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Eine Frau betrachtet ein Wahlplakat des Ausschusses der Frauenverbae-de Deutschlands, 1918.

Ausstellung

Langer Weg zur Gleichberechtigung: Als die Frauen endlich wählen durften

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Mit der Jubiläumsausstellung „Damenwahl, 100 Jahre Frauenrecht“ ehrt das Historische Museum Frankfurt als zentralen Ort der Frauenbewegung mit Kämpferinnen wie Tony Sender, Johanna Tesch oder Berta Pappenheim.

Kurz nach dem Jahreswechsel 1918/1919 prangen an den Litfaßsäulen deutscher Städte Wahlplakate von Frauen, die sich bürgerlich geben oder die rote Fahne schwingen. Bald darauf drängen die Damen in die Wahllokale, in München reihen sich sogar Nonnen in die Schlange ein. Und im Römer sind Heerscharen von Herren damit beschäftigt, so viele Stimmzettel wie nie vorzubereiten. Denn in Frankfurt kommt es zum Wahlmarathon.

Am 19. Januar 1919 durften die Frauen in Deutschland erstmals bei der Wahl zur deutschen Nationalversammlung abstimmen, in Frankfurt (seit 1866 preußisch) standen zudem die Wahlen der Preußischen Landesversammlung am 26. Januar und des Stadtparlaments am 2. März an. „Neben 1310 Männer traten jedoch nur 308 Frauen bei der Wahl zur Weimarer Nationalversammlung an, von denen 37 Kandidatinnen gewählt wurden“, sagt die Kuratorin des Historischen Museums Dorothee Linnemann und erklärt in der stilisierten Wahlkabine des Rundgangs mit originalen Stimmzetteln die nachteilige Platzierung auf den Wahllisten.

Mit insgesamt 450 Exponaten würdigt das Historische Museum mit der einzigen großen deutschen Sonderausstellung „Damenwahl, 100 Jahre Frauenwahlrecht“ ein Jubiläum, das mit der Verkündigung dieses Rechts mit der Weimarer Republik am 12. November in Berlin begann, doch ohne den Rückhalt und das entscheidende Engagement von Frauen in Frankfurt undenkbar wäre: Bertha Pappenheim gründete 1904 den Jüdischen Frauenbund in Frankfurt, Rosa Luxemburg mobilisierte hier schon 1913 in einer Kampfrede gegen den Ersten Weltkrieg. Tony Sender empfing die Kieler Matrosen nach ihrem Aufstand in Frankfurt, Johanna Tesch gehörte zu den ersten Parlamentarierinnen der SPD.

Die Ausstellung teilt sich in die fünf Galerien „Frauenleben im Kaiserreich“, „Kampf für Frauenrechte“ „Krieger, Frauen und Revolutionärinnen“, „Frauen zur Wahl“ und „Aufbruch, Repression und Hoffnung“. Der erste Blick fällt auf enge Korsetts der Kaiserzeit, die Befreiung der Frauen ist auch eine Befreiung in der Mode. Beflügelt von der radikalen englischen Frauenbewegung der „Sufragetten“, die ihre Rechte sogar im Hungerstreik erkämpfen, blühen ab 1890 auch die ersten deutschen Frauenvereine auf, setzen sich vor allem für die Gleichberechtigung in der Bildung ein. Doch erst ab 1908 dürfen Frauen in Parteien eintreten und an politischen Versammlungen teilnehmen.

Im Ersten Weltkrieg kommt es zum „Burgfrieden“ zwischen kämpfenden Männern und kämpferischen Frauen, die nun als Schaffnerinnen und Postkutscherinnen posieren und mit „Deutschen Mutterworten“ ihre Söhne an der Front motivieren. Erst in der Weimarer Reichsverfassung erhalten 1919 Männer und Frauen grundsätzlich die selben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten. Die ersten Politikerinnen thematisieren die Kriminalisierung der Prostitution, kämpfen in Wahlfilmen auch gegen den Nationalsozialismus, der jedoch Tony Sender 1936 zur Flucht in die USA zwingt, während Johanna Tesch verhaftet und deportiert wird.

„In Frankfurt stellten wir von 2006 bis 2011 die Oberbürgermeisterin, die Bürgermeisterin und die Stadtverordnetenvorsteherin, doch seitdem sind zehn Prozent weniger Frauen Stadtverordnete“, kommentiert die Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) den Ausblick der Ausstellung in die heutige Zeit.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung ist bis 20. Januar dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr (mittwochs bis 21 Uhr), samstags und sonntags von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

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