Unfälle

Lastwagen sind wachsende Gefahr im Frankfurter Straßenverkehr

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Lastenwagenfahrer, die beim Abbiegen Radfahrer übersehen, sind in Frankfurt eine wachsende Gefahr. Davor warnt der Leiter der Polizeidirektion Verkehrssicherheit, Tim Heinen, mit Blick auf die aktuelle Unfallstatistik. Er fordert technische Nachbesserungen der Lkw-Hersteller. Erst am Montag wurde eine Radfahrerin im Bahnhofsviertel von einem 18-Tonner überfahren.

Ein Kühllaster wurde der 34-jährigen Radlerin zum Verhängnis. Sie fuhr neben ihm auf der Moselstraße, als dieser rechts in die Gutleutstraße abbiegen wollte. Der Fahrer muss die junge Frau übersehen haben, denn er erfasste sie mit der Vorderachse, sie geriet unter den 18-Tonner und kam mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus.

Der schwere Unfall ereignete sich am Montagmorgen. In den Zahlenreihen des neuen Verkehrsberichts, den die Direktion Verkehrssicherheit gestern im Polizeipräsidium vorstellte, ist er noch nicht enthalten. Denn dieser Bericht wertet die Frankfurter Unfallstatistik des Vorjahres aus. Dass abbiegende Lastwagen im Stadtgebiet eine wachsende Gefahr darstellen, zeigen die Zahlen allerdings deutlich.

Insgesamt kam es in Frankfurt 2017 zu 2597 Verkehrsunfällen mit Personenschäden, an denen Lastwagen beteiligt waren. Im Vergleich zum Vorjahr ist das zwar nur ein leichter Anstieg von 31 Fällen. Deutlich zugenommen hat dabei aber die Zahl der Verletzten. Sie stieg im Vorjahr um 13,7 Prozent. Und bei den Ursachen von Lkw-Unfällen erreichte das Abbiegen einen neuen Spitzenwert.

Thema im Bundesrat

Der Leiter der Direktion Verkehrssicherheit, Tim Heinen, sagte mit Blick auf diese Zahlen: „Aus unserer Sicht wären technische Assistenzsysteme, die den Lkw-Fahrer beim Abbiegen vor Fußgängern und Radfahrern warnen, sehr zu begrüßen.“ Mehrere Bundesländer, darunter Hessen, fordern derzeit im Bundesrat, Lkw-Hersteller zum Einbau solcher Systeme zu verpflichten. „Dabei geht es bisher aber nur um Lastwagen ab 7,5 Tonnen“, sagte Heinen. „Es wäre besser, wenn auch leichtere Lkw mit Abbiege-Assistenten ausgestattet werden müssten.“

Insgesamt ist Heinen mit der Entwicklung der Unfallstatistik zufrieden. Denn während in Hessen und im gesamten Bundesgebiet die Zahl der Verkehrsunfälle im vergangenen Jahr gestiegen ist, blieb sie in Frankfurt mit 22 580 Unfällen (2017: 22 594) stabil. „Angesichts der extrem hohen Pendlerströme und der gestiegenen Zahl zugelassener Fahrzeuge ist das eine sehr erfreuliche Entwicklung“, sagte Heinen. „Wobei für uns natürlich immer gilt: Jeder Unfall ist einer zu viel.“

Mehr Unfallflucht

Deutlich zurück ging die Zahl der Unfallopfer. 3608 Personen kamen 2017 bei Verkehrsunfällen in Frankfurt zu Schaden, fast sechs Prozent weniger als im Jahr zuvor. 13 von ihnen starben. 2016 kam es zu 17 Todesopfern im Straßenverkehr.

Eine ärgerliche Entwicklung ist im neuen Verkehrsbericht unter der Überschrift „Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“ beschrieben. „Fast vier von zehn Unfallfahrern flüchten“, heißt es in der für die Pressekonferenz erstellten Zusammenfassung. Die Zahl der Unfallfluchten steigt von Jahr zu Jahr. Die Aufklärungsquote bleibt dennoch konstant bei gut 40 Prozent. „Wer einen Unfall verursacht, ist daher schlecht beraten, einfach davonzufahren“, betonte Direktionsleiter Heinen.

Rad- und Pedelecfahrer waren 2017 an 1104 Verkehrsunfällen beteiligt, etwas weniger als im Vorjahr. Sie sind aber im Straßenverkehr nicht nur die Opfer rücksichtsloser Autofahrer, wie es die Radfahrlobby gerne darstellt. „Bei 514 Unfällen wurde die Ursache durch den Radfahrer selbst gesetzt“, heißt es in der Kurzversion des Berichts. Das bedeutet: An fast jedem zweiten Fahrradunfall in Frankfurt ist der Radler schuld.

In 42 Fällen spielte laut Polizei Alkohol eine Rolle. Ein verunglückter Radfahrer hatte 3,63 Promille Alkohol im Blut. „Das ist schon ein beachtlicher Wert. Ich könnte damit wahrscheinlich nicht einmal mehr laufen“, sagte Heinen und wies darauf hin, dass auch betrunkenen Radfahrern der Entzug des Autoführerscheins drohen kann.

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