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Christiane Hammacher und Michael Roll zeigen Alfred Nobel, wie er wirklich war.

Aufführung

Ein Leben mit Sprengkraft

Es gab Journalisten, die betitelten Alfred Nobel als „Kaufmann des Todes“, da er sein Geld mit Dynamit und Sprengstoff verdient hatte.

Es gab Journalisten, die betitelten Alfred Nobel als „Kaufmann des Todes“, da er sein Geld mit Dynamit und Sprengstoff verdient hatte.

Das fuchste den schwedischen Erfinder, und er verfügte eine Stiftung zur Vergabe der Nobelpreise. Soweit, so bekannt. Wie der Industrielle aber als Privatmensch war, erzählt das Kammerspiel „Mr. & Mrs. Nobel“, das im Fritz-Rémond-Theater noch bis Sonntag, 26. Juni, zu sehen ist. Der Münchner Michael Roll („Traumschiff“) spielt den Chemiker, Christiane Hammacher die österreichische Pazifistin Bertha von Suttner, welche die Stiftung des Friedensnobelpreises anregte und selbst 1905 mit diesem als erste Frau ausgezeichnet wurde.

„Alfred Nobel war ein wehleidiger Mensch, heute würde man ihn als tief depressiv bezeichnen“, schätzt Michael Roll ein, während seine Spielpartnerin abmildert: „Er war ein sehr komplizierter und einsamer Mensch.“ Über 50 Mal standen die beiden im Stück von Esther Vilar auf der Bühne, seit 2013 sind sie damit auf Tournee. Da sitzt jeder Satz, doch jeder Bühnenraum fordert neu. „Die Geschichte in so einem intimen Haus wie diesem zu spielen, passt besonders gut“, sagt die Schauspielerin.

Fast am gleichen Tag haben „Herr und Frau Nobel“ im realen Leben Geburtstag, da teilen sie auch ihren Humor: „Wenn wir uns eine SMS schreiben, siezen wir uns, dann nenne ich ihn Herrn Nobel“, sagt Christiane Hammacher. Sie verkörpert die 62-jährige Nobelpreisträgerin, die als junge Frau einige Tage Privatsekretärin bei Alfred Nobel in Paris war. Rückblenden führen in eine Liebesgeschichte und geistige Fernbeziehung, „da sind zwei Menschen, die umeinander kreisen und doch nicht zueinander finden“, schildert Michael Roll.

Zusammen mit der Premiere fiel zufällig die Eröffnung des Schweizer Gotthard-Basistunnels, des nunmehr längsten Eisenbahn-Tunnels der Welt, der ohne die explosive Mischung von Nobel nie möglich gewesen wäre. „Der Erfinder war gekränkt, als man ihn zur Einweihung des ersten Gotthard-Tunnels im Jahr 1882 nicht einlud“, weiß der Schauspieler. Für den 55-Jährigen ist es sein erstes Engagement in der Mainstadt, er freut sich darauf, die Kleinmarkthalle zu besuchen: „Ich bin ein Genussmensch und koche sehr gern.“ Roll hat viele Talente, er ist nicht nur ein erfahrener Helikopter-Pilot, sondern hilft mit einer eigenen Stiftung traumatisierten Kindern. Eine TV-Rolle reiht sich an die andere, den Bart hat er sich übrigens nur für das Nobel-Kostüm wachsen lassen.

Herzliches Wiedersehen: der 87-jährige Filmstar Gunnar Möller („Ich denke oft an Piroschka“) kam zur Premiere eigens aus Berlin, um seiner Frau Christiane Hammacher die Daumen zu drücken. Das Ehepaar kennt das Frankfurter Theater gut, seit es hier vor mehr als 30 Jahren „Loriots Dramatische Werke“ aufführte. „Auf der Bühne streiten wir nie, privat schon“, verriet die gebürtige Mannheimerin.

Apropos, Rasen-Dynamit und gute Tat. Wenn bei der Europameisterschaft die deutsche Mannschaft das Leder kickt, gibt es für die Vorstellung zwei Karten zum Preis von einer. Theater-Chef Claus Helmer: „Für alle, denen der Fußball-Trubel doch zu viel wird.“

(fai)

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