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In der Ausstellung ?Hoffnung?: Ärztin Dr. Angelika Berg mit den Künstlern Friederike Strub, Joachim Kreutz und Achim Ripperger (v.l.).

Ausstellung in Palliativstation

Kunst lässt neue Hoffnung schöpfen

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Hoffnung ist ein Begriff, den man nicht unbedingt mit der Palliativstation eines Krankenhauses verbindet. Und doch steht eine Kunstausstellung in der Abteilung für unheilbar Kranke im Markus-Krankenhaus genau unter diesem Motto. Über die Kunstwerke soll ein Raum für Begegnung und Gespräche zwischen Patienten, Angehörigen, Mitarbeitern und Besuchern geschaffen werden.

„An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser“, lautet ein Zitat des berühmten Schauspielers Charlie Chaplin. Es ist auf dem Informationsflyer des Interdisziplinären Zentrums für Palliativmedizin (IPZ) des Markus-Krankenhauses abgedruckt und drückt aus, dass das Leben nicht immer geradlinig verläuft, jeder Mensch stets seinen eigenen Weg finden muss.

Es ist jedoch nicht einfach, seinen Weg zu finden in Momenten, in denen das Leben aufgrund einer schweren, unheilbaren Krankheit hoffnungs- und aussichtslos erscheint. Die Hoffnung zu behalten ist gerade für die Patienten auf einer Palliativstation nicht selbstverständlich und doch so wichtig. „Hoffnung ist das, was den Anfang und das Ende eines Lebens miteinander verschmelzen lässt“, sagt Dr. Angelika Berg, leitende Ärztin des IPZ. Die Hoffnung sei ein ständiger Begleiter im Alltag auf der Station.

Mit Hoffnung ist auch eine Gruppenausstellung überschrieben, die heute Abend, 18 Uhr, auf der Station des IPZ eröffnet wird. Acht Künstler drücken in Skulpturen, Plastiken und Malerei ihre Sicht darauf aus, möchten für Patienten, Angehörige, das IPZ-Team und Besucher über ihre Kunstwerke einen Raum der Begegnung schaffen, der auch Gespräche ermöglichen soll.

Eines der Exponate zeigt etwa eine menschliche Figur in Bronze, die in sich gekehrt nach Antworten auf ihre Fragen sucht. Gefertigt wurde sie vom Bildhauer Joachim Kreutz. „Ich habe die Plastik, der ich den Namen Lupus gegeben habe, vor zehn Jahren gemacht, nachdem ich selbst eine nicht so gute Diagnose gestellt bekommen habe“, schildert er.

Kreutz leitet eine offene Bildhauerwerkstatt in Niederursel. Die anderen sieben Künstler der Ausstellung, Willi Brüggemann, Mathias Broegger, Christiane Hoffmann, Rainer Mahr, Joachim Niebling, Achim Ripperger und Rahel Wagner machen dort – teils seit vielen Jahren – mit. Anstelle von Skulpturen hat Ripperger eigens für die Ausstellung ein großformatiges Bild gemalt. „Es ist der Mensch, der zaghaft versucht, einen Schritt vorwärts zu gehen, Hoffnung zu schöpfen“, erklärt er.

Kunst gehört zum Alltag auf der Station. Auch die Patienten bekommen die Möglichkeit, ihren Gefühlen über Kunst oder über Musik Ausdruck zu geben. „Es gibt Patienten, die ihre Gefühle nicht in Worte fassen, aber über künstlerisches Arbeiten darstellen können. Oder sie sehen ein Kunstwerk, in dem sie sich ganz wiederfinden“, schildert Friederike Strub. Sie ist seit fünf Jahren als Kunsttherapeutin auf der Station tätig und arbeitet mit den Patienten. „Über Kunst kann man ausdrücken, was im eigenen Leben geschieht“, findet Angelika Berg.

Die Palliativstation ist kein Hospiz, auch wenn Menschen hier manchmal bis zum Tod behandelt werden. Palliative Medizin setzt dort an, wo eine Krankheit diagnostiziert wird, die nicht geheilt werden kann und die die Lebenserwartung zeitlich begrenzt. Es geht um einen ganzheitlichen Ansatz und darum, die damit einhergehenden körperlichen und seelischen Schmerzen zu behandeln, aber auch Unterstützung bei sozialen und spirituellen Problemen zu leisten.

„Die Patienten, die mit ihrer Krankheit zu uns kommen, befinden sich hier in einer Art Zwischenwelt. Sie lassen ihr bisheriges Leben hinter sich und begeben sich eine andere Welt“, schildert Berg. Rund zwei Drittel der Patienten gingen nach der palliativmedizinischen Behandlung wieder zurück nach Hause, in ein Pflegeheim oder auch in ein Hospiz.

„Durch Krankheit verändern sich Beziehungsebenen, die Patienten können nicht mehr arbeiten gehen, in allen Bereichen des bisherigen Lebens finden Veränderungen statt“, beschreibt Berg den Prozess. „Kunst kann diesen Übergang vermitteln und zwar ganz ohne Worte“, betont die Medizinerin.

Die Gruppenausstellung Hoffnung im IPZ des Markus Krankenhauses, Haus D, 4. Stock, Wilhelm-Epstein-Straße 4, läuft bis zum 22. November. Sie kann täglich von 10 bis 20 Uhr besichtigt werden.

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