War schon Anfang der Woche gut besucht: das Zelt der Bürger für Grünerhalt in Oberrad in der Balduinstraße.
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War schon Anfang der Woche gut besucht: das Zelt der Bürger für Grünerhalt in Oberrad in der Balduinstraße.

Bürgerinitiative in Frankfurt-Oberrad

Langsam füllen sich die Reihen

  • vonStefanie Wehr
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Die neue Bürgerinitiative "Grünerhalt für Oberrad" gegen die Bebauung der Mainwasen hat regen Zulauf. Unterschriften werden am Pavillon in der Balduinstraße noch bis Samstag gesammelt.

"Viel mehr Menschen sind vorbeigekommen, als wir erwartet hätten", freut sich Max Laue, Mitbegründer der BI Grünerhalt für Oberrad. "Wir sind mehr als zufrieden". Im Pavillon unterm regenfesten Zeltdach sind Stehtische aufgestellt, darauf liegen Kartenmaterial und Unterschriftenlisten. Die werden am Dienstagnachmittag fleißig ausgefüllt, Bekannte und Nachbarn kommen vorbei, um gegen die geplanten Sportplätze auf den Feldern an der Offenbacher Landstraße und gegen den Bau der Europäischen Schule auf den Mainwasen zu unterzeichnen. "Kann ich noch für meinen Bruder unterschreiben?", sagt ein Nachbar scherzhaft.

Die Zustimmung zum Anliegen der Bürgerinitiative "Grünerhalt für Oberrad" ist so groß, dass manch einer am liebsten mehrmals unterzeichnen würde. Mehr als 100 Stimmen sind innerhalb von zwei Nachmittagen zusammengekommen. "Wir finden das Vorhaben völlig inakzeptabel, auf die Felder einen Sportplatz zu bauen. Das passt nicht hierher", sagt eine Anwohnerin aus der Kochstraße. Ihr Mann pflichtet ihr bei. "Das wird ein riesiges Lärmproblem geben und auch zu viel Autoverkehr. Wir haben schon jetzt zu wenige Parkplätze hier, wie soll das gehen?", sagt er und schüttelt den Kopf.

Unterstützung aus Sachsenhausen

Nicht nur Oberräder sind gekommen, auch Sachsenhäuser. Die Liste kann jeder unterschreiben, der das Ziel der BI unterstützen will. "Es geht ja um den Erhalt des Grüngürtels und der Mainwasen, das ist vielen in beiden Stadtteilen wichtig", sagt Laue. Die Sympathien für den Bau der Europäischen Schule halten sich bei manchen Unterzeichnern in Grenzen: "Wahrscheinlich wird noch ein Jachthafen gebaut, damit die Schüler mit dem Boot gebracht werden", wird gewitzelt.

Auch die Politik ist da: Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) hat unterschrieben, Rosita Jany von der SPD Oberrad ist Gründungsmitglied. Die CDU Oberrad ist am Dienstagabend gekommen, um ihre Unterstützung zu signalisieren. "Die Koalition im Ortsbeirat hat sich klar gegen das Vorhaben positioniert. Wir müssen jetzt abwarten, was die Römerkoalition zu dem Thema sagt", so Becker.

Dass es der Stadt gelingt, an die Flächen für den Bau der Sportplätze zu kommen, wird bezweifelt. Viele der angeblich 170 Besitzer von Parzellen auf dem Feld wollten nicht verkaufen, weder die Landwirte noch Privatbesitzer. Vor allem nicht zum angebotenen Preis von rund 21 bis 23 Euro pro Quadratmeter.

Enteignung als letztes Mittel

"Man muss die rechtliche Seite bedenken", sagt Pavlos Tsachidis, Beisitzer bei der CDU. "Die Stadt müsste zum letzten Mittel der Enteignung greifen, und das wäre nicht verhältnismäßig." Zumal die Stadt die Grüne Soße als Aushängeschild und Tourismus-Faktor wolle. Da passe es nicht, die wenigen Felder, auf denen die Grüne-Soße-Kräuter angebaut werden, weiter zu dezimieren und die wirtschaftliche Existenz der Gärtner zu bedrohen.

Eugen Müller, Vorsitzender des Bürgervereins, erinnert daran, dass die Felder Oberrads schon vor Jahrzehnten Ziel von Bodenspekulation waren und damals der Erhalt der Gärtnereien der Stadt wichtig war. Es wurde festgelegt, dass die Felder nicht bebaut werden dürfen. Der Pfaffenacker an der Offenbacher Landstraße geriet dennoch zuletzt 2004 ins Visier, als dort ein Betrieb für Behinderte gebaut werden sollte. Das Projekt wurde verhindert, der Ortsbeirat sprach sich vehement dagegen aus.

"Der Pfaffenacker und die Felder dürfen nicht bebaut werden, es wäre irrsinnig und überflüssig", resümiert Horst Nopens von der Bürgerinitiative. "Die Felder müssen landwirtschaftlich genutzt werden, denn sie sind ein Lungenflügel der Stadt und garantieren die Frischluftzufuhr."

Unterschriftensammlung

Der Stand der BI ist heute und morgen von 16 bis 19 Uhr und am Samstag von 10 bis 14 Uhr vor der Balduinstraße 33-37.

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