Ein Leben mit Diabetes

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Hollywoodstar Halle Barry hat es, Olympiasieger Matthias Steiner auch und Laura

Hollywoodstar Halle Barry hat es, Olympiasieger Matthias Steiner auch und Laura Karasek-Briggs , Tochter von Literaturkritiker Hellmuth Karasek ebenfalls: Diabetes Eins. Dabei handelt es sich um eine Stoffwechselkrankheit, bei der die Bauchspeicheldrüse kein oder viel zu wenig des Hormons Insulin produziert. Dadurch kann es zur Überzuckerung, der sogenannten Hyperglykämie, oder zur Unterzuckerung, der Hypoglykämie kommen. Laura Karasek-Briggs, Mutter von Zwillingen, lebt seit ihrem 13. Lebensjahr mit dieser Zivilisationskrankheit, deren Name Diabetes Mellitus lautet, was so viel wie honigsüßer Ausfluss bedeutet. Doch die 35-Jährige lässt sich davon nicht unterkriegen. Im Gegenteil. Sie lebt ihr Leben, arbeitet als Anwältin, macht Musik in einer Anwalts-Band, ist gerngesehener Gast in allen möglichen Talk-Shows, schreibt Bücher und als „Stern-Stimme“ des gleichnamigen Magazins schreibt sie eine Kolumne. Und sie träumt von einer eigenen Talkshow im Fernsehen.

„Ich war ein sehr dünnes Kind und in der Pubertät sehr mager. Konnte essen, was ich wollte, und nahm nicht zu“, erinnert sie sich. „Irgendwann hatte ich ständig wahnsinnigen Durst“, berichtet sie. „Als ich zum Arzt ging, kam heraus, dass ich Diabetes hatte, weil die Zuckerwerte extrem hoch waren.“ Damals jedoch hatten die Teenagerin und ihr Doktor noch die Hoffnung, „dass das nur temporär sein könnte. Wegen der Pubertät, in der die Hormone sowieso verrückt spielen“. Aber dem war nicht so. „Ich weiß noch, dass ich damals zuerst dachte, dass ich das nicht haben will“, erzählt sie über ihre ersten Gedanken nach der Diagnose. „Aber ehrlich gesagt, erinnere ich mich gar nicht so genau daran, was ich damals dachte. Ich war doch erst 13. Also noch ein Kind.“

Doch die Krankheit veränderte ihr Leben, denn sie musste sich von diesem Moment an Insulin spritzen. Die ersten Jahre injizierte sie sich das Hormon mit einem Pen – einer Spritze. „Seit 2013 habe ich eine Pumpe.“ Die wechselt sie alle paar Tage aus und kann die Insulinzufuhr mittels eines Pods, einer Art Fernbedienung, regeln. Den Zuckerspiegel misst sie allerdings immer noch auf herkömmliche Art, indem sie sich in den Finger pickst. „Du hast auf der einen Seite das Gefühl, dass du nicht die Kranke sein willst, sondern dazugehören möchtest. Andererseits kam bei mir das Gefühl auf, dass ich etwas Besonderes bin, und eine Spritze habe. Das hat eine gewissen Faszination ausgeübt auf die anderen“, berichtet Laura Karasek über ihre ersten Jahre als Diabetikerin.

Ihre Eltern „haben das nicht so gut aufgenommen. Meinen Vater hat es sehr mitgenommen“, erzählt sie. Hellmuth Karasek soll sogar aus Solidarität zu seinem Kind geschworen haben, nie wieder Süßigkeiten zu essen. „Aber weder er noch ich haben das jemals durchgehalten“, sagt sie. „Aber ihn hat das sehr bedrückt und er hat sich Sorgen gemacht. Selbst noch auf dem Sterbebett.“ Sie selbst hatte auch arg zu kämpfen. „Ich war immer schon ein sehr leidenschaftlicher Mensch, ein Mensch, der gerne lebt.“ Und das ist sie geblieben. Laura Karasek lässt sich ihr Leben „nicht von der Diabetes diktieren. Ich mache jeden Tag viel Sport, weil es meinem Körper gut tut“, sagt sie. „Ich esse alles, ich liebe Süßigkeiten und Weißwein“, verrät sie. „Ich finde es aber schwierig, ein guter Diabetiker zu sein. Manchmal ist es frustrierend, weil es Tage gibt, an denen der Blutzuckerspiegel ohne erkennbaren Grund enorm schwankt.“ Sie sagt aber auch, dass sie der Krankheit einiges zu verdanken hat. „Ich lebe sehr bewusst. Nicht im Sinne von Verzicht, sondern ich genieße das, was schön ist, das macht jeden Tag wertvoll“, erzählt sie. „Man ist aber auch im Krieg mit seinem Körper“, sagt sie. „Man fragt sich: Warum ich? Das bringt aber nichts. Wichtiger ist es zu fragen, wie man damit umgeht“, weiß Karasek aus Erfahrung. Aber man muss lernen, dass die Krankheit ein Teil von einem ist. „Man will sie nicht feiern, am liebsten ausblenden. Aber sie ist immer da. Seitdem ich 13 bin, habe ich keinen Tag Urlaub von dieser Krankheit.“

(es)

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