Klimaverbesserung

Kunstbäume für Frankfurt: "City-Trees" spalten die Gemüter

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Die SPD-Fraktion im Römer will zur Verbesserung des Stadtklimas sogenannte City-Trees aufstellen. Der Name ist allerdings irreführend. Es handelt sich nicht um einen Baum, sondern um eine mit Moosen begrünte Wand, deren Ästhetik Geschmacksache ist. Und teuer ist sie obendrein: Der Stückpreis beträgt 25 000 Euro.

Sie werden als Wunderwaffe im Kampf gegen Feinstaub verkauft. Ein City-Tree soll nach Herstellerangaben so viel Feinstaub binden wie 275 Bäume. Hinter den „City-Trees“ stecken – anders als der Name suggeriert – nicht etwa normale Bäume, sondern frei stehende, vier Meter hohe „Wände“, die mit speziellen Moosen begrünt werden. Rund 1600 Pflänzchen finden Platz auf der Wand. Damit bindet sie 30 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr. Möglich macht das der Einsatz von Moosen, die dank ihrer großen Oberfläche normalen Bäumen als Feinstaub-Killer deutlich überlegen sein sollen. Der Clou dabei: Ein einzelner „City Tree“ benötigt dafür weniger als ein Prozent der Fläche eines Baumes – denn das Grün wächst an den vier Meter hohen Wänden nach oben.

Selbst wenn die Kunstbäume ihr ökologisches Versprechen halten würden, ihr Aussehen ist gewöhnungsbedürftig. Sie erinnern an begrünte Plakatwände und würden die

Ödnis auf der Platzfolge

Rathenauplatz – Goetheplatz – Roßmarkt, die als möglicher Standort gilt, noch öder erscheinen lassen. Die Stahlkonstruktion zur Aufnahme der Töpfe misst 3,95 Meter Höhe, 2,90 Meter Breite und 0,65 Meter Tiefe und wirkt im Gegensatz zu einem normalen Baum industriell. Daraus ergibt sich eine begrünte Fläche von rund 16,7 Quadratmetern.

An der Platzfolge, die wegen der steinernen, grauen Oberfläche häufig kritisiert wird, stehen bisher Robinien, die aber wegen der darunterliegenden Tiefgarage nicht in den Himmel wachsen können.

Die City-Trees setzen auf die Fähigkeit der Moose, Schadstoffe zu absorbieren. Alles, was an Schad- oder Nährstoffen auf die Moosoberfläche trifft, nehmen die Pflanzen aufgrund einer fehlenden Außenhaut ungefiltert auf. Auch die im Feinstaub enthaltenen Schwermetalle nehmen die urtümlichen Pflanzen auf und lagern sie zwischen ihren Zellen ein. Irgendwann ist die Filterleistung allerdings erschöpft und die Moose müssen ausgetauscht werden.

Der stellvertretende Leiter des Palmengartens, Clemens Bayer, sieht die City-Trees skeptisch: „Es ist ein künstliches System, das viel Arbeit macht. Es würde mich interessieren, wie Kosten und Aufwand im Verhältnis stehen.“ Bayer stellt auch die Frage, „ob es nicht einfach und besser ist, Bäume zu pflanzen“. Schließlich hätten alle Pflanzen die Fähigkeit, Kohlendioxid zu binden. Gestalterisch kann sich der Botaniker Bayer City-Trees „grundsätzlich gut vorstellen, vor allem in dicht versiegelten Innenstadtbereichen, in denen es keine Möglichkeiten gibt, Grünanlagen zu unterhalten oder Bäume wachsen zu lassen“.

Der Frankfurter Grünflächenamtsleiter Stephan Heldmann sieht die Winterfestigkeit des Produktes noch nicht als erwiesen an. Deshalb will Heldmann erst einen Feldversuch in Stuttgart abwarten. „Dann werden wir weitersehen.“ Heldmann setzt eher auf das „mobile Zimmer“; eine transportable Pflanzeninstallation. Diese habe einen Lärmschutzeffekt, fördere das Mikroklima und dimme die Temperaturen in der näheren Umgebung.

Beide Systeme seien „sehr teuere Elemente, aber grundsätzlich geeignet, auf die Klimaproblematik in überhitzten Städten aufmerksam zu machen“. Mobiles Zimmer und City-Trees eignen sich laut Heldmann dort als Gestaltungselemente, wo man dem Stadtgrün kein Erdreich anbieten kann. „Ob es so aufwendig sein muss, ist eine andere Frage“.

Ein Sprecher des Umweltbundesamtes hält wenig vom Kunst-Grün: Zu gering sei die Fläche der Mooswand, um eine nennenswerte Menge von Partikeln aus der Atmosphäre zu filtern. Zudem sei die Windgeschwindigkeit hierzulande nicht ausreichend, um genügend Feinstaub zu den Moosen zu transportieren. Dadurch sei die Reichweite der Filteranlagen äußert begrenzt. Damit insbesondere die Moose in Städten nicht austrocknen, versorgt eine Internet-der-Dinge-Technologie die City-Trees mit Wasser. In jedem künstlichen Baum befinden sich ein Internetanschluss und Sensoren, welche die Umgebung analysieren. Sie rechnen aus, wie viel Wasser die Pflanzen brauchen. Auch das funktioniert grün – „denn durch solare Energiegewinnung und der Nutzung von Regenwasser sind die „City Trees“ unabhängig von Wasser- und Stromanschlüssen“, verspricht der Hersteller.

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