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Matthias Wagner K, Direktor des Museums Angewandte Kunst, und die Leitende Kuratorin Konstanze Runge präsentieren eines der religiösen Kunstwerke, die im neu gestalteten Ikonenmuseum künftig ausgestellt werden.

Sachsenhausen: Ikonenmuseum

Kunstwerke erstrahlen bald in neuem Licht

  • vonGernot Gottwals
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Wiedereröffnung im neuen Jahr

Seit März ist das Ikonenmuseum an der Brückenstraße wegen Renovierung geschlossen. Doch es gibt ein Schaufenster zur Außenwelt. Passanten können im Vorbeigehen einen Blick durch die Jalousien am Deutschordenshaus auf den unteren, leergeräumten und entkernten Ausstellungsraum in frischem Weiß werfen. "Die Arbeiten gehen gut voran. Nach unseren Planungen könnten wir Anfang 2021 wieder eröffnen", sagen die leitende Kuratorin Konstanze Runge und Matthias Wagner K, Direktor des Museums Angewandte Kunst.

Voraussetzung sei natürlich, dass die Corona-Pandemie eine Eröffnung mit Besuchern und Ehrengästen zulässt. "Zum ersten Mal seit seiner Eröffnung vor 30 Jahren erfährt das Ikonenmuseum eine umfangreiche Modernisierung, wird baulich, inhaltlich und digital auf den neuesten Stand gebracht", betont die Kulturdezenentin Ina Hartwig (SPD). Nach den Vorbereitungen im Frühjahr begannen die Arbeiten im Sommer. Fördermittel zur Restaurierung der auszustellenden Ikonen wurden beim Deutschen Museumsbund beantragt. "In Anbetracht der aktuellen Corona-Situation warten wir nun auf einen günstigen Moment für die Neueröffnung", so Hartwig.

Wunschtermin wäre der 7. Januar, wenn die orthodoxen Christen nach dem julianischen Kalender ihr Weihnachtsfest feiern. Denn Ikonen sind sakrale Kunstwerke, die für den orthodoxen Glauben angefertigt werden. "Die Anwendung der Ikonen im Leben der Menschen bildet das Scharnier, das unsere beiden Museen verbindet. Genau das soll im neuen, offenen Ausstellungskonzept mit erweiterter Fläche, geeigneter Beleuchtung und erklärenden Texten auch über W-LAN für die Besucher erlebbar werden", betont Wagner K.

Denn das Ikonenmuseum bleibt strukturell und inhaltlich eine Dependance des Museums Angewandte Kunst. Da aber der jetzige Standort im gediegenen Ambiente der historischen Deutschordenskommende bei den Besuchern beliebt ist, beschloss das Kulturdezernat, einen sechsstelligen Betrag in die Hand zu nehmen, um rund 150 ausgewählte Ikonen vor allem aus dem russischen, griechischen und äthiopischen Kulturraum buchstäblich im neuen Licht zu zeigen.

Dass die Haus- und Beleuchtungstechnik überholungsbedürftig war, war aufmerksamen Besuchern bereits seit längerem aufgefallen. "Daher verwenden wir jetzt sparsame und leistungsstarke LED-Lampen und können die Ikonen vor Tageslicht mit seiner schädlichen UV-Strahlung schützen", erklärt Runge. An die Stelle der früheren Glasvitrinen treten offene, rahmenförmige Aussparungen, die durch Sicherheitspersonal und Videokameras überwacht werden.

Der untere Ausstellungsraum und die Galerie wurden nach einem Farbkonzept in Weiß, Rot und Violett neu gestrichen, der rote Sandsteinboden gereinigt. "Zudem wird das Foyer einbezogen, wodurch sich unsere Ausstellungsfläche von 175 auf 250 Quadratmeter erweitert", erläutert Runge. Im früheren Büro von Runges Vorgänger Richard Zacharuk ist jetzt eine Restaurierungswerkstatt eingerichtet, in der die freie Restauratorin Katja Schenk einige der rund 1500 Ikonen einer Schönheitskur unterzieht und schadhafte Stellen mit reversiblen Farben ausbessert.

Runge hat dafür ihr Büro in der ehemaligen Bibliothek eingerichtet, wo sie sich einen Überblick über die Sammlung aus der Schenkung des Stifters Jörgen Schmidt-Voigt und Ankäufen sowie Leihgaben mit postbyzanthinischen Ikonen aus der Skulpturensammlung und dem Museum für Byzanthinische Kunst in Belin und einer Sammlung äthiopischer Ikonen und Kreuze verschafft. "Wir haben unsere Bestände jetzt digitalisiert. Auch unser Depot haben wir erneuert und unter anderem für jede Ikone ein eigenes Fach aus säurefreiem Karton eingerichtet", sagt Runge. Das Kulturdezernat unterstützt die Digitalisierung durch spezielle Fördermittel, der Förderverein des Ikonenmuseums finanziert zeitweise eine Projektmitarbeiterin.

Als promovierte Religionswissenschaftlerin, Ethnologin und Semitistin mit Forschungaufenthalten in Russland und Äthiopien trat Runge ihren Dienst im September 2019 an. Sie hatte nur wenige Monate Zeit zur Einarbeitung, ehe das Haus im März beim ersten Lockdown schließen musste. "Im Zentrum der künftigen Präsentation wird die Beziehung zwischen Mensch und Ikone stehen, da die Ikone trotz höherer Bestimmung von Menschen gemacht ist", erläutert sie. got

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