Evangelische Akademie

Das Leben der ganz anderen

Mönch sein inmitten der hektischen Stadt. Wie ist das? Eine Fotografin war eine Woche lang im Liebfrauenkloster. Das ist nur ein Projekt der „Stadt_Klausur“ der Evangelischen Akademie. Zu sehen sind die Werke vom 6. bis zum 23. Juni.

Mit den „Sinn_Orten“, der vierten Station des Kulturprojektes „Büro für Veränderung“, bietet die Evangelische Akademie Frankfurt mit einer Reihe von Partnern die Möglichkeit, das Zentrum der Stadt bei Veranstaltungen neu zu erkunden. Im Fokus stehen dabei die Stadtklöster als Gegenorte der Wirtschaftsmetropole.

Als Höhepunkt sehen die Organisatoren die „Künstlerischen Interventionen“ von Andrea Diefenbach, Levent Kunt und Heike Weber, die am Montag, 6. Juni, starten. Bewusst spricht Kurator Christian Kaufmann, Studienleiter für Kunst und Stadt der Akademie bei den drei Projekten nicht von einer „Ausstellung“, „Stadt_Klausur“ wurden sie benannt.

Der 1978 in Ankara geborene Levent Kunt hat am Dominikanerkloster, dem Kapuzinerkloster Liebfrauen und dem Karmeliterkloster Skybeamer installiert, von weithin, etwa vom Lohrberg aus, „werden sie die Orte deutlich markieren“, so Kaufmann. Von Sonnenuntergang bis -aufgang inszeniert Kunt alle drei Klöster, hebt sie hervor und lässt die Betrachter zugleich nach der Bedeutung des Lichts für den sakralen Raum fragen. Levent Kunt lebt in Frankfurt am Main. Zu sehen waren Werke von ihm unter anderem schon in der Schirn und in der Mainzer Kunsthalle.

Aus der Stille heraus wirkt die 1974 in Wiesbaden geborene Fotografin Andrea Diefenbach bei den „Sinn_Orten“: Sie hat die Brüder des Liebfrauenklosters eine Woche lang mit der Kamera begleitet, entstanden ist ein Magazin, das den Alltag der dort lebenden Mönche dokumentiert. Bislang Unbekanntes wird sichtbar gemacht.

Diefenbach hat sich einen Ruf als aufmerksame Bild-Chronistin erworben. 2013 wurde sie für die Fotoserie „Land ohne Eltern“ unter anderem mit dem Abisag Tüllmann Preis für Fotojournalismus ausgezeichnet. Gewürdigt wurde damit eine Serie von Aufnahmen, die Kinder in Moldawien zeigt, deren Eltern ausgezogen sind, um anderswo Geld zu verdienen.

Im Hof des Dominikanerklosters streut die 1962 in Siegen geborene Künstlerin Heike Weber im Rahmen der „Stadt_Klausur“ in einem Radius von 16 Metern Spiegelkies aus. Die monumentale Bodenskulptur der Künstlerin, die schon eine Reihe von Ausschreibungen für Bundeseinrichtungen in Sachen „Kunst am Bau“ gewonnen hat, soll den Realitätsraum brechen und das Licht als Energie einfangen. Kurator Kaufmann ist gespannt, „ob der Himmel sich auf der Erde spiegeln wird“ oder das Gebäude, die umstehenden Personen oder alles auf einmal. Weber, die 2015 in der Frankfurter Galerie Martina Detterer aus Lichtschläuchen und Stahl „Glück“ formte, hat das Werk „Alma“ genannt – zu deutsch: „Seele“.

Am Donnerstag, 23. Juni, endet die „Stadt_Klausur“: Eine Midissage findet am Freitag, 17. Juni, um 20 Uhr im Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Straße 23, Innenstadt, statt. Der Eintritt ist frei. Ausstellungsorte sind zudem abends das Kapuzinerkloster Liebfrauen, Schärfengäßchen 3, sowie das Karmeliterkloster in der Münzgasse 9, beide in der Innenstadt.

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(red)

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