1. Startseite
  2. Frankfurt

Laiendarsteller nehmen mit auf gemeinsame Reise durch Europa

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Alexandra Flieth

Kommentare

Magdalena Diewock steht als Frau Antje aus Holland auf der Bühne. FOTO: michael Faust
Magdalena Diewock steht als Frau Antje aus Holland auf der Bühne. © Michael Faust

Die Theatergruppe „Alter Naiven“ zeigt in Frankfurt-Niederrad ihr neues Stück.

„Wenn der Frühling kommt, dann schick ich Dir Tulpen aus Amsterdam“, singt Magdalena Diewock im Saal des Gemeindehauses der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde in Niederrad. Sie bringt den Schlagerklassiker aus den 1950er Jahren zum Besten und lädt die Zuhörer dazu ein, mitzusingen und zu schunkeln. Passend zum Lied ist sie dabei wie die Figur Frau Antje aus Holland gekleidet und stellt per Beamer-Projektion die Sehenswürdigkeiten vor, die es im Nachbarland zu entdecken gibt.

Der Gemeindesaal wird an diesem Nachmittag zur Theaterbühne, die „Alter Naiven“, wie sich die Gruppe an Laiendarsteller im Alter von 60 bis 87 Jahren nennt, lädt zu einer „Reise durch Europa“ ein. Die Akteure stellen in Text, Bild und Gesang ihre Lieblingsreiseziele vor. Für die Umsetzung ist der Gemeindesaal mit schwarzen Vorhängen unterteilt: Ein Teil wird zur Spielfläche und zum Zuschauerraum, der andere Teil hinter dem Vorhang dient den Darstellern zur Vorbereitung und zum Umziehen.

Es ist eine Inszenierung, die die Mitglieder erstmals alle gemeinsam erarbeitet haben, erzählt Karin Fettel, die die Gruppe 2004 mitinitiierte. Ausgangspunkt der Handlung ist eine „Lottogewinn“: Mit dem Betrag in der Tasche machen sich die Senioren auf den Weg zu ihren Traumorten - jeder darf, zumindest auf der Bühne, genau dorthin, wo er schon immer einmal hinreisen wollte oder wo er bereits schon einmal war und womit er positive Erinnerungen verbindet. Neben den Niederlanden sind dies etwa Spanien, Griechenland, Frankreich oder Österreich.

Gemeinsame Reise durch Europa

Während einige Darsteller sich hinter der Bühne bereit für ihren Auftritt machen, haben andere bereits Platz genommen an einem Tisch und genießen die „gemeinsame Reise durch Europa“. Sieben Senioren aus der Gruppe sowie der Gemeindepädagoge Gerd Pfahl machen mit. Er ist in einen Kilt gekleidet und singt bei seinem Auftritt gleich zu Beginn den Song „Mull of Kintyre“ von Paul McCartney und der Band Wings. Pfahl nimmt dafür auch seine Gitarre zur Hand. Harald Will und Karl Heinz Spörck sorgen unterdessen dafür, dass die Technik funktioniert, insbesondere die Musik gut zu hören ist und die Beamer-Projektionen in der richtigen Reihenfolge laufen.

Entstanden sei die Idee zu dem Stück vor zwei Jahren, sagt Fettel. Zu einer Zeit, in der durch die Corona-Pandemie nicht nur das Reisen an sich, sondern auch die wöchentlichen Treffen der Gruppe erschwert wurden oder gar nicht möglich waren. Immer montags trifft sich die Gruppe im Gemeindehaus, um gemeinsam Theater zu spielen. Die Ergebnisse dazu haben sie in der Vergangenheit auch schon mehrfach auf die Bühne gebracht etwa mit „Geschichten aus dem alten Niederrad“ oder Märchen und Sketche.

Dass die Inszenierung nun endlich vor Publikum gespielt werden kann, darauf freuen sich die Darsteller. Ob es eine weitere Aufführung geben wird, dass kann Karin Fettel nicht sagen. Ihr Auftritt steht kurz bevor und sie muss sich darauf vorbereiten. Italien ist das Land, das sie vorstellt. Fettel war nicht nur selbst schon öfters dort, wie sie den Zuschauern erzählt. Sie spricht auch Italienisch: Die Sprache habe sie unter anderem in einem Kurs auf der Insel Ischia kennengelernt, verrät sie. Mit entsprechenden Bildern, die auf die Leinwand projiziert werden, kann das Publikum nun ein wenig Teilhaben an der Schönheit der Insel.

Und natürlich darf am Ende ihres Auftritts auch der passende Schlager nicht fehlen - mit „Nel blu dipinto del blu“ (in Blau gemaltes Blau), besser bekannt unter dem Namen „Volare“ des italienischen Sängers Domenico Modugno stimmt sie ein Lied an, das jeder kennt - zumindest von der Melodie.

Und am Ende der Inszenierung ist der Blick in die Ferne auch einer, der eigentlich vor der Haustür liegt. Schließlich biete Frankfurt auf eine gewisse Art und Weise vieles, das Reisende an ihren Traumorten so schätzen - zum Beispiel das leckere Essen in Italien, Spanien oder Griechenland. Alexandra Flieth

Auch interessant

Kommentare