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Wer in dem Laden ?gramm.genau? in Bockenheim bei Franziska Geese (links) und ihren Kolleginnen einkauft, bringt sich am besten seine eigene Verpackung mit. Zudem gibt es ein ?Zero-Waste?-Café mit veganem Kuchen und Quiches.

Leben ohne Plastik

In Bockenheim hat mit gramm.genau ein Unverpacktladen mit Café eröffnet

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Plastikfrei einkaufen und leben: In Bockenheim gibt es nun den Laden „gramm.genau“ für unverpackte Lebensmittel und umweltfreundliche Haushaltsprodukte. Angeschlossen ist ein Café mit veganem Gebäck und Müsli-Station, in dem auch Workshops für ein Leben ohne Müll angeboten werden sollen.

Frankfurt - Das Laden-Café ist gerammelt voll. Vor der Theke, die aus einer Holzplatte und Teilen einer Altbautür zusammengezimmert ist, reiht sich die Schlange wartender Menschen bis an die Tür. Einige wollen nur etwas Unverpacktes kaufen, Seife etwa oder Müsli. Andere hoffen noch darauf, ihren Kaffee auf einem der Stühle trinken zu können, deren Sitzkissenbezüge aus alten Hemden genäht sind.

Der Milchkonsum im „gramm.genau“ in Bockenheim hat die Planungen an diesem Vormittag übertroffen. Jemand ist schon mit dem Lastenfahrrad losgefahren, um Nachschub zu besorgen. Vorauszuberechnen, was man braucht, um in einem Café alle Bedürfnisse zu befriedigen, aber möglichst wenig wegzuschmeißen, da fehlt es Franziska Geese, Jenny Fuhrmann und Christine Müller noch an Erfahrung.

Sehen Sie dazu auch unser VIDEO: So geht Picknick ohne Plastik am Frankfurter Mainufer

Anfang Februar hatte das Trio, das seit zwei Jahren einen Online-Handel für unverpackte Waren führt, sein Geschäft in der Adalbertstraße eröffnet. Nun wurde der bislang ungenutzte Freiraum darin mit gebrauchtem Mobiliar bestückt, um neben dem reinen Verkauf auch eine Begegnungsstätte für all diejenigen zu bieten, die sich zum Thema Plastikvermeidung im Alltag  austauschen oder auch nur einfach einen Plausch bei Kuchen oder Quiche halten wollen. No-Waste-Workshops, bei denen Kosmetik- und Haushaltsartikel selbst hergestellt werden, sind ebenfalls geplant.

Gute Resonanz für den Unverpacktladen in Bockenheim

So sieht es im Unverpacktladen gramm.genau in Bockenheim aus.

Der Ansturm am Eröffnungstag war immens. So wie die 28-jährige Geese und ihre beiden Geschäftspartnerinnen überhaupt große Resonanz auf ihr Angebot bestätigen können. Das habe sich bereits angekündigt, als sie mittels Crowdfunding um Unterstützung für ihr Projekt warben und mehr als 20 000 Euro zusammenkamen. Die Hilfe setzte sich fort, als es um die Einrichtung der Räume ging und sich neben Freunden und Bekannten auch Nachbarn engagierten.

Das Thema treffe den Puls der Zeit, bestätigt Geese. Nachdem das gemeinsame Vorhaben der studierten Kunstpädagogin, der Betriebswirtschaftlerin Müller und der PR-Beraterin Fuhrmann im Internet gut angelaufen war, gingen sie daran, ihre eigentliche Geschäftsidee umzusetzen. Dabei beschränken sie sich nicht nur darauf, das Gewünschte wie Hülsenfrüchte, Getreide oder Reis in mitgebrachte oder über Pfand herausgegebene wiederverwertbare Behälter abzupacken.  Gemeinsam mit ihren Lieferanten, die selbst auf Bio-Qualität und CO2-neutralen Transport achten, versuchen sie Herstellung und Verkauf immer weiter zu optimieren.

Hygienische Probleme zeigen Grenzen des Unverpackt-Konzepts auf

Hygienische Gründe lassen sie jedoch oftmals an ihre Grenzen stoßen. Spritztüten etwa, wie sie die kooperierende Konditorin benötigt, dürften nicht wiederholt benutzt werden. Für das Problem gebe es bislang noch keine befriedigende Lösung. Beim Erwerb von Milchersatzprodukten komme man derweil nicht am ungeliebten Tetrapack vorbei. „Wir wollen deshalb versuchen, Hafermilch selbst herzustellen“, sagt Geese. Aber sie wüssten noch nicht, ob das in der Menge möglich sei, die sie benötigen.

Sortiment wird nach Wünschen der Kunden zusammengestellt

In den ersten Wochen nach der „Soft-Eröffnung“, die nur den Thekenverkauf betraf, mussten die Betreiberinnen schon manches Mal den Kunden mitteilen, dass ein Produkt vorzeitig ausgegangen war. Daraus werde man lernen, sagt Geese, und zudem versuchen, den Käufern auch Wünsche nach Waren zu erfüllen, die bislang noch nicht offeriert werden. Andere könnten aus diesem verschwinden, wenn es an Nachfrage mangelt. „Wir haben nur begrenzten Lagerraum“, erklärt Geese. Deshalb müsse man so gut wie möglich sortiert sein.

An eine Sonntagsöffnung sei noch nicht gedacht. Aber wie vieles andere könne sich auch das mal ergeben. Schließlich will das „gramm.genau“-Team nicht stehen bleiben, sondern sich stetig weiterentwickeln.

Öffnungszeiten und Workshops von gramm.genau

Das Laden-Café „gramm.genau“, Adalbertstraße 11, ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Sonntags bleibt das Café geschlossen. Der nächste No-Waste-Workshop ist für den 30. März geplant.

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