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Rudi Litzinger hat das Trikot aus den 1950er Jahren noch mal angelegt.

Rudi Litzinger

Ein Leben für den Sport

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Seit 70 Jahren ist Rudi Litzinger Mitglied beim TuS Hausen und damit einer der Gründerväter des Nachkriegssports im Stadtteil. Durch seine Mitarbeit entstand nicht nur die Sporthalle am Ellerfeld, sondern auch das bis heute breite Angebot an Sportarten, die der Verein anbietet.

Mit dem Erinnern hat Rudi Litzinger auch mit seinen 89 Jahren keine großen Probleme. Dafür sorgt zum einen, dass Sport und Familie den Rentner seit Jahrzehnten jung halten, zum anderen aber auch die Ordnung, auf die Litzinger in seinem Haushalt großen Wert legt. Fragt man Litzinger nach einem alten Trikot, hat er es mit wenigen Handgriffen aus einem Schrank befördert. Und wenn er seine Erzählungen mit Fotos ausschmücken will, genügt ein Blick in einen Din-A4-Ordner, um das richtige Album aus dem Regal zu ziehen.

Der Ordner, in dem Litzinger alle durchnummerierten Fotoalben mit Jahreszahlen und Ereignissen in sauberer Handschrift aufgenommen hat, enthält nahezu das ganze Leben des gelernten Werkzeugmachers: seine Kindheit in Griesheim, Erinnerungen aus der Zeit, in der sein Vater mithalf, die Hausener Arbeitersiedlung zu bauen, in der Litzinger heute noch lebt. Dazu kommen wenige Erinnerungen aus dem Zweiten Weltkrieg, in den er noch 1944 als 17-Jähriger ziehen musste und umso mehr aus der Zeit im TuS Hausen, dessen Mitglied er nach seiner Heimkehr aus dem Krieg als 18-Jähriger wurde und bis heute geblieben ist.

Zu seinen Lieblingsbildern in einem roten Album aus den Jahren 1945 bis 1947 zählt eines der ersten Fotos der Feld-Handballmannschaft, mit der der TuS Hausen nach seinem Aus während der Nazi-Zeit wieder die Arbeit aufnahm. „Man erkennt mich sofort, weil ich der Kleinste bin“, scherzt Litzinger und zeigt auf den jungen Mann in der hinteren Reihe, der tatsächlich durch seine geringere Größe von den anderen klar zu unterscheiden ist.

„Wer nach dem Krieg Sport treiben wollte, musste erfinderisch sein“, erinnert er sich an die Zeit, in der er mit einigen seiner Teamkollegen das Handballtraining auf die Beine stellte. „Der Sportplatz an der Mühlwiese war seinerzeit durch Bombentrichter nicht zu benutzen. Stattdessen trainierten wir auf einem Hartplatz auf dem Industriehofgelände, bevor wir 1946 genügend Backsteine beisammen hatten, um die Löcher auf dem Sportplatz zuzuschütten“, so Litzinger. In derselben Zeit entwickelte Litzinger auch eine Leidenschaft fürs Tischtennisspielen. „Dafür diente in den ersten Jahren eine Behelfsbaracke auf unserem alten Vereinsgelände, die wir wegen der schlechten Beschaffenheit ihres Daches immer nur Tropfsteinhöhle nannten.“

Unmöglich erschien den jungen Männern damals gar nichts. Das zeigten sie auch, indem sie Ende der 1940er-Jahre begannen, bei Ehemaligen des 1860 gegründeten Vereins nach Geld für den Bau einer neuen Sporthalle am Ellerfeld zu sammeln. „Viele, an deren Türen wir klopften, vertrauten uns da fast blind, so gerührt waren sie, dass wir in Eigenregie eine neue Sporthalle planten“, erinnert sich Litzinger an die Vorbereitungen für eine der wenigen von einem Verein in Eigenregie aufgebauten Sporthalle bundesweit.

Seine Pionierrolle im Verein sollte Litzinger noch jahrzehntelang beibehalten: „Ich war eigentlich immer ein Mann der ersten Stunde“, sagt er, wenn er auf seine aktive Zeit im Sportverein zurückdenkt. Den Abteilungen für Handball und Tischtennis folgte die Turnriege für Herren, mit der in den späten 1950er-Jahren der Hausener Niddalauf etabliert wurde. Im Jahr 1968 entstand in Kooperation mit der Liebigschule auch eine Schwimmabteilung, deren Abteilungsleiter er 30 Jahre lang war, bis er sich aus dem aktiven Sport zurückzog. Das hindert ihn jedoch nicht daran, regelmäßig als Vertretungstrainer für die Trimm-Dich-Gruppe einzuspringen.

„Sein vorerst letzter Coup war die vor 16 Jahren gegründete Gruppe Senioren 50 Plus“, erzählt Karin Herzing, die Litzinger vor zwei Jahren als Seniorenbeauftragte des Vereins beerbte und ihn als großes Vorbild beschreibt. Schluss ist für ihn damit aber noch lange nicht, auch wenn er viele seiner Weggefährten inzwischen überlebt hat: „Sport und damit auch der TuS Hausen gehören für mich einfach dazu.“

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