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Weil in Corona-Zeiten nur wenige Kunden kommen, sperrt Kaweh Nemati, Vorsitzender der Interessengemeinschaft "Untere Bergerstraße", seinen Laden früher zu als sonst. So wie viele Einzelhändler dieser Tage. Nicht alle Kunden haben dafür Verständnis.

Corona

Ladenschluss-Stress beim Weihnachtseinkauf

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Viele Einzelhändler machen ihre Läden derzeit früher zu. Die Konsequenz: Viele Kunden stehen vor verschlossenen Türen.

Frankfurt. Weil wegen der Corona-Pandemie weniger los ist, machen viele Einzelhändler dieser Tage früher zu. Viele Kunden indes wissen nicht um die verkürzten Öffnungszeiten und stehen prompt vor verschlossenen Türen. Das ist für beide Seiten ärgerlich. Etwa für die berufstätige Mutter, deren Tochter einen neuen Ranzen braucht. Diesen würde die Frankfurterin ja gerne beim Fachhändler kaufen, statt ihn im Internet zu bestellen, aber: "Immer wenn ich Zeit habe, hat das Geschäft zu. Das ist echt ärgerlich."

Einer, der seine Läden später auf und früher zusperrt, ist Kaweh Nemati, Vorsitzender der Interessengemeinschaft "Untere Bergerstraße" und Inhaber von "Escatira" in der Berger 47. "Wir schließen in beiden Geschäften um 19 Uhr statt 19.30 Uhr. Das große Geschäft öffnen wir erst um 11 statt um 10 Uhr", räumt er ein. "Man muss wissen, dass die kleinen Fachgeschäfte überwiegend mit Aushilfskräften arbeiten. Da gibt es keine Kurzarbeitlösung", sagt Nemati. Die Aushilfen nach Hause zu schicken und jeden Tag eine oder zwei Stunden Personalkosten zu sparen, könne am Monatsende einige hundert Euro Unterschied ausmachen. "Wenn sowieso niemand kommt, dann macht man das", so Nemati.

Im Textilhandel seien vor Weihnachten immer Kundinnen unterwegs, die noch etwas Passendes für das Fest suchen oder für die Silvesterfeier. "Das fällt in diesem Jahr völlig weg. Den Umsatzrückgang beziffere ich auf 50 bis 70 Prozent." Da sei jeder Händler froh, wenn er Personalkosten einsparen könne.

Besser läuft das Geschäft für die Buchhändler, so wie traditionell in der Weihnachtszeit. Dennoch schließt auch Martina Mai, Inhaberin der Mandala Buchhandlung in der Schillerpassage, eine Stunde früher als vor Corona: "Wir haben nach dem ersten Lockdown unsere Öffnungszeiten geändert, machen statt um 19 Uhr jetzt um 18 Uhr Schluss. Das wird auch so bleiben", sagt sie.

Auch Spielwaren sind so kurz vor Weihnachten besonders gefragt. Die gibt es zwar auch in den großen Kaufhäusern, aber auch die haben teils ihre Öffnungszeiten eingeschränkt. Franz Steul, Inhaber von Spielwaren Meder an der Berger Straße und Sprecher des Gewerbevereins Bornheim-Mitte, rechnet damit, dass es hier "Engpässe" geben könnte. Bei ihm kann man noch bis 19 Uhr einkaufen, samstags bis 18 Uhr.

Kürzer geöffnet sind auch einige Lebensmittelläden. Wenngleich Joachim Stoll, Inhaber von Koffer24 in der Innenstadt, relativiert: "Wenn ein Feinkostgeschäft auf der Freßgass' seine Öffnungszeiten ändert, liegt das daran, dass die Laufkundschaft fehlt. Deswegen muss in Frankfurt niemand hungern." Metzger, Bäcker und andere Lebensmittelhändler hätten normal geöffnet. "Vielleicht schließt eine Bäckereifiliale in einer Büroumgebung, weil die Kundschaft im Homeoffice ist. Ja. Aber das kann jeder Rewe wettmachen." Die Lebensmittelversorgung in Deutschland sei auch dank der Discounter so gut und günstig wie nirgends sonst. "Da sehe ich kein Problem", so Stoll.

