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Die Regale im ?Lädche? von Christa Schwantes sind schon ziemlich leer. Heute ist das Geschäft zum letzten Mal geöffnet.

Geschäft in der Erbbaustraße

Im „Lädche“ gehen die Lichter aus

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Nach 37 Jahren schließt Christa Schwantes heute ihr „Lädche“ in der Erbbaustraße nach Geschäftsschluss schweren Herzens für immer. Sie hat gesundheitliche Probleme. Sie hofft aber noch, dass die Tradition des Geschäfts, die sogar bis in die Vorkriegszeit zurückreicht, weitergeht.

So versteckt „Christas Lädche“ auch in der Erbbaustraße liegt, Stammkunden haben immer hierher gefunden und sind nun traurig und ratlos, dass es schließt. „Es war wie ein kleiner Schock“, sagt Andreas Pietrzak, der in einem nahe gelegenen Autohaus arbeitet und seit seiner Ausbildung Kunde bei Christa Schwantes ist. „Abgesehen davon, dass ich wohl nirgendwo so ein leckeres Hähnchengulasch mit Spätzle bekomme, bleibt mir in der Mittagspause auch kaum Zeit, um anderswo essen zu gehen.“

Auch Ingrid Richter und Anneliese Bauer sind seit Jahrzehnten treue Kunden. Sie haben es sich in ihrer Lieblingsecke gemütlich gemacht – im Hintergrund des Tante-Emma-Ladens sind alte Fotografien und Kaffeeschütten ebenso zu sehen wie Puppenstuben, die Schwantes sammelte und nun verkauft. Doch viele Regale sind schon fast leer, neben dem Mittagessen gibt es noch ein paar Lebensmittel zum Mitnehmen, darunter Wurst, Eier und Brötchen. Allerdings nur noch heute. Denn dann ist Schluss.

„Die Gelenke spiele nicht mehr mit und es ist schwer, einen Nachfolger zu finden, der das alles übernimmt und dabei auch so viel Herz für die Kunden hat“, bedauert Schwantes. Denn für viele ist das „Lädche“ längst ihr Wohnzimmer. „Ich komme seit vielen Jahren, das hier ist unsere Rentnerbank, hier treffen wir uns täglich zum Essen und Plaudern“, sagt Richter. „Ich komme schon ein Leben lang hierher, habe schon als Kind mein Taschengeld gesammelt, um Bonbons bei Oma Bollentin zu holen“, ergänzt Bauer.

Oma Bollentin war eine von vielen Betreiberinnen des Geschäfts in der frühen Nachkriegszeit. „Schon vor dem Krieg gab es hier eine Metzgerei“, erzählt Schwantes und zeigt auf ein Foto aus jener Zeit. Immer sei die Tradition weitergegangen, immer hätten sich Betreiber und neben alten auch neue Kunden gefunden. Wohl auch deshalb, weil es in dieser Ecke der Alten Hellerhofsiedlung sonst nur wenige Einkaufsmöglichkeiten gibt.

„Nach dem Krieg wurde die Metzgerei zunächst von der Familie Kallenbach übernommen“, berichtet Schwantes. „Die nächsten Inhaber hießen Bollentin und Tomaseli. Ich hatte immer hier eingekauft und wurde von Frau Tomaseli eingearbeitet.“ Ursprünglich wollte Christa Schwantes Friseurin werden, musste aber dann die Lehre wegen einer frühen Schwangerschaft abbrechen und arbeitete später selbst im Lebensmittelhandel, wo sie wichtige Erfahrungen für ihr „Lädche“ sammelte.

„Als ich das Geschäft 1981 übernahm, waren wir hier noch ganz auf den Lebensmittelhandel konzentriert, hatten bis zu 45 Wurstsorten im Sortiment“, berichtet die scheidende Inhaberin. Doch sie setzte auch frühzeitig auf kleine Veranstaltungen, ließ für die benachbarten Kindergärten den Nikolaus kommen. In den Folgejahren änderte sie ihr Konzept, führte zusätzlich zum Verkauf das tägliche Frühstück und den Mittagstisch ein und übernahm schließlich auch das Catering für viele Veranstaltungen in der Umgebung.

„Dafür fuhren wir morgens um halb vier schon zum Großmarkt und nach einem arbeitsreichen Tag abends um halb sieben nochmal in die Metro“, erinnert sich Schwantes. Ein Einsatz, der buchstäblich auf die Knochen ging: Nach 2000 bekam Schwantes immer häufiger Probleme mit Gelenkentzündungen, es folgten Krankenhausaufenthalte und Operationen. Schließlich musste sie ihr Programm und ihre Öffnungszeiten zurückfahren, zuletzt auf 8 bis 15 Uhr mit drei Mitarbeiterinnen.

„Wir hoffen immer noch, dass sich ein Nachfolger findet, bei dem ich auch noch weiterarbeiten könnte“, sagt die Mitarbeiterin Marion Walter. Hauseigentümerin ist die ABG Holding, Geschäftsführer Frank Junker möchte hierzu derzeit keine Einschätzung abgeben. „Die Küche ist gefliest, das Bad umgebaut, mein Nachfolger müsste erst einmal nichts investieren“, betont Schwantes. Zuletzt bezahlte sie knapp 600 Euro Miete. Die Einrichtung möchte sie so weit möglich vorerst im Laden lassen.

„Ich selbst werde zu meinem Sohn nach Bottrop ziehen, damit ich mit dieser Sache hier auch abschließen kann“, sagt Schwantes. Wobei sie eigentlich auch gerne aus der Ferne beobachten möchte, wie es mit ihrem „Lädche“ weitergeht – aber nur, wenn die Tradition auch gewahrt bleibt.

Interessenten fürs „Lädche“

können sich bei der ABG Holding unter Rufnummer (069) 2 69 85 28 melden.

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