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Ein Leben für den Sport

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Von: Judith Dietermann

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Hubert Handrow, langjähriger Vorsitzender des TV Eschersheim, bekommt heute die Bürgermedaille der Stadt Frankfurt verliehen.
Hubert Handrow, langjähriger Vorsitzender des TV Eschersheim, bekommt heute die Bürgermedaille der Stadt Frankfurt verliehen. © Heike Lyding

Es ist eine Beziehung, die schon seit über 60 Jahren hält: Die von Hubert Handrow und dem TV Eschersheim. Jetzt wird der ehemalige Turner und Prellballer, Abteilungsleiter und Vorsitzende des Vereins für sein ehrenamtliches Engagement geehrt. Heute erhält er die Bürgermedaille der Stadt Frankfurt.

Es gibt fast nichts, was Hubert Handrow in seinem Leben noch nicht gemacht hat. Ob er aber schon mal einen Pokal geküsst hat, daran kann sich der 85-Jährige allerdings nicht erinnern. Zwar ziert er sich zunächst ein wenig, lässt sich dann aber doch überreden. „Nur ausnahmsweise, nur fürs Foto. Und es muss ein Pokal mit einem Prellball-Emblem sein“, ist plötzlich seine Bedingung. Er zeigt auf die langgezogene Vitrine, welche die kleine Geschäftsstelle des Turnvereins (TV) Eschersheim in zwei Hälften teilt. Dort oben reihen sie sich aneinander, die silbernen und goldenen Pokale, welche die Vereinsmitglieder in den vergangenen Jahren gewonnen haben.

Gleich an mehreren Erfolgen war Hubert Handrow beteiligt – in seiner Lieblingssportart, dem Prellball. „Das war lange meine Leidenschaft“, sagt Handrow, greift sich einen Pokal, stellt ihn auf das kleine Regal in der Mitte des Raumes und küsst ihn. „Das war ja gar nicht so schlimm“, merkt er und lacht.

Viele Auszeichnungen

Ein Leben ganz ohne Sport oder Ehrenamt, das hätte sich Hubert Handrow nie vorstellen können. Seit 63 Jahren ist er mittlerweile Mitglied beim TV Eschersheim, seit 1970 Teil des Vorstandes, von 1982 bis 2013 sogar Vorsitzender des Vereins. Gewürdigt wird dieses ehrenamtliche Engagement jetzt von der Stadt – heute wird er mit der Bürgermedaille der Stadt ausgezeichnet. Verliehen bekommt er sie zusammen mit einer Urkunde, die der Rentner dann in seinen gut gefüllten Ordner einsortieren kann. Darin finden sich bereits der Ehrenbrief des Landes Hessen, die Sportplakette in Bronze, die silberne und goldene Ehrennadel des Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes sowie die Ehrennadel des Deutschen Turnerbundes in Bronze.

„Ich habe aber noch viel mehr gemacht. So war ich Mitbegründer des Arbeitskreises Eschersheimer Vereine, war bei den Kleintierzüchtern aktiv und habe als Rechtspfleger verschiedene Vereine bei ihrer Gründung beraten. Und ich war dreifacher Turnfestsieger – natürlich im Prellball“, sagt er stolz und blättert weiter.

Wenn Hubert Handrow einmal begonnen hat, aus seinem Leben und seinem ehrenamtlichen Engagement zu erzählen, dann hört er so schnell nicht mehr auf. Immer wieder fällt ihm eine neue Anekdote ein, oder er erinnert sich an eine andere Begebenheit. „Das Langzeitgedächtnis funktioniert bestens. Wenn ich aber gefragt werde, was ich gestern zu Mittag gegessen habe, wird dies schwierig“, gibt er offen zu und gesteht, dass seine grauen Zellen nicht mehr die jüngsten sind. Aber das muss er auch nicht. Schließlich wurde Handrow bereits 1932 geboren.

Erste nackte Brust

1949 kam er über die grüne Grenze von Thüringen nach Hessen, beim Turn- und Sportverein Dorn-Assenheim spielte er Fußball, dann begann er zu turnen. Wie sein Vater. „1953 bin ich zum ersten Mal zum Turnfest nach Hamburg“, erzählt er. Nachts gingen er und die anderen Jungs auf die Reeperbahn und landeten in einschlägigen Einrichtungen. „Dort habe ich zum ersten Mal eine nackte Brust gesehen. Das sind Erinnerungen, die ich nie vergessen werden“, sagt er.

1954 kam Hubert Handrow nach Frankfurt, dort entdeckte er seine Liebe zum Prellball: Nach der Turnstunde wurde mit Bänken und Stangen das Spielfeld markiert. 1961 wurde die Prellballabteilung gegründet, mit Handrow als Leiter. Ehe er 1982 zum Vorsitzenden des TV Eschersheim gewählt wurde. Sein selbstgewählter Rücktritt vor vier Jahren schmerzt ihn heute noch, obwohl er dem Verein als Ehrenvorsitzender treu geblieben ist. „Der Turnverein ist wie mein Kind“, sagt er mit Tränen in den Augen. Doch ein Teil von ihm, der wohl wichtigste in seinem Leben, ist nach wie vor präsent im Verein: seine Frau Romy. 77 Jahre alt und das Gesicht in der Geschäftsstelle.

„Ohne meine Frau wäre mein Engagement beim TV nicht machbar gewesen. Als ich mich damals für den Vorstand habe aufstellen lassen, habe ich gesagt, dass sie mitziehen muss. Sonst würde es zwischen uns irgendwann auseinander gehen“, erinnert sich Handrow.

Kennengelernt haben sich die beiden übrigens nicht beim Sport, sondern bei der Fastnacht. Seit 1962 sind sie verheiratet, haben einen Sohn und eine Tochter. – Sport macht Hubert Handrow heute nur noch selten, trotzdem ist er ständig in Bewegung. 2 500 Quadratmeter groß ist sein Garten mit 16 Bäumen. „Da habe ich viel zu tun, im Sommer und im Winter, im Schnee und im Regen“, ist er jeden Tag in seinem grünen Paradies.

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