Blick auf den Pausenhof des Adorno-Gymnasiums im Westend. Sportplätze oder eine Halle sind weit entfernt.
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Blick auf den Pausenhof des Adorno-Gymnasiums im Westend. Sportplätze oder eine Halle sind weit entfernt.

Transportprobleme in Frankfurt

Auf langen Wegen zum Sportunterricht

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Ärger um Vergabeverfahren für Busfahrten zu den Sportstätten. Fürs Adorno Gymnasium soll nach den Herbstferien eine Übergangslösung gelten.

Frankfurt -Für die Schüler des Adorno-Gymnasiums ist der Weg zum Sportunterricht seit jeher einigermaßen unkomfortabel. Weil die Schule an der Miquelallee keine eigene Sporthalle hat, machen die rund 800 Mädchen und Jungen ihre Leibesübungen im Sommer schon mal im Freien, bevorzugt im Grüneburgpark. Ansonsten findet der Sportunterricht in insgesamt fünf Sporthallen statt, verteilt über das gesamte Stadtgebiet. Für den Schwimmunterricht, der im siebten Jahrgang für ein Schulhalbjahr auf dem Stundenplan steht, müssen die Schüler ins Schwimmbad der Berthold-Otto-Schule (Griesheim).

50 Minuten Fahrt für 25 Minuten Sport

Die an sich schon umständlichen Gegebenheiten haben sich nun weiter verschärft. Weil der für die Schule organisierte Bus-Transfer zu den Sportstätten nicht funktioniert, fahren die Klassen mit dem ÖPNV zum Sportunterricht. Das nähme mitunter 50 Minuten Wegezeit für die einfache Strecke in Anspruch, um dann für 25 Minuten Sport zu machen, beklagt Stefanie Horn, die Schulelternbeiratsvorsitzende, in einem Offenen Brief an die Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). "Das ist nicht nur irrational, sondern auch unfalltechnisch und infektionsbezogen eine enorme Gratwanderung", merkt Horn an. Hinzu komme, dass die Schüler es aufgrund der langen Fahrzeit vom Sportunterricht zurück zur Schule oft nicht schafften, die an der Schule für die Heimfahrt wartenden Schulbusse zu erreichen. "Aufgrund dieses Umstandes müsste der Sportunterricht eigentlich noch weiter verkürzt werden", so Horn. "Das steht in keinem Verhältnis mehr und ist vollkommen inakzeptabel."

Dem Bildungsauftrag im Fach Sport könnten die Fachlehrer unter solchen Umständen nicht annähernd nachkommen. Horn: "Wir alle wissen, dass der Sportunterricht unabdingbar ist und einen wichtigen Bestandteil in der Entwicklung der Kinder darstellt, besonders in der jetzigen Pandemie-Situation."

Bildungsdezernentin Sylvia Weber kennt die Probleme. Auf Anfrage dieser Zeitung erklärte sie, dass Komplikationen im Vergabeverfahren für die Busfahrten zu den Sportstätten Ursache für die schwierige Situation seien. Die Transportleistungen würden alljährlich neu ausgeschrieben. In diesem Jahr habe die Vergabe-Rüge eines Bewerbers zu erheblichen Verzögerungen im Verfahren geführt. Ein weiterer Zeitverzug sei zustande gekommen durch einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht zweier Bewerber, die dann vom Vergabeverfahren ausgeschlossen werden mussten. Jetzt, sagt Sylvia Weber, sei das Verfahren endlich, wenngleich erheblich verspätet abgeschlossen. Gleichwohl könne ein geregelter Transport zu den Sportstätten erst ab Januar zugesichert werden. Betroffen davon seien übrigens nicht allein die Schüler des Adorno-Gymnasiums, sondern noch weitere Schulen.

Geregelter Transport erst von Januar an

Bis Januar, bis die organisierten Buslinien an den Start gehen, wollen sich die Eltern allerdings nicht vertrösten lassen. "Unter keinen Umständen tragbar", findet Stefanie Horn. Die Eltern erwarteten umgehend eine Interimslösung "im Sinne der Kinder und Lehrkräfte", bekräftigt die Schulelternbeiratsvorsitzende.

Sylvia Weber stellt nun für die Adorno-Schüler eine Übergangslösung in Aussicht: "Entweder findet der Sportunterricht in einer Schule statt, die besser erreichbar ist", schlägt sie vor. "Oder es muss ein Ersatzbus organisiert werden, speziell fürs Adorno, der die Mädchen und Jungen zum Sportunterricht fährt." Diese vorübergehende Lösung könne nach den Herbstferien greifen. enz

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