+
ARCHIV - 06.03.2016, Hessen, Frankfurt am Main: Das zur Kommunalwahl mit Fahnen geschmückte Frankfurter Rathaus - der Römer. (zu dpa "Wer wird Hausherr im Römer? Frankfurter wählen Oberbürgermeister" vom 23.02.2018) Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Woche im Römer

Es lebe das Ehrenamt!

Es war ein lauer Frühjahrsabend, als die Frankfurter SPD eine Sternstunde feierte. Beinahe sagenhafte 70,8 Prozent der Wählerstimmen konnte Oberbürgermeister Peter Feldmann auf sich vereinen.

Es war ein lauer Frühjahrsabend, als die Frankfurter SPD eine Sternstunde feierte. Beinahe sagenhafte 70,8 Prozent der Wählerstimmen konnte Oberbürgermeister Peter Feldmann auf sich vereinen. Das war wie Balsam für die gebeutelten, sozialdemokratischen Seelen nach dem katastrophalen Abschneiden der SPD bei der vorangegangenen Bundestagswahl (20,5 Prozent).

Als Heilsbringer zelebrierten denn auch Landes- und Bundespolitiker den Frankfurter Oberbürgermeister. „Ich nehme das mit nach Berlin“, schwärmte SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen. „Es zeigt, dass man mit dem Thema bezahlbarer Wohnraum Wahlen gewinnen kann.“ Und Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel wähnte schon „Rückenwind für die Landtagswahl“. Fast hatte man den Eindruck, er werde demnächst um Audienz beim OB ersuchen, um sich von ihm das Programm für die Hessenwahl in den Block diktieren zu lassen.

Ein halbes Jahr später lässt sich eher von Gegen-, denn von Rückenwind sprechen. Der weht allerdings nicht von Frankfurt, sondern von Bayern und Berlin in Richtung Wiesbaden. Das breite Grinsen vom Abend der OB-Stichwahl jedenfalls ist Schäfer-Gümbel vergangen.

Von bayerischen Verhältnissen mag in Hessen zwar keiner sprechen, jüngste Umfragen sehen die SPD bei 20, beziehungsweise 21 Prozent. Das wäre zwar mehr als doppelt so viel wie in Bayern, aber immer noch etwa 10 Prozent weniger als bei der Landtagswahl vor fünf Jahren.

Gut, dass wenigstens bei der Frankfurter SPD alles in bester Ordnung ist. Sie hat ja schließlich Feldmann, dem die Wähler(innen)herzen nur so zuzufliegen scheinen. Der aber ist schlau genug, sich aus dem Kleinklein der Parteipolitik herauszuhalten. Das überlässt der Oberbürgermeister dann doch lieber anderen. Mike Josef zum Beispiel. Planungsdezernent, Parteivorsitzender der Frankfurter SPD und – Hoffnungsträger. Manch einer, der dem jungen Parteichef eine große Karriere vorhersagt. Längst wird er als potenzieller Feldmann-Nachfolger gehandelt, wenn ihm denn nicht der ebenso junge CDU-Chef Jan Schneider bei der nächsten Oberbürgermeisterwahl in sechs Jahren einen Strich durch die Rechnung macht. . .

Man könnte also sagen, den Frankfurter Genossen geht es vergleichsweise gut. Und doch, was nützt es, wenn aus Berlin nur Politikverdrossenheit herüberschwappt? Da möchte man im Straßenwahlkampf wahrlich nicht Mäuschen sein, was sich die Sozialdemokraten von enttäuschten Wählern anhören müssen mögen.

Kein Wunder, dass sich manch altgedienter Frankfurter Genosse derweil auf die Suche macht nach alternativen Hobbys. Ein einstiger Ortsvereinsvorsitzender ist schon fündig geworden. Er lässt die Partei Partei sein und engagiert sich derweil lieber im Kirchenvorstand, „weil das mehr bringt“.

Immerhin, folgen noch mehr diesem Beispiel, könnte sich die Misere der Sozialdemokratie am Ende zum Glücksfall für Vereine und Kirchengemeinden entpuppen, gar eine Renaissance des Ehrenamtes einläuten. Dann könnte sich Bundes-SPD-Chefin Andrea Nahles doch noch ein Verdienst ans Revers ihres Blazers heften. . .

So oder so: Am nächsten Wochenende wird es spannend, auch für die Frankfurter Sozialdemokraten. Denn bei der Landtagswahl 2013 kam die SPD in der Mainmetropole nur auf 27,8 Prozent der Stimmen – das waren knapp drei Prozent weniger als im Land (30,7 %). Stimmen die Umfrageergebnisse und schneidet die SPD in Frankfurt wieder deutlich schlechter ab als im Land, würde sie in Frankfurt weniger als 20 Prozent erreichen. Es lebe das Ehrenamt!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare