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Anke Heymach, deren Betrieb ?Der Rheingau Affineur? heißt, veredelt Käse aus verschiedenen Käsereien. Eine Spezialität ist der Rheingauer Spätburgunder-Trester.

Rund 6500 Besucher im Bockenheimer Depot

„Kulinart“: Eine Messe für Leib und Seele

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Schwarzwälderkirsch- oder Himbeercremetorte gefällig? Als Mini-Cupcake bekommen die in die Jahre gekommenen Torten-Klassiker ein neues, modernes Gewand und machen Kuchengabel und Teller überflüssig. Es ist nur eine von vielen kulinarischen Ideen, die am Wochenende auf der Messe „Kulinart“ im Bockenheimer Depot vorgestellt wurden.

Mal ganz ehrlich, wer weiß eigentlich noch, was eine Mispel ist? Der echte Frankfurter kennt die rotbräunliche Frucht, die an einen kleinen Apfel erinnert, wenn sie vom Mispelbaum abgepflückt wird. Schließlich wird hieraus ein traditionelles Tröpfchen gemacht, das vor allem in Apfelweinwirtschaften ausgeschenkt wird: Das „Mispelchen“, wie das Getränk von den Frankfurtern liebevoll genannt wird, vereint die Frucht und Calvados miteinander.

Mirjam Kremer liebt den Geschmack. „Ich bin vor zehn Jahren von Stuttgart nach Frankfurt gezogen und habe es hier zum ersten Mal getrunken“, erzählt sie. Nicht immer habe es auf der Karte der Apfelweinwirtschaften gestanden und manchmal habe es auch einfach nichts mehr gegeben. Aus diesem Umstand entwickelte die gebürtig aus Heilbronn stammende Grafikerin vor einem Jahr die Idee zu ihrem Produkt „Miss Pell“. Das traditionelle Getränk mit Kultcharakter füllt sie in kleines Becherglas ab. „Die Portionsgröße entspricht der in Apfelweinwirtschaften“, erklärt sie. 4,50 Euro kostet das Glas mit dem Getränk „To-Go“, also zum Mitnehmen.

Zum ersten Mal beteiligt sich Kremer an der 13. Auflage der „Kulinart – Messe für Genuss und Stil“ im Bockenheimer Depot. „Die Reaktionen sind sehr positiv. Viele Besucher fragen, warum es so etwas nicht schon früher gab“, erzählt Kremer, die außerdem auch einen Fruchtaufstrich aus Mispel und Calvados im Angebot hat. Kremer ist eine von

72 Aussteller

n, überwiegend kleine Manufakturen, die ihre Leckereien auf der zweitägigen Kulinart vorstellen.

Etwa ein Drittel der Aussteller kommen aus Frankfurt und Umgebung, die anderen sind aus ganz Deutschland angereist, teils vertreten sie Produkte aus Ländern wie Südafrika oder dem Baltikum. „Ich finde, die große Bandbreite und die Vielfalt sind das, was die Kulinart auszeichnet“, sagt Krenn. „Es gibt viele kleine Manufakturen mit besonderen Ideen. Das kommt bei den Besuchern gut an“, sagt die Veranstalterin. Dieser Eindruck spiegelt sich auch an den Besucherzahlen wider, die Conny Krenn auf rund 6500 schätzt. In manchem Gang wird es zwischenzeitlich sogar recht eng und geht nur langsam voran. Die Aussteller haben allerhand zu tun, an manchen Ständen reißen die Schlangen nicht ab.

Auch Daniela Pogadl von der „kuchen stil manufaktur“ aus Hanau hat viel zu tun. Die Mini-Cupcakes schmecken frisch, süß und lecker und sind bei den Besuchern gefragt. Es gibt sie beispielsweise in den Geschmacksrichtungen Schwarzwälder-Kirsch, Himbeer- oder Mandelcreme. „Wir möchten Tradition und Moderne miteinander verbinden“, erklärt Daniela Pogadl. Sie weiß genau, wovon sie spricht, denn ihre Eltern hatten eine Bäckerei und sie selbst ist mit einem Bäckermeister verheiratet. Stefan Pogadl heißt er. Er fertigt die Tortenklassiker im neuen Gewand an, die zartschmelzend im Mund zergehen und Kuchengabeln und Teller überflüssig machen. 1,80 Euro kostet ein Mini-Cupcake.

Außerdem im Programm: „Cake-Pop-Lollis“, das sind kleine Kuchen am Stiel sowie „Kuchen im Weckglas“ mit regionaler Note. Zu letzteren zählt der Bethmännchen-Kuchen, den der auf süßes Catering spezialisierte Betrieb zum ersten Mal auf der Kulinart vorstellt oder der „Ebbelwei-Kuchen“. „Wir sind zum dritten Mal hier auf der Messe vertreten, die sehr wichtig für uns ist. Das Publikum ist toll und sehr interessiert. Es gibt viele gute Gespräche“, lobt Daniela Pogadl.

Lakritze wird zwar nicht überall gleich gerne gegessen – schließlich sehen die großen Hersteller den Main als sogenannten Lakritzäquator. Südlich davon kommt die Leckerei, die aus der Süßholzwurzel gefertigt wird, nicht mehr so gut an wie im Norden. Davon hat auch Goran Djukic, Inhaber des Frankfurter Betriebes „Liebesdienste“ gehört und ist überzeugt, dass das Lakritz des Dänen Johan Bülow selbst die größten Skeptiker überzeugt. Er hat es in sein Sortiment mit aufgenommen und stellt es auf der Kulinart vor. In Skandinavien gehört die Lakritze zu den beliebtesten Naschereien.

Johan Bülow, der sein Produkt auf Dänisch schlicht „Lakrids“ nennt, versteht die Süßholz-Spezialität umfassend. „Es gibt sie süß, salzig, beerig oder in verschiedenen Schärfen, als Gewürz oder als flüssige Lakritze“, zählt Djukic die Bandbreite auf. Die Besucher können probieren.

Salziges Lakritz

wird beispielsweise mit weißer Schokolade und Passionsfrucht kombiniert, süßes Lakritz mit weißer Schokolade und Kirschummantelung versehen.

An anderer Stelle ist Lakritz auch ein Thema. Nämlich am Käsestand von Anke Heymach. „Der Rheingau Affineur“ nennt sie ihren Betrieb, sie selbst veredelt Käse aus verschiedenen Käsereien. Die Schlange an ihrem Stand ist lang. Im Sortiment gibt es etwa einen nordischen Blauschimmelkäse, der in Lakritze gereift und mit Kakaobohnen belegt ist. Eine Spezialität ist auch der Rheingauer Spätburgunder-Trester. Das ist ein Schnittkäse aus pasteurisierter Kuhmilch, der in einem Rheingauer Gewölbekeller gereift ist und anschließend in frisch gepressten Spätburgundertrester eingelegt wird. Karla Karpati und Sabine Fischer besuchen zum ersten Mal die Kulinart und sind bei Heymach am Stand hängen geblieben. „Wir bestellen uns einen Käseteller“, sagt Karpati und verrät: „Süßes mag ich nicht so, aber das sieht wirklich gut aus.“

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