+

Pandemie

Die Last mit der Maskenpflicht

  • Anna Grösch
    vonAnna Grösch
    schließen

Großteil der Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs in Frankfurt hält sich an die Vorschriften.

Frankfurt -Regionalbahn nach Frankfurt am Morgen. Im Waggon herrscht Ruhe, man sieht von den meisten Mitfahrern nicht mehr als die Augen. Auf den Sitzen neben der Toilette unterhält sich leise ein junges Pärchen, durch die Masken sind ihre Stimmen gedämpft. Fast alle tragen einen Mund-Nasen-Schutz, allerdings nicht unbedingt vorschriftsmäßig. Hier und da schaut eine Nase über einem bunten Stück Stoff hervor. Ein Vater und sein kleiner Sohn schlängeln sich durch den Gang, von den beiden trägt keiner eine Maske. Ein Mann schaut den beiden missmutig hinterher. Die anderen Fahrgäste scheinen sie nicht zu bemerken.

Wer regelmäßig Bahn fährt weiß, dass in dem Abteil noch lange nicht so viel Trubel wie in der Zeit vor der Corona-Pandemie herrscht. Das mit dem Abstand halten klappt trotzdem nicht, ist in einem engen Waggon aber auch fast nicht möglich. Bei der Einfahrt ans Gleis stehen die Menschen dicht an dicht an den Zugtüren, ein paar Sekunden später treten sie sich im Gedränge auf den Bahnsteigen fast auf die Füße. 1,5 Meter sind das nicht.

Unter anderem deshalb wurde bereits am 27. April die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung eingeführt. Die Menschen sollen auf Abstand bleiben, wo das nicht möglich ist, soll wenigstens die Übertragung des Coronavirus durch Aerosole durch Masken erschwert werden. Auf Aufklebern auf dem Boden, an Anzeigetafeln und Aushängen sind die Hygieneregeln ausgeschrieben. "Helfen Sie mit, die Ausbreitung des Coronavirus weiter erfolgreich einzudämmen", heißt es da.

Sich und andere soll man schützen. Wenn alle mitmachen, Masken tragen, Abstand halten, verbreitet sich das Virus weniger schnell. Aber die Motivation, diese einfachen Regeln zu befolgen, sinkt. Jeder Zehnte in Frankfurts öffentlichen Verkehrsmitteln trägt die Maske falsch oder gar nicht, heißt es von der Nahverkehrsgesellschaft Traffiq. Das sorgt für Frust bei denen, die versuchen, sich regelkonform zu verhalten. Schließlich schützt die Maske in erster Linie die Anderen.

Egoistisches Verhalten

Egoistisches Verhalten, finden viele, die man fragt. Muss man die Gesellschaft vor denen schützen, denen das Wohlergehen der Anderen offensichtlich egal ist? Die meisten bejahen. "Ich verstehe nicht, wieso man so rücksichtslos ist", sagt eine junge Frau. Eine andere erzählt, dass ihre Eltern nicht einmal einen Gedanken daran verschwenden, mit der Bahn zu fahren. Sie gehören zur Risiko-Gruppe und haben Angst.

Aus dem Gesundheitsamt kommen auf Nachfrage erstaunliche Worte. Es gelte das Prinzip der Eigenverantwortung, sagt Udo Götsch, Sachgebietsleiter Infektiologie im Frankfurter Gesundheitsamt. Auf die Frage, ob man sich wegen steigender Infektionszahlen Sorgen mache, verneint er. "Personell sind wir vorbereitet." Und alles sicher zu halten, könne man nicht hinbekommen. "Das wäre ein zu ehrgeiziges Ziel."

Im öffentlichen Personennahverkehr funktioniert das "unterschiedlich", sagt Bernd Conrads, Leiter der Unternehmenskommunikation bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Besonders abends und am Wochenende seien aber mehr Fahrgäste ohne Masken unterwegs, mit voller Absicht. "Mischung aus Lust an der Konfrontation, Provokation und der Herausforderung staatlicher Institutionen" sei das wohl. Die meisten hielten die Regeln aber ein. Das Gleiche sagt ein Pressesprecher der Deutschen Bahn.

Viel gegen renitente Maskenverweigerer machen konnten die Verkehrsbetriebe in Hessen lange nicht, auch wenn manche Passagiere sich das wünschen, wie Conrads weiß. "Die hätten gerne stärkere Kontrollen und strengere oder konsequentere Strafen." Nun gibt es ein sofortiges Bußgeld in Höhe von 50 Euro, wenn man ohne Maske in Bus oder Bahn erwischt wird. Nach vier Monaten Maskenpflicht ist die Regelung erst in Kraft getreten, nachdem die Fallzahlen wieder stiegen. Zuständig für die Kontrollen seien die örtlichen Gesundheitsämter, wie Hessens Wirtschaftsminister Al-Wazir (Grüne) verkündete. Die meisten von ihnen hätten diese Aufgabe an Stadt- und Landespolizei abgetreten.

Ein paar Stunden später in der U-Bahn. Die meisten Fahrgäste halten ihr Gesicht bedeckt. "Ich habe ein Attest", sagt der Mann ein paar Sitze weiter, als ein jüngerer ihn auf das Fehlen seiner Maske hinweist. In der U4 kontrolliert gerade niemand. Der junge Mann im Vierer fragt nicht weiter nach.

Anna Grösch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare