert. Diese hat die Künstlerin nun im Internet unter öffentlich gemacht.

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