Lokale Händler dennoch unterstützen

Doch auch einige Wochenmärkte machen aktuell früher zu: Der auf der Konstablerwache, in der Schillerstraße und auf dem Friedberger Platz. Michael Lorenz, bei den Hafen- und Marktbetrieben der Stadt Prokurist und zuständig für die Märkte, erläutert: "Mit dem weichen Lockdown seit November dürfen keine gastronomischen Angebote mehr gemacht werden. Deswegen sind einige Betriebe weggeblieben, weil es sich für sie nicht lohnt." Dieses gastronomische Angebot sei vor allem am Ende eines Wochenmarktes angenommen worden. "So schließt der Markt in der Schillerstraße freitags um 16 statt um 18.30 Uhr, der auf der Konstabler donnerstags um 18 statt um 20 Uhr und der auf dem Friedberger Platz freitags um 19 statt um 20 Uhr. Aber um diese Zeit wurde ohnehin kaum noch eingekauft", so Lorenz. Die meisten Kunden kamen vormittags oder am Nachmittag, um die Zutaten für die nächste Mahlzeit zu erwerben. "Das können sie weiterhin."

Ähnlich sei es auch in der Kleinmarkthalle. Während die Wochenmärkte samstags normal geöffnet haben, sei aktuell in der Kleinmarkthalle samstags bereits um 16 und nicht erst um 18 Uhr Feierabend. Einzelne Betriebe blieben tageweise ganz geschlossen.

Trotz reduzierter Öffnungszeiten vieler Läden wirbt Ernst Schwarz, Vorsitzender der Frankfurter Gewerbevereine, um Verständnis für die Einzelhändler, die es aktuell nicht leicht haben. Und darum, dass die Kunden trotz aller Widrigkeiten nicht online einkaufen, sondern in ihren jeweiligen Stadtteilen. "Sonst sind die Geschäfte bald gar nicht mehr da. Das ändert die Struktur der Stadt." Schwarz selbst hat indes die Öffnungszeiten seines Pelzgeschäfts in der Eschersheimer Landstraße angepasst. "Bei uns rufen die Kunden an und erkundigen sich, wann geöffnet ist."

Auch die Mutter hat in Sachen Schulranzen noch nicht aufgegeben. Sie hat die Oma mit ihrer Tochter ins Fachgeschäft geschickt, während sie selbst arbeiten musste. Und muss jetzt nur noch einen Termin finden, wann sie den Ranzen abholt. Den nämlich bringt das Christkind ... thomas j. schmidt

Kommentar: Jetzt heißt es zusammenhalten

Der Einzelhandel ist am Ende, die Geschäfte sind leer und schließen - nicht nur auf der Zeil und in den 1-A-Lagen, sondern auch in den Stadtteilen. Für Kunden wird der Online-Handel jetzt erst recht attraktiv, für den Handel bringt er den Tod. Und das, weil das Land seit fast einem Jahr im Klammergriff eines Virus ist. Wie lange das noch dauern wird? Experten schätzen, dass, wenn die Impfung schnell kommt und alle, die wollen, so schnell wie möglich geimpft sind, noch mindestens ein Jahr vergeht, bis Corona hinter uns liegt. So lange müssen wir noch zusammenhalten, solidarisch sein und tapfer.

Für Kunden bedeutet es: Ihren Einzelhandel unterstützen, jetzt und in der Zeit nach Weihnachten. Damit die Städte und die Stadtteile nicht im nächsten Jahr verödet sind, überzogen allenfalls noch von internationalen Ketten und Supermärkten, wie jetzt schon die Innenstadt. Der kleine Fachhändler braucht seine Kunden aus der Nachbarschaft. Auch wenn viele Händler es der Kundschaft derzeit schwerer machen, dort zu kaufen. Denn mit Öffnungszeiten, die sich mit den Arbeitszeiten derjenigen nicht vereinbaren lassen, die nicht im Home Office sind, verliert dieser Einzelhändler einen seiner wichtigsten Pluspunkte.

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