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Wie viele Taxis braucht die Stadt? Ein Unternehmer hat geklagt, weil er zu lange auf eine Lizenz warten muss. Das Gericht verlangt eine Bedarfsanalyse. Foto: dpa

Taxi-Lizenz

Lange Warteliste: 1600 Fahrer müssen auf ihre Zulassung warten

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Wie viel Taxis braucht Frankfurt? Das ist die Fragestellung eines Gutachtens, das der Magistrat in Auftrag gegeben hat. Grund dafür ist die Klage eines Unternehmers, der eine Konzession möchte.

Am Frankfurter Hauptbahnhof stehen die Taxis zu Dutzenden und warten auf Kunden. Sind es deshalb zu viele? Das glaubt die Taxi-Vereinigung. Ein Unternehmer dagegen vermutet, dass es in Frankfurt zu wenig sind, und klagt vor dem Verwaltungsgericht auf Erteilung einer Lizenz.

Der Mann hat durchaus Argumente auf seiner Seite. Seit Jahr und Tag gibt es in Frankfurt 1712 Taxi-Konzessionen. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Einwohner aber um rund 111 000 auf 736 222 (Stand 30. Juni 2017) gewachsen. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der Touristen in der Mainmetropole mehr als verdoppelt. Besuchten 2000 noch 2 372 000 Gäste die Mainmetropole, waren es 2016 bereits 5 203 588 mit mehr als 8,8 Millionen Übernachtungen.

Mehr Touristen bedeuten auch mehr Taxifahrten. Reichen da noch 1712 Taxis? Darüber muss jetzt das Gutachterbüro Linne & Krause aus Hamburg entscheiden, das auch in anderen Städten die Wirtschaftlichkeit des Taximarktes prüft. Die letzte offizielle Marktanalyse für Frankfurt kam 2007 zu dem Ergebnis, dass nur 1450 Taxis benötigt würden und es 250 Funkmietwagen zu viel gebe. Trotzdem blieb es damals bei der Zahl von 1712 Fahrzeugen.

Obwohl also vor allem nach Ansicht der Frankfurter Taxi-Vereinigung zu viele Lizenzen auf dem Markt sind, ist das Interesse daran groß. Derzeit stehen laut Auskunft des Ordnungsamtes rund 1600 Personen auf der Warteliste. Die Wartezeit beträgt 25 bis 30 Jahre. Da ist mehr als die Hälfte des Berufslebens vorbei. Über die Warteliste erhält der nächste Bewerber eine Konzession, wenn ein Lizenzinhaber die seinige zurückgegeben hat. Die Erteilung oder Verlängerung einer Taxigenehmigung für die fünfjährige Laufzeit kostet 187,50 Euro; ebenso die Übertragung. Sie ist die zweite und am häufigsten angewandte Möglichkeit zur Erlangung einer Lizenz. Ein Unternehmer, der seine Konzession nicht mehr bewirtschaften möchte, überträgt diese an eine andere Person. Dabei können auch schon mal fünfstellige Beträge fließen, heißt es aus Insiderkreisen. Offiziell wird das bestritten. „Eventuelle Schwarzmarktpreise sind der Behörde nicht bekannt“, heißt es.

Auch Karlheinz Kitzinger, der stellvertretende Vorsitzende der Frankfurter Taxivereinigung, bestreitet, dass es einen Schwarzmarkt gebe. Was bezahlt werde, seien das Fahrzeug, der Kundenstamm und das Taxameter, das allein 1000 Euro koste, sowie eine Konformitätsbescheinigung für das Fahrzeug. Kitzinger ist der Überzeugung, dass in Frankfurt trotz des Bevölkerungszuwachses an 360 Tagen im Jahr zu viele Taxis unterwegs seien. „An 360 Tagen im Jahr haben wir zu viele, an fünf Tagen haben wir ein Problem: Wenn Schnee liegt oder wegen der Messe“, sagt Kitzinger. An den Taxiständen am Bahnhof oder am Flughafen warteten die Fahrer häufig bis zu vier Stunden auf einen Fahrgast.

Der Funktionär verweist darauf, dass die Messe- und Flughafenstadt Frankfurt die zweithöchste Taxidichte in Deutschland habe, Auf jedes Fahrzeug kämen 428 Einwohner. In Berlin sind es 422, in Köln und Stuttgart dagegen knapp 900. Köln habe zudem im Gegensatz zu Frankfurt ein Nachtleben. In Frankfurt fahre nun auch die U-Bahn nachts. Ein Taxi habe zudem eine Beförderungs- und eine Betriebspflicht und müsse im Pflichtgebiet mit eingeschalteter Uhr fahren. Zu der großen Zahl an Taxis in der Mainmetropole kämen noch mehr als 400 Mietwagen in Frankfurt und der Region. Daher kommt Kitzinger zu dem Schluss: „Die Marktsituation ist eher schlechter als noch 2007.“

Auch die gestiegene Zahl von Touristen lässt Kitzinger nicht gelten: Die kommen alle mit dem Bus. Mit dem Ergebnis des Gutachtens rechnet der Vereinssprecher im Frühjahr oder Sommer 2019.

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