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Applaus für Hilmar Hoffmann (re.), den Grandseigneur der Frankfurter Kulturpolitik. OB Peter Feldmann (SPD) feierte die Verdienste des jetzt 90 Lenze zählenden Intellektuellen, der seit vielen Jahren am Oberräder Waldrand wohnt.

Ein Kulturpapst unter Kaisern

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Vor dem Empfang plagten Hilmar Hoffmann Sorgen. Die Feier, „die ist für mich eher eine Bürde, weil ich im Kopf klar bin, aber die Knie versagen“, sagte der

Vor dem Empfang plagten Hilmar Hoffmann Sorgen. Die Feier, „die ist für mich eher eine Bürde, weil ich im Kopf klar bin, aber die Knie versagen“, sagte der ehemalige Kulturdezernent einige Tage vorher. Da graute es ihm vor dem langen Weg „vom OB-Zimmer zum Kaisersaal“, wo der Festakt gestern über die Bühne ging.

Seine Befürchtungen waren unbegründet. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) schob den Jubilar, der gestern 90 Jahre alt wurde, im Rollstuhl in den Saal, wo er mit tosendem Applaus empfangen wurde. Zu den Gratulanten gehörten neben seiner Tochter Katrin und seinem Sohn Kai sowie seinen Enkelinnen und Enkeln der ehemalige Ministerpräsident Roland Koch (CDU), die Museumsdirektoren Claudia Dillmann (Filmmuseum), Max Hollein (Städel), Matthias Wagner K (Museum Angewandte Kunst) und Anne Bohnenkamp-Renken (Romantik-Museum), die Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach (CDU), Bernadette Weyland (CDU), Staatssekretärin im Hessischen Ministerium der Finanzen, Regisseur Heiner Goebbels und Dieter Buroch , ehemaliger Intendant des Mousonturms, die Frankfurter Künstler E.R. Nele und Ferry Ahrlé , der amtierende Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU), Birgitta Wolff , Präsidentin der Johann-Wolfgang von Goethe-Universität, sowie die Autoren Eva Demski und Hauke Hückstädt .

Dann ging eine Feierstunde über die Bühne, die zwar dem feierlichen Anlass entsprach, aber doch recht steif ablief. Schade, denn ein Kulturpapst wie Hoffmann, der das kulturelle Leben der Mainmetropole – und nicht nur dieser – entscheidend prägte, hätte kulturelle Farbtupfer sicher geschätzt. Doch es fehlten Literatur, Kunstwerke, Artisten, Musik – und Rednerinnen. Dabei hat doch Hoffmann Bücher über Frankfurts starke Frauen geschrieben. Deren wohl stärkste Vertreterin Petra Roth , eine enge Freundin des Jubilaren, fehlte. Sie weilte in Irland.

Immerhin legten sich zwei andere Redner, Peter Feldmann und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), rhetorisch ins Zeug. Hoffmann: „Ich fühle mich sehr geehrt, dass Norbert Lammert spricht. Ich hatte ihn Petra Roth einst als Kulturdezernent vorgeschlagen.“ Die beiden kennen sich vom RTL-Programmausschuss.

„Ich habe 25 Jahre lang den RTL-Vorsitz innegehabt, verbreitete das aber nicht so, weil das bei meinen intellektuellen Freunden keinen guten Eindruck gemacht hätte.“ Heute kann Hoffmann darüber lachen. Für einige sei der Jubilar der „teuerste Kulturdezernent, den diese Stadt je hatte“, sagte Lammert. Doch politisch korrekt sei, „dass er der Kulturdezernent mit der nachhaltigsten Wirkung“ war. „Selbst Feudalherrscher haben sich in ihrer Amtszeit nie einen solchen Ehrgeiz zugetraut. Hilmar könnte den ein oder anderen Kameraden hier mühelos ersetzen“, sagte Lammert mit Blick auf die 52 gekrönten Häupter, deren Bilder den Kaisersaal zieren. Und Hoffmanns Nachfolger im Amt, Felix Semmelroth, nickte immer wieder, wenn die Rede auf all die Probleme kam, mit denen Kulturdezernenten so konfrontiert werden.

„Angeblich bist du seit 1990 nicht mehr Kulturdezernent“, scherzte Oberbürgermeister Peter Feldmann. Er schlug eine Bresche für die Kulturpolitik im Allgemeinen und für den Neubau des Museums für Weltkulturen im Besonderen. Denn letzteres ist Hilmar Hoffmanns größtes „Desiderat“, wie er einräumte.

(es)

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