Das Zoo-Gesellschaftshaus wurde 1875 / 76 von den Architekten Josef Durm, Adam Friedrich Kaysser und Otto Lindheimers erbaut. Dieser Repräsentationsbau des späten Klassizismus, in dem auch das Fritz Rémond Theater residiert, soll Sitz eines Kinder- und Jugendtheaters werden.
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Das Zoo-Gesellschaftshaus wurde 1875 / 76 von den Architekten Josef Durm, Adam Friedrich Kaysser und Otto Lindheimers erbaut. Dieser Repräsentationsbau des späten Klassizismus, in dem auch das Fritz Rémond Theater residiert, soll Sitz eines Kinder- und Jugendtheaters werden.

Umbau des Zoo-Gesellschaftshauses

Kulturdezernentin hat Konzept für Kindertheater

  • Simone Wagenhaus
    vonSimone Wagenhaus
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Der letzte Schritt vor dem Architekturwettbewerb fürs Zoo-Gesellschaftshaus ist getan. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hat dem Magistrat das Nutzungs- und Betriebskonzept für das künftige Kinder- und Jugendtheater im Zoo-Gesellschaftshaus vorgestellt.

Das Konzept ist die inhaltliche Grundlage und der letzte Schritt vor dem Architekturwettbewerb für die konkreten Sanierungs- und Umbaumaßnahmen des 1875/76 errichteten Gebäudes. "Es ist eine einmalige Chance, die sich Frankfurt nicht entgehen lassen wird. Frankfurt erhielte ein Haus, das künstlerisch und konzeptionell weit über die Region und sogar international ausstrahlen könnte", so Hartwig. Das vorgelegte Nutzungs- und Betriebskonzept konkretisiert das Projekt inhaltlich, finanziell und im Hinblick auf die räumlichen Anforderungen.

Der große Theatersaal soll das Herz des Hauses werden, für bis zu 450 Besucher. Er kann in zwei kleinere Säle geteilt werden. Um zwei versetzte Vorstellungen pro Vormittag zu ermöglichen, wird diese Teilung der Normalzustand im laufenden Betrieb sein. In direkter Umgebung befinden sich Unterbühne, Hubpodien und Verbindungen zu Lagern und Werkstätten. Regie-Zonen für Licht, Ton und Video ermöglichen direkten Kontakt zum Geschehen im Saal.

Die Säle werden multifunktional gestaltbar, es gibt keine festen Bühnen und Tribünen. Flexible Podesterien erlauben Bühnengestaltung nach künstlerischen Erfordernissen. Für Spielclubs und interaktive theaterpädagogische Angebote stehen außerdem zwei Workshop-Räume für mindestens 30 Personen zur Verfügung, einer der Räume ist für Tanz-Workshops geeignet. Kosten: 52 Millionen Euro für die Sanierung des maroden Zoo-Gesellschaftshauses aus dem 19. Jahrhundert und die Einrichtung des Theaters.

Der Balkonsaal wird gemeinsam mit dem Zoo und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt genutzt. Das Kinder- und Jugendtheater nutzt den Saal als Aufwärm- und Proberaum, für partizipatorische Formate und für Diskursveranstaltungen. Ferner sind zwei weitere Probebühnen geplant, von denen eine auch als Studiobühne etwa für Tanz genutzt werden kann.

Zur Erstellung eines realistischen Wirtschaftsplans trug die Übermittlung der Jahresdaten für künstlerisches Budget, Personal, Finanzen sowie einzelner Kostenstellen durch sechs Vergleichstheater bei - davon zwei aus dem europäischen Ausland. Ausgehend von rund 500 Vorstellungen pro Spielzeit und etwa 60 000 Besuchern, werden die Betriebskosten für das neue Frankfurter Haus mit rund 3,9 Millionen Euro pro Jahr kalkuliert, sofern das Konzept in dieser bestmöglichen Variante vollumfänglich umgesetzt wird. Die Stadt will mit dem Ziel einer gemeinsamen Trägerschaft auf das Land Hessen und die Region zugehen, da das Theater für Kinder und Jugendliche aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet da sein werde.

Grundlage des knapp 60-seitigen Konzepts war die Befragung von sogenannten "Stakeholdern", also Gruppen, die mitreden sollen. Dazu gehörten Gespräche mit Akteuren des Kinder- und Jugendtheaters, der Kulturpolitik, des Zoos und der Zoologischen Gesellschaft und Arbeitssitzungen mit dem Projektteam. Gespräche fanden auch mit Jugendlichen und der freien Theaterszene statt, um deren Bedürfnisse aufzunehmen. Beauftragt wurde "Educult", ein Institut in Wien, das seit vielen Jahren europaweit an der Schnittstelle von Kultur, Kulturpolitik und Wissenschaft arbeitet und über Expertise zu Kinder- und Jugendtheater verfügt. Unterstützt wurde "Educult" von der freien Kinder- und Jugendtheaterszene Frankfurts sowie der Leitungsebene Junges Ensemble Stuttgart und den Mitarbeitern der Projektgruppe.

Die darstellenden Künste werden, so Kulturdezernentin Hartwig, in ihrer Vielfalt - Sprech-, Tanz-, Musik-, Objekt- und Figurentheater sowie Performances - berücksichtigt. Ein Schwerpunkt könnte Tanztheater werden. "Das Kinder- und Jugendtheater soll bereit sein für künstlerische Wagnisse, neue Geschichten entwickeln und alte wieder im neuen Kontext erzählen, experimentieren, an und über Grenzen gehen, künstlerisch forschen und neue Generationen von Künstlern einbeziehen", sagt die Kulturdezernentin. Es soll mit künstlerisch starkem zeitgenössischen Theater für junges Publikum sowie Koproduktionen und Gastspielen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene über die Stadtgrenzen hinauswirken. Besonders wichtig sind Hartwig dabei theaterpädagogische Angebote und Spielclubs: "Interaktives und Mitmachangebote werden ein Markenzeichen. Und auf allen Entscheidungsebenen soll sich die kulturelle Vielfalt der Gesellschaft zeigen. Für diese Aufgaben verbietet sich ein starres Konzept, insofern ist das Kinder- und Jugendtheater ein lernender, sich stets erfindender, modellhafter Ort."

Im sanierten Zoo-Gesellschaftshaus werden auch Zooverwaltung und Zooschule neue Räumlichkeiten beziehen; die Flächenbedarfe, Raumbeziehungen und speziellen Anforderungen wurden ermittelt und abgestimmt. "Trotz aller Details handelt es sich beim vorliegenden Dokument ,nur' um ein Konzept. Mehrere Jahre vor der Eröffnung können die Entwicklungen, die bis dahin stattfinden werden, nicht gänzlich antizipiert werden. Die letztliche Umsetzung obliegt den Architekten, der Nutzervertretung und vor allem dem zukünftigen Team des Kinder- und Jugendtheaters. Wir sind es nicht, die das Theater machen werden. Aber vielleicht sind es die Jugendlichen aus der befragten Fokusgruppe. Schon heute ist klar, dass dieses Haus ganze Generationen prägen wird", sagt Aron Weigl, Autor des Nutzungs- und Betriebskonzepts und Geschäftsführer von "Educult".

Der Bericht wird der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt und im Anschluss der Öffentlichkeit vorgestellt.

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