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?Kiss und Goodbye? wird auf die Wand projeziert, davor noch einmal ausgelassen gefeiert. Zum letzten Abend der Stadtteilinitiative im ?Knobbe? sind viele Besucher gekommen.

Stadtteilinitiative Koblenzer Straße

Lauter Abschied aus dem "Knobbe"

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Nach dem Abschied vom Koblenzer Straßenfest sagte die Stadtteilinitiative Koblenzer Straße (SIKS) mit ihrer Abschiedsparty jetzt auch ihren Vereinsräumen im „Knobbe“ Lebewohl. Ein Hoffnungsschimmer könnten Treffen und Barabende im „Horst“ in den Adlerwerken sein.

Zu später Stunde ist kaum noch ein Durchkommen zwischen Tanzfläche und Bar, die in den Lagerraum umgezogen ist. DJ Stubbi lässt die Bässe wummern, Projektoren werfen den Schriftzug „Kiss and Goodbye“ mit mehreren Erinnerungsbildern an die Wände. Eine Fotoausstellung dreht das Rad der Zeit zurück bis in jene Zeit, als die Vereinsräume der Stadtteilinitiative Koblenzer Straße (SIKS) noch ein Geschäft des Teppichhändlers Clemens Knobbe waren.

„Am Anfang war das hier wie unser Wohnzimmer. Hier haben sich spätere Paare und Familien kennengelernt“, erinnert sich Suse Barth, SIKS-Vorstandsmitglied und Frau des Mitgründers Manuel Barth. Auch die beiden sind sich hier das erste Mal begegnet. „Wir lebten als WG in der Nachbarschaft, konnten die Räume mieten, als Bar und Fahrradwerkstatt umbauen und mit unseren Kindern und Freunden hier feiern“, ergänzt Barth und zeigt wehmütig auf ein Silvesterfoto: „Auch das neue Jahr haben wir hier oft begrüßt.“

Doch damit ist es nun endgültig vorbei. Denn, wie berichtet, hatte die Petri GmbH die Räume fristgerecht zum Jahresende gekündigt und Beschwerden über die Lautstärke bei Barabenden als Grund angegeben. Finanzielle Interessen durch eine teurere Neuvermietung hatte sie zurückgewiesen.

Vor der Ausräumung und heutigen Übergabe an die Petri GmbH sind unter den über 250 Besuchern auch viele Freunde gekommen, die beim Getränkeverkauf mithelfen. Darunter auch Harpreet Cholia, Leiterin des Projekts „Lebensbrücke“ im Mehrgenerationenhaus. „Hier geht ein wichtiger Kulturraum im Gallus verloren, ein Ort, der ein starkes Gemeinschaftsgefühl vermittelt“, bedauert sie und erinnert, welche Projekte SIKS seit ihrer

Gründung vor 13 Jahren

auf die Beine gestellt hat.

Dazu gehören neben den Barabenden zahlreiche Ausstellungen, Lesungen, Film- und Diskussionsabende und eine Repairwerkstatt, außerdem eine Fahrradwerkstatt und Hausaufgabenhilfe mit Unterstützung der „Sozialen Stadt Gallus“. Und natürlich die jährlichen Straßenfeste in der Koblenzer Straße, das letzte wurde im vergangenen August gefeiert. „Das war bereits ein Abschied, seitdem konnten wir uns auf die Situation einstellen und lernen, mit der Trauer umzugehen“, sagt Manuel Barth.

Zwischendurch treten der Frauenchor She Choir Frankfurt und der Arbeiterchor Roter Stern Frankfurt auf, singen Weihnachts- und Poplieder, das ein oder andere mit revolutionärem Charme. Sie unterstreichen die alternative Szene junger und jung gebliebener Erwachsener, die das „Knobbe“ prägen. „Hier konnten wir mit Bankern diskutieren, die in ausgelassener Runde mal ein ganz anderes Gesicht gezeigt haben“, erinnert sich Harald Flörke. Der 52-Jährige unterrichtet Mathematik und Physik an der Ziehenschule, doch bei der Stadtteilinitiative fand er Gleichgesinnte für sein Hobby: Kultige Trashfilme über den Yeti in der Großstadt.

Wie geht es weiter? „Jetzt müssen wir erst einmal den Auszug und die Übergabe des ,Knobbe‘ bewältigen, dann können wir uns auf die Suche nach neuen Räumen konzentrieren“, sagt Barth. „Wenngleich es ein zweites ,Knobbe‘ in dieser Art wohl nicht geben wird.“ Erste Versuche, einen neuen Standort im Gallus oder in Bockenheim zu finden, waren nicht erfolgreich. Einen Lichtblick gibt es für die rund 20 SIKS-Mitglieder und ihre Freunde aber doch: Das Clublokal „Horst“ in den Gebäuden der Adlerwerke, das Lorek Lorey mit seinem Team in der Kleyerstraße 15 betreibt: „Hier können wir gemeinsame Treffen und den ein oder anderen Revival-Barabend anbieten“, stellt Lorey in Aussicht.

Wer helfen kann

Raumangebote an die SIKS gehen per E-Mail an info@siks-ffm.de

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