Das Leben ist bunt. Schülerinnen des Riedberg-Gymnasiums zeigen die Schablonen, mit deren Hilfe sie die Motive auf die Brückenköpfe im Kätcheslachpark gesprüht haben.
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Das Leben ist bunt. Schülerinnen des Riedberg-Gymnasiums zeigen die Schablonen, mit deren Hilfe sie die Motive auf die Brückenköpfe im Kätcheslachpark gesprüht haben.

Projekt am Riedberg

Kunst überdeckt rassistische Schmierereien

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Schüler gestalten die Brückenköpfe am Kätcheslachweiher neu.

Liu fühlt sich wohl auf dem Riedberg. "Es ist mein zu Hause", sagt die Chinesin, die seit 2012 mit ihrer Familie im Frankfurter Norden lebt. Umso erschütterter war die junge Mutter, als sie erfuhr, was Unbekannte kurz vor Ostern auf die Köpfe der kleinen Brücke am Kätcheslachweiher gesprüht hatten. "Chinese go home" stand dort in großen schwarzen Buchstaben. "In einem Stadtteil, in dem so viele Nationen friedlich zusammenleben...", sagt sie auch einige Wochen später noch geschockt.

Umso glücklicher ist sie, dass davon mittlerweile nichts mehr zu sehen ist. Statt mit unschönen Schmierereien aufzufallen, strahlen die insgesamt acht Seiten der vier Brückenköpfe nun in bunten Farben. Schüler des Gymnasiums Riedberg, die das Wahlfach "Kulturelle Praxis" belegt haben, haben die Betonpfeiler mit ihren Kunstwerken einzigartig gemacht. Und somit hoffentlich vor weiteren Schmierereien geschützt. "Wir hoffen es zumindest, dass die bunten Graffiti unangetastet bleiben und nicht übermalt werden", sagt Adrian Homeier, Schutzmann vor Ort. Eine Garantie geben können er dafür freilich nicht, die Erfahrungen der vergangenen Jahre in Frankfurt hätten allerdings gezeigt, dass solche Verschönerungs-Aktionen dazu beitrügen.

Wer die Brückenpfeiler beschmiert hat, wisse die Polizei nicht. Ebenso wenig, welchen Hintergrund es hatte. "Auf dem Riedberg, der ja ein recht neuer Stadtteil ist, passiert so etwas eigentlich nicht. Es ist ein recht ruhiger Stadtteil", sagt Homeier.

Die Stadtverordnete Carolin Friedrich (CDU) hatte als damalige Ortsvorsteherin direkt nach Ostern die Idee, die Brückenpfeiler zu verschönern. "Ich habe gute Kontakte zum Gymnasium und zu Beate Flößer, die das Wahlunterrichtsfach leitet. Sie war begeistert von meinem Vorschlag und dann ging eigentlich alles recht schnell", sagt sie. Auch weil sie wusste, dass die freischaffende Künstlerin und ihre Schüler bereits den Bauzaun der Berghöfe an der Konrad-Zuse-Straße verschönert hatten. "Wir hatten wegen der Corona-Pandemie auch noch genug Vorschläge in der Schublade", sagt Flößer. Die Jugendlichen seien von solchen Aktionen ohnehin stets begeistert, vor allem dann, wenn sie draußen an der frischen Luft aktiv werden können. Von der Schulleitung bekam sie volle Unterstützung für das Projekt. "Wir freuen uns enorm über das Engagement der Schüler für dieses Projekt. Wir sind eine international ausgerichtete Schule, weswegen es uns wichtig ist, dass diese Fläche positiv ausstrahlt", sagt er.

"Gegensätze miteinander verbinden" war das Motto, unter dem die Schüler entsprechende Motive für die Brücke entwarfen. Anna (16) und Helena (15) haben das mit buntem Gemüse, das zu Planeten wird, und Schweinen mit Hirschgeweihen interpretiert. "Das stellt das Universum dar. Es ist so bunt. So bunt wie wir und der Riedberg", sagen die beiden Mädchen, die bis auf ein paar Übungen in der Schule an diesem Nachmittag das erste Mal Graffiti sprayen. Zweimal täglich kommen die Schülerinnen an der Brücke vorbei, oft treffen sie sich dort oder am Kätcheslachweiher mit ihren Freunden. Dass die Brückenpfeiler mit Hasssprüchen besprüht wurden, können die beiden Mädchen nicht verstehen. "Das macht man nicht, wir leben doch hier gemeinsam", sagt Helena.

Ihr zweites Motiv, ein großes Baby, dass seine kleine Mutter an der Hand wählt, auch noch zu sprühen, darauf haben die beiden Freundinnen letztlich verzichtet. Zu filigran, zu detailliert wäre es gewesen. "Das ist mit der Spraydose schon etwas schwierig", sagt Anna, die hofft, dass ihre Kunstwerke nicht verunstaltet werden. Das wäre nicht nur "schade um unsere Arbeit", sondern auch das falsche Zeichen, findet sie.

Dem kann Liu nur zustimmen. Begeistert läuft sie die Brücke auf und ab, interessiert schaut sie sich jedes einzelne Kunstwerk an. "Die chinesische Gemeinschaft freut sich riesig über diese Unterstützung. Bei uns im Stadtteil ist kein Platz für Hass, sondern nur für ein buntes, ein gemeinsames Leben", sagt sie. Allein schon deswegen habe man beschlossen, dass man die Kosten, rund 300 Euro für die Farben übernehmen werden. judith dietermann

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